Kreis Südliche Weinstraße „Jeder kann etwas tun“
„Keine Arbeit“, ist die kurze und prägnante Antwort der 23-jährigen Snezana Barukcic und des 32-jährigen Ivan Skrbina aus Kroatien auf die Frage, warum sie ihre Heimat verlassen haben. Seit September 2015 wohnt Ivan, seit Januar 2016 Snezana in Vorderweidenthal, dank der Hilfe von Annelie Zeller. Sie lernen deutsch, verdienen sich ihren Lebensunterhalt und haben zwei große Ziele: Beide möchten Arbeit in ihren Berufen – Ivan ist Elektrotechniker, Snezana hat Lebensmitteltechnologie studiert.
Die 68-jährige Annelie Zeller und ihr Mann Erwin haben nicht lange gezögert, als sie von einer Freundin mit kroatischen Wurzeln von den Sorgen der beiden jungen Leute erfahren haben. Ihre Heimat ist Slavonski Brod im Landesinneren, zirka 400 Kilometer von der Küste entfernt. „Im Hinterland von Kroatien gibt es kaum Arbeit, da haben wir gesagt, sie sollen kommen“, erzählt Annelie Zeller. Das Elternhaus ihres Mannes im Ortskern von Vorderweidenthal, in dem das Ehepaar bis 1990 eine Tankstelle und eine Autoreparaturwerkstatt betrieben hat, stand leer und bot Platz für das junge Paar. Die beiden haben sich in diesem Jahr den kleinen Garten mit Gemüse angelegt. „Wir wussten, dass der Anfang schwer wird, da wollten wir helfen“, sagt Annelie Zeller, bekannt vom gleichnamigen Taxiunternehmen und von der Jet-Tankstelle in Annweiler, die sie und ihr Mann bis bis 2002 geführt haben. Ivan bekam für den Anfang Arbeit im Taxiunternehmen, das Sohn Mischa Zeller übernommen hat, Snezana arbeitet derzeit geringfügig beschäftigt im Hofladen des Bärenbrunnerhofs bei Schindhard. „Die Sprache ist schwer, vor allem die Grammatik“, sagen die beiden, die schon sehr gut deutsch sprechen und es schön finden, auf dem Dorf zu wohnen. Den Familien sei ihr Wegzug schwer gefallen. „Aber sie sagen, es ist besser für uns“, erzählen die beiden, die im nächsten Jahr heiraten wollen. Ihr Glück ist, dass sie einen Führerschein haben, als EU-Bürger auch fahren dürfen und ihre Familien für ein kleines Auto gespart haben. Jeden Morgen fahren die beiden zum Sprachkurs bei Profes in Landau, danach gehen sie arbeiten, abends wird deutsch gelernt. Der Sprachkurs ist jetzt bald zu Ende und Ivan möchte gerne wieder in seinem Beruf arbeiten. Er ist Elektrotechniker mit der Abschlussarbeit „sehr gut“, hat den Führerschein für jede Art von Gabelstapler und den Motorsägenführerschein. „Ich möchte am liebsten in eine Firma, in der ich meine Fähigkeiten einsetzen kann“, wünscht sich der junge Mann. Seine Freundin möchte zunächst noch einen weiterführenden Sprachkurs absolvieren. „Es ist nicht einfach für die jungen Leute“, stellt Annelie Zeller fest, die für den Anfang die nötigen Korrespondenzen für die zwei erledigt und den Ordner mit den wichtigen Unterlagen führt. Anmeldung, Sprachkurs, Antrag beim Bundesamt für Migration für die Kostenbefreiung des Sprachkurses, Übersetzung der Geburtsurkunde für die Anmeldung. „50 Euro hat die Übersetzung gekostet, das ist unnötig, es ist sehr viel Geld für die beiden, in anderen Verbandsgemeinden kostet es nichts“, findet Annelie Zeller. „Jeder kann etwas tun und jeder sollte in seinem Rahmen Verantwortung übernehmen“, ist ihre Meinung. Und sie ist stolz auf ihre Schützlinge. Glücklich wären jetzt alle, wenn Ivan eine Arbeit finden würde, die er ab dem 15. Juli antreten könnte. Potenzielle Arbeitgeber können sich bei Annelie Zeller melden, Telefon 06398 993322 oder 0173 6909139. |pfn