Kreis Südliche Weinstraße „Keine Wellen machen“

Zur Eröffnung der Wanderausstellung „DDR, Mythos und Wirklichkeit – wie die SED den Alltag der DDR-Bürger bestimmte“ kam gestern
Zur Eröffnung der Wanderausstellung »DDR, Mythos und Wirklichkeit – wie die SED den Alltag der DDR-Bürger bestimmte« kam gestern der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Stephan Krawczyk (rechts) vorbei.

Als „wichtiges Datum“ nannte Karl-Heinz van Lier, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung, gestern am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern den 17. Juni 1953, den Tag des Aufstandes in der DDR, bei dem es zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten gekommen war. Er wurde von Panzern der Roten Armee blutig niedergerollt. „Dieses Datum war mein Einstieg in die Politik, seither ist es mir wichtig, um den 17. Juni herum eine Veranstaltung zu machen“, erklärte der Bundestagabgeordnete Thomas Gebhart (CDU) den Schülern. „Unsere Sprache verarmt immer mehr, das ist eine teuflische Entwicklung“, stellte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Stephan Krawczyk zu Beginn seiner Konzertlesung in Anspielung auf die Kommunikation in den Sozialen Netzwerken fest. Mit seinem Lied zur Gitarre „Ein Hund liebt eine Henne“, einer traurigen Liebesgeschichte des Nichtverstehens, war der Draht zum Publikum schnell hergestellt. „Alle scheißen alle an“ – das war die deutliche Sprache seines Liedes über die Bespitzelung in der DDR. „Das gilt auch für Mobbing in der Schule“, sagte Krawczyk. 1981 habe er den nationalen Chansonwettbewerb in der DDR für herausragende künstlerische Leistungen gewonnen, 1984 habe er begonnen zu schreiben. „Ich habe die Verbonzung der Apparate oder das Reiseverbot thematisiert“, erzählte der Autor und Liedermacher. 1985 folgte das Auftrittsverbot , weil er weder über „moralische noch künstlerische Fähigkeiten“ verfüge, befand das Regime. Dann habe er in Kirchen gespielt, sei rund um die Uhr von der Stasi überwacht worden, schließlich wurde er verhaftet. „Ich konnte nichts dagegen machen“, erzählte Krawczyk. 1988 wurde er in die Bundesrepublik abgeschoben. „Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite“, heißt seine Erzählung, die er den Schülern vorlas. Protagonist ist Simon aus Westberlin, der bei einem Klassenausflug nach Ostberlin auf dem Fernsehturm den Ostberliner Ronald kennenlernt. Die beiden teilen die Leidenschaft für die Hardrockband AC/DC und freunden sich an. Ronald schreibt Simon einen Brief ohne Absender, denn Westkontakte sind nicht erlaubt. Simon überzeugt seine Eltern, einen Wochenendausflug in den Osten zu machen, und trifft Ronald wieder. Musik, Mädchen, Zukunftspläne sind die Themen der Jugendlichen. Aber Simon hat einen Vater, der Genosse und Mitarbeiter des Ostberliner Magistrats ist. Das Treffen bleibt nicht unbeobachtet. Erst im Spätsommer 1989, nach neun Jahren ohne Kontakt, treffen sich Simon und Ronald wieder. Wie er den Alltag in der DDR empfunden habe, wurde der Autor von einem Schüler gefragt. Krawczyk ist 1955 geboren und hat 33 Jahre in der DDR gelebt. „Keine Wellen machen, nicht auffallen, das war für die meisten der Alltag“, lautete seine Antwort. „Finde deinen eigenen Klang“, ist sein Motto. Den Klang hat er auch im Gefängnis gefunden, als er mit 70 anderen Häftlingen gesungen hat. „Dagegen konnten sie nichts tun, sie haben mit den Schlüsseln an den Gittern geklappert“, erinnert er sich. Die Konzertlesung war auch die Eröffnung der Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung „DDR, Mythos und Wirklichkeit – wie die SED den Alltag der DDR-Bürger bestimmte“, die im Foyer der Schule zu sehen ist. Junge Menschen aufzuklären und der Verklärung eines Unrechtsstaats entgegenzutreten, ist das Ziel der Schau.

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