Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchenglocke sollte nach Mitternacht stumm bleiben

Die katholische Kirche in Venningen.
Die katholische Kirche in Venningen.

Der Gemeinderat hat die Bürger über den nächtlichen Glockenschlag entscheiden lassen. Die Kirchengemeinde hat sich weggeduckt.

Die Ausführungen des Landauer Schlafforschers zeigen, wie wichtig eine erholsame Nachtruhe ist. Etwa, um Erkrankungen entgegenzuwirken. Insofern sollten unnötige Lärmquellen vermieden werden, etwa der nächtliche Glockenschlag, der nur dazu dient, die Uhrzeit anzugeben.

Der Venninger Gemeinderat hat die Entscheidung über den Glockenschlag der katholischen Kirche den Bürgern überlassen. Auch wenn es offiziell kein Bürgerentscheid war, sondern eine Umfrage. Dass die meisten Dorfbewohner das Zeitschlagen beibehalten möchten, war zu erwarten. Die meisten Venninger sind ohnehin nicht vom Lärm betroffen, weshalb sie auch nicht mitreden können. Außerdem ist es nur menschlich, Bewährtes so zu belassen, wie es ist, statt es zu beenden.

Wie hätte der Gemeinderat gehandelt, wenn das Ergebnis anders ausgefallen wäre? Hätte er die Glocken auch dann weiterhin nach Mitternacht erklingen lassen? Wohl nicht. Er hat auch jetzt kein Interesse an einem Lärmgutachten gezeigt, oder an einem Kompromiss. So hätte die Anzahl der Glockenschläge zumindest reduziert werden können, bislang sind sie alle Viertelstunde einmal und zu jeder vollen Stunde mindestens vier Mal zu hören.

Das Zeitschlagen mag als Tradition gelten, es ist aber eher ein weltlicher Verwaltungsakt, weshalb auch die politische Gemeinde darüber entscheidet. Die Kirchengemeinde hat kein Mitspracherecht – hätte aber für lärmgeplagte Anwohner zumindest einstehen können, als Zeichen der Nächstenliebe.

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