Kreis Südliche Weinstraße Jubiläumsfeier folgt auf Jubiläumsfeier

„Mutig voranschreiten – (aber wohin?)“, war das Thema anlässlich des bevorstehenden Jubiläums zum 200-jährigen Bestehen der Pfälzischen Kirchenunion im kommenden Jahr. Kirchenrat Wolfgang Schumacher widmete sich dem Thema in seiner Funktion als Reformations- und Unionsbeauftragter der Landeskirche. Den Vortrag hielt er bei der Sitzung der Bezirkssynode des protestantischen Dekanats im Gemeindehaus in Bad Bergzabern.
Die Bezirkssynode hat 52 Mitglieder, 35 weltliche und 17 Pfarrer, anwesend waren 41 stimmberechtigte Mitglieder. Wegen des Ausscheidens von zwei Mitgliedern wurden Harald Degner aus Schweigen-Rechtenbach und Edgar Reisinger aus Göcklingen in das Gremium gewählt. Die Synode vertritt rund 20.000 Gemeindeglieder und 24 Kirchengemeinden in 56 Dörfern und Städten des Dekanats mit insgesamt 17 Pfarrstellen. „Mutig voranschreiten“, das Thema von Kirchenrat Wolfgang Schumacher, war einer der Kernsätze der Unionsurkunde von 1818. Ein 200. Jubiläum, das dem Reformationsjubiläum in diesem Jahr folgt und zu dem Schumacher einen aktuellen Bezug herstellte. 1818 – in Bergzabern war es am 2. Dezember 1817 – haben sich zwei völlig getrennte Kirchen zur „Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz“ zusammengeschlossen: Die der Lutherischen und die der Reformierten. „Was uns auch ein wenig stolz machen sollte ist, dass die Triebfeder nicht die Mächtigen der Zeit waren. Die pfälzische Kirchenunion war eine Basisbewegung“, so Schumacher. Bei einer Umfrage in allen Gemeinden, ob eine Union gewünscht sei, hatten sich mehr als 40.000 dafür und nur gut 500 dagegen ausgesprochen. Die Generalsynode habe in nur zwölf Verhandlungstagen das Fundament dieser Unionskirche legen können, so Schumacher. „In dieser Zeit hat man die theologischen und sonstigen Streitigkeiten von drei Jahrhunderten außen vorgelassen“, fasste er das Ergebnis zusammen. Die Union habe auch in Zusammenhang mit der 300-Jahr-Feier der Reformation gestanden, die dem Streben nach Einheit einen gewaltigen Schub gegeben habe. Alles Geschichte?, war seine Frage an die Synodalen. „Ich finde, dass liberaler Geist, aufklärerisches Denken und ein gesundes Selbstbewusstsein die Pfälzer Protestanten und ihre Gemeinden noch heute prägen“, sagte Schumacher. Nach 200 Jahren sollen im Dekanat im kommenden Jahr die historischen Spuren der Union nachgezeichnet und nach aktuellen Bezügen gefragt werden. „Toleranz, Gewissensfreiheit und ökumenische Offenheit. Das sind aus meiner Sicht die Konsequenzen der Kirchenunion“, so Schumacher der seine Schlussfolgerungen aus der Geschichte als Fragen für die Zukunft formulierte. Wollen wir noch in unsere Gesellschaft hineinwirken? Was bedeutet Toleranz der Konfessionen im Zeitalter der religiösen Vielfalt? Das sind nur zwei Fragen, zu denen weitere hinzukommen und beantwortet werden sollen. Nach dem Motto: „Mutig voran schreiten“. In einem weiteren Tagesordnungspunkt begrüßten die Mitglieder der Bezirkssynode die Einführung einer einheitlichen Kirchenordnung, in der alle für die Kirchengemeinden geltenden Rechtsvorschriften zusammengestellt sind.