Kreis Südliche Weinstraße In Ruhe abhängen

Bitte nicht stören! Beim Überwintern will die Fledermaus ihre Ruhe haben ...
Bitte nicht stören! Beim Überwintern will die Fledermaus ihre Ruhe haben ...

Der Rülzheimer Wolfram Blug vom Naturschutzverband Südpfalz mit Sitz in Kandel griff 2013 die Idee wieder auf, auf der ehemaligen und brachliegenden Militärschießanlage an der Landstraße zwischen Insheim und Landau ein Winterquartier für Fledermäuse zu bauen. Bereits im Jahr 2004 hatte es erste Überlegungen für einen solchen Umbau gegeben, die der Insheimer Edgar Schlee ins Spiel gebracht hatte. Die ehemalige Schießanlage, die von den Nationalsozialisten im Dritten Reich gebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Abzug von den Franzosen genutzt worden war, misst eine Fläche von etwa 8,8 Hektar. Im Zielzonengang – das ist eine rund 130 Meter lange und etwa zwei mal zwei Meter breite, im Boden eingelassene Betonröhre – sollen die Fledermäuse in Zukunft ihr Winterquartier beziehen. Einem entsprechenden Bauantrag hat der Gemeinderat Insheim am Mittwochabend einstimmig zugestimmt. Was ist der Hintergrund des Vorhabens? „Die Fledermäuse leiden Not“, erklärt Blug. Oft würden deren alte Quartiere in ehemaligen Bergwerken oder Höhlen aufgebrochen, etwa für neue Freizeittrends wie Geocaching genutzt, eine moderne Schnitzeljagd mit GPS-Geräten. „Es ist existenziell wichtig für Fledermäuse, ungestört zu überwintern. Sie fahren ihren Kreislauf runter, haben Ruhephasen von eineinhalb bis zwei Minuten ohne Atmung. So sparen sie Energie“, sagt Blug. Jedes Wecken der Tiere und das damit verbundene „Hochfahren“ des Körpers koste Kraft, welche die Fledermäuse nicht verschenken dürften. Deshalb wolle der Naturschutzverband den Tieren eine Überwinterungsmöglichkeit bieten. Was das Projekt kosten soll, könne er noch nicht abschätzen, erklärt Blug auf Nachfrage der RHEINPFALZ Wenn es losgeht, sollen zunächst die Deckenöffnungen des Zielzonengangs, durch die früher die Zielscheiben hochgezogen wurden, verschlossen werden. Dazu werden Porotonbetten verwendet – das sind Konstruktionen aus Ziegeln und Bauplatten. In den Ziegeln sollen Schlafnischen für die Fledermäuse entstehen. Abgedeckt wird alles am Ende mit Sand und Mutterboden. Zudem sollen weitere Überwinterungsmöglichkeiten an den Bäumen auf dem Areal entstehen. Das Gelände ist nämlich vor allem mit Akazien und Robinien überwachsen und stellt damit einen attraktiven Lebensraum für die Fledermäuse dar. Der Naturschutzverband Südpfalz werde das Biotop dauerhaft unterhalten, der Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz sich um die Betreuung kümmern, betont Blug. Ehemalige Militärgelände oder auch Truppenübungsplätze sind oftmals gut geeignete Quartiersplätze für die Tiere. „Sonst Überwintern viele von ihnen unterirdisch, auch in Rübenkellern, an Wohnhäusern oder im Wald“, sagt Blug. Ein Winterquartier müsse frostfrei sein, Temperaturen von zwei bis sechs Grad Celsius aufweisen – wobei die Tiere es gerne kühler hätten – und eine hohe Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent haben. Zudem müssten die Fledermäuse vor Beutegreifern sicher sein und genügend Platz für Schlafnischen und Hängeplätze haben. Zwei Vereine nutzen das Areal derzeit, neben dem Palatina-Bogenschützenverein Insheim sei das auch der Eisenbahnersportverein Landau, erläutert Insheims Ortsbürgermeister Martin Baumstark (CDU). Sein Vorgänger Max Bergdoll (CDU) wollte aus dem Gelände jahrelang ein Gewerbegebiet machen. „Das ist definitiv nicht mehr der Fall“, sagt Baumstark. Die Anlage solle als Naturschutzgebiet erhalten bleiben. Noch in diesem Jahr möchte Blug mit dem Umbau der Anlage anfangen, er sagt aber auch: „Als Naturschützer braucht man vor allem eines: Geduld.“

... und auf der früheren Schießanlage in Insheim hätten sie die.
... und auf der früheren Schießanlage in Insheim hätten sie die.
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