Kreis Südliche Weinstraße Katzenjammer

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Es ist ein wunderschöner Tag im August, an dem Antje Ittensohn merkt, dass sie es nicht mehr mitansehen kann. Sie ist gerade mit ihrem Auto auf dem Weg zur Arbeit, als sie einen toten Kater am Straßenrand entdeckt. Sie muss schlucken. Und fährt weiter. Abends, auf dem Heimweg, liegt das Tier noch immer an derselben Stelle. Die 34-jährige Personalerin aus Billigheim-Ingenheim steigt auf die Bremse und hält an. Sie nimmt das Tier und legt es in den Straßengraben. Es fühlt sich an wie eine Beerdigung. Sie macht ein Foto vom Kadaver des Katers. Das ist nun über ein halbes Jahr her. Als Ittensohn zu Hause ankommt, stellt sie das unappetitliche Bild in einige Gruppen des sozialen Netzwerks Facebook. Sie hofft, dass sich der Besitzer des toten Katers meldet. Er wird sich bestimmt Sorgen um sein geliebtes Haustier machen, das am Ortsausgang von Billigheim-Ingenheim den Tod fand. Sie jedenfalls würde wissen wollen, was mit ihrem Liebling passiert ist. Ittensohn hat selbst vier Katzen. „Ich wusste damals noch nicht, was man mit toten Katzen macht“, sagt sie. Kurz nachdem sie im Internet die Suche gestartet hat, erhält sie eine Nachricht von jemandem, der sie auf die Facebook-Gruppe „Tot aufgefundene Katzen“ aufmerksam macht. Die Gemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, tote Katzen zu bergen, sie zu identifizieren und den Besitzern zu übergeben. Damit diese ihre Haustiere bestatten können. Die 2014 gegründete Gruppe gibt es bundesweit, immer mehr Menschen schließen sich ihr an. In der Südpfalz gibt es aktuell rund zehn aktive Mitglieder, die ausrücken wollen, falls eine Meldung von einer toten Katze eintrifft. Einige tun das nur einmal: Der Anblick einer überfahrenen Katze ist nichts für schwache Nerven. Dennoch werden immer mehr Kadaver von den Aktivisten geborgen: 2014 waren es deutschlandweit noch 1681, im vergangenen Jahr bereits 6768. Das bedeutet nicht, dass mehr Katzen überfahren werden, denn die Gruppe wächst. Die Dunkelziffer überfahrener Katzen schätzt Daniela Lynker, ebenfalls in der Gruppe aktiv, als wesentlich höher ein. Auf der Facebook-Seite gibt es eine Liste aller gefundenen Katzen. Für alle, die ihr Tier suchen. Heute, mit mehr traurigen Erfahrungen ausgestattet, würde Ittensohn die Bergung der Katze anders angehen. Sie hat Handschuhe im Auto, Plastik im Kofferraum und ein Lesegerät für den Chip, den viele Katzen mittlerweile statt einer Tätowierung haben. Daniela Lynker, 28, Krankenschwester, hat die Ausrüstung in ihrer Handtasche. Die Neidenfelserin kümmert sich um den Raum Neustadt, Ittensohn ist für die Landauer Gegend zuständig. Beide engagieren sich ehrenamtlich. Sie können nicht immer sofort losfahren. Deshalb kommen ihnen die Streckenkontrollen der Bauhöfe oft zuvor. „Meist entsorgen sie die Tiere einfach, ohne sich die Mühe zu machen, nach einem Besitzer zu fahnden“, bedauert Ittensohn. Denn: Den Chip auszulesen oder die Tätowierung abzuschreiben dauere keine zehn Sekunden. Sie würden vorbeikommen und das übernehmen. Wenn sie Bescheid wüssten. Nur über eine Nummer ist der Besitzer zu ermitteln. „Aber dafür müsste die Katze registriert sein“, erläutert Lynker. Ihrer Einschätzung nach denken viele Tierbesitzer, mit dem Chip wäre dies automatisch erledigt. Nachdem die Katze geborgen ist, kann sie bei einem Tierarzt oder einem Tierheim abgegeben werden. „Im Landauer Tierheim werde ich komisch angeschaut, wenn ich schon wieder mit einer toten Katze vorbeikomme“, sagt Ittensohn. Grund: Sie hat ihr Engagement nie erwähnt. Den Weg über Tierheim oder Arzt wählt sie nur, wenn kein Besitzer rauszukriegen ist. Sie erinnert sich besonders an eine Begegnung. Es war die Katze eines Mannes Mitte 20. „Als ich sie ihm gegeben habe, haben wir beide geweint.“ INFO Wer mitmachen oder eine tote Katze melden möchte, kann sich bei „Überfahrene/tot aufgefundene Katzen“ im Internet unter www.facebook.com/groups/tot.aufgefundene.katzen melden. Wer einen toten Hund findet, kann den Verein „Tote Hunde“ unter der Telefonnummer 0176 27094127 oder unter www.totehunde.de erreichen.

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