Meinung Kahlschlag im Pfälzerwald: Ziel top, Kommunikation flop
Am Hermersbergerhof ist ein ganzer Waldrand gefallen. Für die Menschen im Ort ist der Anblick ein Schock: Plötzlich stehen sie vor einer offenen Fläche, die wie eine Wunde im vertrauten Landschaftsbild klafft. Und das im Herzen des Schutzgebietes Pfälzerwald. Wenn hier große Baumflächen verschwinden, lässt das niemanden kalt.
Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch: Diese Fällaktion ist genau das Gegenteil dessen, was sie auf den ersten Blick scheint. Es ist ein großangelegtes Vorhaben, um Artenvielfalt zu fördern, den Wald insektenfreundlicher, klimafester und stabiler zu machen. Dahinter steht ein neuer Revierförster, der den Artenschutz bewusst zu seinem Ziel gemacht hat. Dieses Engagement ist wertvoll. Aber wer soll den Hintergrund des Ganzen verstehen, wenn er nicht kommuniziert wird?
Erklärungen kommen erst dann, wenn der Aufschrei schon groß ist
Für den Forst mag dies alles schlüssig, ökologisch begründet und Alltagsgeschäft zu sein. Für den normalen Bürger ist es das nicht. Der sieht einen großen Kahlschlag und seinen schönen Pfälzerwald bedroht. Zwischen diesen beiden Perspektiven liegt ein Graben, der sich nur schwer überbrücken lässt – es sei denn, man spricht miteinander. Genau hier liegt allzu häufig das Problem: Erklärungen kommen vom Forst erst dann, wenn die Maschinen schon arbeiten und der Aufschrei groß ist.
Dabei entstehen die Konflikte oft nicht, weil die Ziele falsch sind, sondern weil der Forst versäumt hat, die Bürger mitzunehmen. Es braucht Transparenz, bevor der erste Baum fällt. Möglichkeiten dafür gibt es viele: Informationsveranstaltungen vor Ort, Hinweistafeln an betroffenen Wegen, Pressemitteilungen im Vorfeld. Wer so vorgeht, schafft mehr Verständnis.
So sehen die Menschen nicht nur das, was verschwunden ist – sondern auch das, was wachsen soll.

