SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Kita: Weder Neubau noch Erweiterung

Zahlreiche Kitas sind damit beschäftigt, die Vorgaben des Kita-Zukunftsgesetzes umzusetzen, ohne Betreuungsplätze einzubüßen.
Zahlreiche Kitas sind damit beschäftigt, die Vorgaben des Kita-Zukunftsgesetzes umzusetzen, ohne Betreuungsplätze einzubüßen.

Um die Anzahl der Betreuungsplätze in der Kita auch nach Umsetzung der neuen Landesvorgaben halten zu können, müsste die Gemeinde Rhodt ihre Einrichtung erweitern. Sie sieht aber keine Möglichkeit, das Projekt anzugehen. Geliebäugelt wird mit einer neuen Kita in Weyher. Dort sieht man die Sache anders.

Da es im Ort seit einigen Jahren keine Kindertagesstätte mehr gibt, besuchen Weyherer Kinder eine der beiden Einrichtungen in Edesheim. Das soll nach Ansicht des Gemeinderates nach den jüngsten Diskussionen dazu so bleiben. Nicht nur, weil das Gremium die Mädchen und Jungen hinsichtlich der Betreuungsmöglichkeiten und Förderung in den Edesheimer Kitas in guten Händen weiß. Laut Ortsbürgermeister Andreas Möwes werden mit Blick auf die Anzahl der Einschulungen langfristig weniger Betreuungsplätze benötigt als heute. Dabei beruft er sich auf aktuelle Zahlen des Einwohnermeldeamtes.

Damit lässt die Gemeinde den Wunsch der Rhodter verpuffen, die eine Kindertagesstätte im Nachbarort gerne sehen würden. Schließlich ist die eigene Einrichtung nicht groß genug, um auch nach der Umsetzung des Kita-Zukunftsgesetzes ausreichend Betreuungsplätze für Familien im Dorf bereithalten zu können. Die seit Sommer vergangenen Jahres geltende Vorgabe des Landes sichert Eltern unter anderem eine durchgehende siebenstündige Betreuung und eine Verpflegung ihrer Sprösslinge zu. Da es dafür unter anderem mehr Schlaf- und Essensmöglichkeiten bedarf, muss in zahleichen Kitas, auch in der Südpfalz, durch Erweiterungen und Umbauarbeiten Platz geschaffen werden.

Erweiterung auf Kosten des Südfrüchtegartens?

Aufgrund der räumlichen Begebenheiten können die Rhodter ihre Kita allerdings nicht ohne Weiteres vergrößern. Ohne beispielsweise den benachbarten Südfrüchtegarten dem Erdboden gleichzumachen. So nennt sich die Parkanlage, die als grüne Oase im Dorf gilt. Um solch ein Szenario zu verhindern, hatte Ortsbürgermeister Armin Pister eine alte Idee wieder auf den Tisch gebracht. So sollte die entstehende Lücke in der Betreuung durch eine neue Kita in Weyher geschlossen werden. Dieses Thema war in der Vergangenheit schon einmal von beiden Gemeinden zwar angestrebt, jedoch von den Weyherern aus Kostengründen verworfen worden.

Pister zeigt sich überrascht und enttäuscht über die jüngste Entscheidung in Weyher. Im Rhodter Gemeinderat sei kürzlich eine Arbeitsgruppe gebildet wurden, um den Gedanken einer gemeinsamen Kita weiterzuverfolgen. Zudem hätte diese Lösung seiner Ansicht nach den Charme gehabt, dass Rhodter und Weyherer Kinder schon von Klein auf in Kontakt kommen, bevor sie gemeinsam die Rhodter Grundschule besuchen.

Verantwortung für Kita soll abgegeben werden

Für die Weyherer gibt es allerdings ein weiteres Argument für die ablehnende Haltung: Wie Ortschef Möwes erklärt, können es sich kleinere Gemeinden nicht mehr leisten, sich als Träger um den Betrieb solch einer Einrichtung zu kümmern. In Zeiten, in denen zum Beispiel immer schwieriger werde, Personal für Kitas zu finden. Es müsse in größere Strukturen gedacht werden. Zielführender wäre es, wenn Kitas ähnlich wie die Grundschulen in Händen der Verbandsgemeinden liegen würden. Oder einem Zweckverband übergeben würden, wie es in Walsheim beziehungsweise Knöringen gehandhabt wird. Die beiden Gemeinden fungieren als gemeinsame Trägerinnen ihrer Kindertagesstätte.

Daniel Salm, der in der Verbandsgemeinde Edenkoben als Beigeordneter unter anderem für den Bereich Kitas zuständig ist, bestätigt, dass auch andere Kommunen die Verantwortung für die Kita übergeben würden. Wobei die Tendenz eher zu Zweckverbänden gehe, als die Einrichtung samt des Geländes für einen „symbolischen Betrag“ an die Verbandsgemeinde zu übergeben. „Wir werden bei dieser Thematik größer denken müssen und Gespräche führen“, sagt der künftige Verbandsbürgermeister. Der Vorteil von Zweckverbänden wäre etwa, dass die beteiligten Kommunen den Kita-Betrieb gestalten können und dasselbe Mitspracherecht hätten. Zudem könnten personelle Engpässe durch Vertretungen innerhalb des Verbands einfacher aufgefangen werden.

Weyher möchte sich nicht wegen Kita verschulden

So oder so möchte sich Weyher finanziell nicht übernehmen – weder durch den Neubau einer Kita noch durch die Umfunktionierung eines bestehenden Gebäudes, wie das Luisenstift, das Amtskollege Armin Pister ins Spiel gebracht hatte. Möwes betont: „Solch eine Entscheidung wäre weitreichend und müsste sich langfristig lohnen.“ Statt Eigenmittel aufzubrauchen, soll sich anteilig an den Kosten beteiligt werden, welche durch den geplanten Umbau der katholischen Kindertagesstätte in Edesheim entstehen. Die dortigen Arbeiten gehen aber auch mit Änderungen einher: Die Einrichtung wird einen Gruppenraum und das Teamzimmer opfern müssen, um ausreichend Schlaf- und Essensmöglichkeiten bereithalten zu können, wie es das Kita-Zukunftsgesetz vorsieht. Das teilt der für den Bereich Kita zuständige Beigeordnete Martin Oberhofer auf Anfrage der RHEINPFALZ mit.

Edesheim verliert eine Kita-Gruppe

Man wisse zwar um die Kita-Situation in den benachbarten Kommunen, sagt Oberhofer. Doch der für die Kitas zuständige Ausschusses des Edesheimer Gemeinderates möchte davon absehen, aus diesem Grund die katholische Kita zu erweitern und dadurch wie bisher um die 120 Betreuungsplätze anbieten zu können. Zumal im Ort vergangenes Jahr eine zweigruppige, kommunale Einrichtung eingeweiht wurde. Nicht nur aus finanziellen Gründen wehren sich die Edesheimer nun gegen eine Erweiterung der katholischen Kita. „Auch würde die Außenfläche dadurch kleiner, was wir nicht möchten“, erklärt Oberhofer.

Auch vor diesem Hintergrund ist für den VG-Beigeordneten Daniel Salm das letzte Wort nicht gesprochen. „Es muss in dieser Angelegenheit im Kita-Verbund eine Lösung geben.“ Schließlich werde die Anzahl der Kinder, die in die Kita beziehungsweise in die Grundschule kommen, in den kommenden Jahren nicht zurückgehen. Ganz im Gegenteil: Auch vor dem Hintergrund möglicher Neuansiedlungen von Familien in der Verbandsgemeinde müssen entsprechende Betreuungsplätze bereitstehen, betont Salm.

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