Kreis Südliche Weinstraße „Jeder soll eine Chance bekommen“

Tatjana macht ihr Praktikum im „Kaffeefleck“ richtig viel Spaß. Hier serviert sie ihrer Mutter Tanja Broeckmann Törtchen und Kaf
Tatjana macht ihr Praktikum im »Kaffeefleck« richtig viel Spaß. Hier serviert sie ihrer Mutter Tanja Broeckmann Törtchen und Kaffee.

Jeden Mittwoch um 9 Uhr ist im „Kaffeefleck“ in Bad Bergzabern Arbeitsbeginn für die 15-jährige Tatjana Broeckmann. Tische herrichten, Kaffee, Törtchen oder Frühstück servieren und wieder abräumen. „Ich bediene gerne Leute, es macht Spaß“, freut sich die Schülerin der Altenbergschule, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, über ihr halbjähriges Praktikum.

Tatjana ist eines von 68 Kindern, die aus den unterschiedlichen Gründen einen besonderen Förderbedarf haben und deswegen die Altenbergschule besuchen. „Tatjana hat eine hohe soziale Kompetenz. Sie ist fleißig, aber schwach in Mathematik und Deutsch, in allen Nebenfächern ist sie gut“, beschreibt Mutter Tanja Broeckmann die Fähigkeiten und Schwächen ihrer Tochter, die die neunte Klasse besucht. „Ab der achten Klasse machen die Schüler ein jeweils halbjähriges Praktikum, um in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern“, informiert die stellvertretende Schulleiterin Sabine Tetzlaff. In diesem Schuljahr lernen so 24 Schüler verschiedene Berufe kennen. „Aber das ist schwer, denn wir sind auf Kooperationen mit Betrieben angewiesen“, so Tetzlaff. Hinzu komme, dass das Jugendwerk St. Josef in Queichheim und die Werkstatt für Behinderte in Offenbach kein Angebot für Praktika mehr machen könnten, berichtet Tetzlaff. Tatjana macht bereits ihr zweites Praktikum. Zuvor war sie im Friseursalon Becker in Bad Bergzabern, auch dort hat ihr die Arbeit gefallen. Ihr fällt nichts ein, was ihr keinen Spaß machen würde, Geduld und Durchhaltevermögen sind ihre Stärken. „Ihr ist nichts zu viel, sie macht es richtig gut. Und wenn sie etwas nicht weiß, fragt sie“, ist das Lob ihrer Chefin im „Kaffeefleck“, Sabine Schmitt-Gilke. Zudem könne sich Tatjana unheimlich gut Dinge merken und mache vieles, das zum täglichen Ablauf gehöre, selbstständig. Auch zu Hause helfe Tatjana selbstverständlich mit, berichtet ihre Mutter. Beide Elternteile sind berufstätig, zur Familie gehört noch ihr zehnjähriger Bruder Max. „Ich nöle nicht wie mein Bruder“, sagt Tatjana zur Hausarbeit. Ihre Mutter war schon in einigen Betrieben, um nach einem Praktikumsplatz für ihre Tochter zu fragen. So kam auch das Praktikum im „Kaffeefleck“ zustande. „Wichtig ist es, den Mut zu haben zu fragen. Mehr als nein kann niemand sagen“, rät sie Eltern in ähnlichen Situationen. Nach einem Probetag hat es im „Kaffeefleck“ geklappt. „Jeder soll eine Chance bekommen“, sagt die Chefin. Tatjana braucht jetzt noch einen weiteren Praktikumsplatz, bis ihre Schulzeit zu Ende ist. Ob sie dann einen Ausbildungsplatz bekommt, weiß noch niemand. „Sie kann sehr gut mit Kindern, hat aber wegen der hohen schulischen Anforderungen keine Chance, in diesem Bereich eine Ausbildung zu bekommen“, sagt ihre Mutter. Sie würde sich freuen, wenn Tatjana einen Praktikumsplatz als Alltagsbegleiterin im Pfalzklinikum bekäme. Die schulischen Anforderungen in den Ausbildungen seien hoch, so die Mutter. Die Altenbergschule ist weiter auf Suche nach Praktikumsbetrieben. „Es gibt bereits wunderbare Kooperationen, aber Praktikumsplätze brauchen wir immer“, sagt Sabine Tetzlaff.

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