Kreis Südliche Weinstraße „Klimaschutz geht uns alle an“
Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken. Ein ehrgeiziges Ziel. Um es erreichen zu können, wird derzeit ein Klimaschutzkonzept erstellt. 35 Einwohner der VG waren am Dienstagabend in die Schlosshalle gekommen, um sich bei einem Bürgerforum über den Entwicklungsstand des Konzepts zu informieren und eigene Vorschläge einzubringen.
Als hätte es noch eines Beweises bedurft, entlud sich während der rund zweistündigen Veranstaltung ein heftiges Gewitter über der Kurstadt, das nur ein paar Kilometer weiter zu erheblichen Schäden führte. „Die Wetterkapriolen, die wir in den vergangen Tagen in Deutschland erlebt haben, sind für mich ein Beweis für den Klimawandel“, hatte Bürgermeister Hermann Bohrer in seiner Begrüßung gesagt. Auch wenn die Einflussmöglichkeiten auf die weltweiten Veränderungen nur gering seien, „müssen wir unseren Teil zum Klimaschutz beitragen“, so Bohrer. Mit der Erstellung des Klimaschutzkonzepts hat der VG-Rat die Landauer Umweltberatungsagentur Ree-Mix beauftragt, die bereits ein solches Konzept für die Verbandsgemeinde Landau-Land erstellt hat. Projektleiter ist Diplom-Biologe Christoph Weinmann, der zunächst über die Arbeit des Akteursrats informierte. Der Akteursrat war in der Auftaktveranstaltung im Februar gebildet worden und setzt sich aus der Vertretern der Verwaltung, der Wirtschaft und Wissenschaft sowie interessierten Bürgern zusammen. Bisher hat er dreimal getagt. Die technische Potenziale in der Verbandsgemeinde seien ernorm, sagte Mathias Jehling vom Institut für Regionalwissenschaft der Karlsruher Uni. Er lieferte Zahlen und Fakten zum regionalen Klimaschutz. Im Vergleich zu 1990 soll sich der CO2-Ausstoß in der VG Bad Bergzabern um 44.000 Tonnen reduzieren, das wären die angestrebten 40 Prozent. Durch in der Vergangenheit bereits umgesetzte Maßnahmen liegt der CO2-Ausstoß aktuell um zwölf Prozent unter dem von 1990. Bleiben noch 28 Prozent in den kommenden vier Jahren. Die größten Einsparpotenziale sieht Jehling mit 49 Prozent bei den Privathaushalten, etwa durch modernere Heizungen oder besser isolierte Häuser. 30 Prozent liegen laut Jehling beim Verkehr, 18 Prozent bei der Wirtschaft und nur drei Prozent bei den Kommunen. „Die Kommunen haben aber eine Vorbildfunktion“, betont der Wissenschaftler. Jehling beschrieb auch einen umfangreichen Maßnahmenkatalog. Darin enthalten sind beispielsweise die gezielte Sanierung von Häusern aus den 1970er-Jahren, die „Umsetzung der Fotovoltaik-Potenziale“ („Fast kein Dach ohne Fotovoltaik“) oder der Verzicht auf das Auto bei kürzeren Strecken. „Klimaschutz geht uns alle an! Mit aktivem Klimaschutz sichern wir langfristig unsere Lebensgrundlage“ lautet das Leitbild des Klimaschutzkonzepts. Mitglieder des Akteursrats stellten kurz die von ihnen erarbeiten Maßnahmenpakete vor. Dazu zählen etwa Bildungsangebote, Pilotprojekte zum Anfassen, Einsatz modernster Technologie für mehr Energieeffizienz oder die Reduzierung des Individualverkehrs auf der Straße. Es gebe natürlich Ähnlichkeiten zu den in der VG Landau-Land vorgeschlagenen Maßnahmen, bestätigte Weinmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Es gibt aber auch Unterschiede, etwa das Thema Suffizienz“, so Weinmann. Suffizienz steht in der Ökologie für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch. „Gut leben statt viel leben“, fordert der Akteursrat. Bei Neuanschaffungen soll auf die Qualität geachtet werden, langlebige Güter sind zu bevorzugen. Am 29. Juni trifft sich der Akteursrat zu seiner vierten Sitzung, in der die Ergebnisse aus dem Bürgerforum ausgewertet werden. Danach erhält das Klimaschutzkonzept seine endgültige Fassung. Der Öffentlichkeit wird es am 7. September vorgestellt. Da letzte Wort hat der VG-Rat, der entscheidet voraussichtlich am 27. September darüber. (jpa)