Edesheim
Klagen wegen Ausbaus der Staatsstraße
Es ist still geworden in der Edesheimer Staatsstraße. Gewöhnlich rollen dort am Tag mehr als 10.000 Fahrzeuge. Seit einem halben Jahr ist nur noch eine überschaubare Anzahl an Autos in der Ortsdurchfahrt zu sehen. Es gibt schließlich kein Durchkommen. Die Fahrbahn wird abschnittsweise auf Vordermann gebracht. Aktuell sind die Bauarbeiter im nördlichen Teil der Staatsstraße am Werk, in der Nähe der Tankstelle. Also auch vor der Tür des Weinguts Minges.
Ernst Minges ist einer von drei Winzern im Ort, die als Anlieger von den Arbeiten betroffen sind. Begeistert sei er nicht. Schließlich haben sich seine Befürchtungen bewahrheitet. Seitdem es keine freie Fahrt mehr durch Edesheim gibt, machten auch weniger Kunden bei ihm Halt. Der Umsatz falle monatlich 20 bis 30 Prozent geringer aus als sonst. „Jetzt zeigt sich, was die spontanen Einkäufe so ausmachen“, sagt Minges.
Polizei machte Kasse
Am Anfang des Jahres, wenn ohnehin witterungsbedingt weniger im Weingut los ist, seien die finanziellen Einbußen noch zu verkraften. Besonders heftig sei es allerdings im Herbst vergangenen Jahres gewesen, als der Start des Ausbaus mit der Zeit zusammenfiel, in der Neuer Wein ausgeschenkt wurde. 60 Prozent habe er damals weniger eingenommen, berichtet Minges. Auch weil es an den Umleitungen gehapert habe. Die Beschilderung hätten teilweise gefehlt und für Verwirrung gesorgt.
Es war aber auch die Zeit, in der die Polizei Kasse machte. So meldete die Edenkobener Polizeiinspektion am 1. September, dass sie innerhalb einer Stunde rund 20 Fahrer auf den Feldwegen rund um Edesheim erwischt habe. Auch an den folgenden Tagen hielt sie rund um Edesheim mehrere Menschen an, die ihre Fahrt verbotenerweise abkürzen wollten. Damals waren für solch einen Verstoß 20 Euro fällig, inzwischen beträgt das Bußgeld 50 Euro.
Schlossstraße wird zum Nadelöhr
Alles andere als ruhig ist es dagegen in der parallel zur Staatsstraße verlaufenden Schlossstraße. Sie wird von Ortskundigen und Lieferanten genommen, die von Edesheim zu Zielen hinter der Baustelle, nach Rhodt oder in die umgekehrte Richtung möchten. Das hat Blechlawinen zur Folge, vor allem an Werktagen. Besonders der Schwerlastverkehr sorge für Verkehrsprobleme, berichten Elke und Heiner Reinfrank.
Das Ehepaar lebt in der Nähe des Schlosses und bekommt oft genug mit, wie sich Lastwagenfahrer festfahren, weil sie mit ihren Sattelzügen nicht um die Ecke kommen. Die Folge: Staus, teilweise begleitet von Hupkonzerten. „Da sie zu uns in die Küche reingucken können, kam es auch schon vor, dass wir ihnen den Weg weisen mussten“, berichten die Reinfranks. Sorgen macht sich das Paar wegen der Kinder, die den Abschnitt auf ihrem Weg zur Kita oder zur Grundschule passieren. „Das ist nicht ungefährlich.“
„Jammern hilft nicht“
Dieter Eckerle wohnt ebenfalls in der Schlosssstraße. In einem Abschnitt, in dem weder links noch rechts einen Gehweg zu sehen ist. Er muss nach eigener Aussage „höllisch aufpassen“, wenn er mit dem Wagen vom Hof fahren möchte. „Das muss ich zwar schon immer, aber zurzeit häufiger, weil bestimmt dreimal so viele Fahrzeuge hier durchfahren.“ Wünschenswert wäre, dass sich die Verkehrsteilnehmer wenigstens an die erlaubten 30 Stundenkilometer halten würden. Aber gerade die Geschwindigkeitsbeschränkung werde überschritten. Doch: Jammern helfe nicht, betont Eckerle. „Was wollen wir auch anderes tun? Es gibt keine andere Umleitung, da müssen wir jetzt durch.“
Ortsbürgermeisterin Sigrid Schwedhelm-Schreiner (FWG) weist darauf hin, dass es bei solchen langen Bauprojekten immer Lob und Kritik gebe. Zielführend wäre es, wenn sich alle an die ausgeschilderten Umleitungen halten würden, statt sich durch die engen Dorfstraßen zu kämpfen. Besserung erhofft sie sich nach Ende des dritten Bauabschnitts, wenn die direkte Verbindung zwischen der Staatsstraße und Rhodt wieder besteht. Ursprünglich sollte der Abschnitt schon wieder befahrbar sein. Die Arbeiten haben sich allerdings verzögert.
Auch coronabedingte Verzögerungen
Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität (LBM) sind die Bauarbeiter unter anderem witterungsbedingt nicht im Zeitplan. Probleme bereitet haben auch Leitungen von Versorgungsträgern und der zwischenzeitlich coronabedingte Ausfall von Personal, weshalb die Arbeiten stockten. Herausfordernd sei generell, sich mit den vielen Betrieben im Ausbaubereich abzustimmen.
Und was wurde in den vergangenen Monaten gemacht? Auf einer Länge von 350 Metern wurden die Wasserleitung vom nördlichen Ortseingang bis zur Kreuzung Rhodter Straße erneuert. Bis zum Weingut Anselmann wurden zudem die Straße, der Gehweg und Versorgungsleitungen auf Vordermann gebracht. Zudem wurde eine neue Fahrbahnverschwenkung gebaut, damit der Durchgangsverkehr künftig langsamer durch den Ort fährt. Dort herrscht Tempo 30.
Neue Ampel an Kreuzungsbereich
Stichwort Verkehrsberuhigung: Auf Beschluss des Gemeinderates wird es entgegen der ursprünglichen Planung nach Ende des Ausbaus im mittleren Bereich der Staatsstraße mehr Parkplätze geben. Auf dem Abschnitt zwischen der Sparkasse und der Eisenbahnstraße, die in Richtung Speyer führt, sind sechs Stellplätze in zwei Parkbuchten vorgesehen. Doch so weit ist es noch nicht.
LBM-Dienststellenleiter Martin Schafft erläutert: „Zurzeit werden zwischen dem Weingut Anselmann bis zur Tankstelle die Bord- und Rinnenanlage gebaut.“ Mitte März sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Dann soll auch die neue Ampel stehen, die künftig am Kreuzungsbereich zur Rhodter Straße den Verkehr regeln wird.
Verkehrschaos in den Nachbardörfern aus?
Vor Beginn des Großprojektes wuchs in Nachbardörfern der Protest. Dort wurde befürchtete, dass sie unter einer erhöhten Lärm- und Abgasbelastung zu leiden haben. Auch, dass Fußgänger durch den verstärkten Verkehr gefährdet werden. Wie Großfischlingens erster Beigeordneter, Michael Diehl, auf Anfrage mitteilt, sei zwar mehr los in der Ortsdurchfahrt. Ein Verkehrschaos sei jedoch ausgeblieben. Dafür aber würden jetzt mehr Autofahrer schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer durch den Ort fahren. Um Rasern Einhalt zu gebieten, sollen jetzt bis auf einen Abschnitt in der Mitte des Ortes die Parkbuchten wieder freigegeben werden, kündigt Diehl an. Diese waren gesperrt gewesen, um für einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen.