Kreis Südliche Weinstraße In der Warteschleife

Für Dietmar Seefeldt ging es nach dem Brötchenkauf mit seiner Lebensgefährtin Astrid Neumann ins Wahllokal – und später ins Frei
Für Dietmar Seefeldt ging es nach dem Brötchenkauf mit seiner Lebensgefährtin Astrid Neumann ins Wahllokal – und später ins Freibad.

Gestern Morgen, ein Neubaugebiet in Offenbach, es ist 9.30 Uhr. Dietmar Seefeldt hat gut geschlafen. Okay, er ist etwas früher aufgewacht als sonst an einem Sonntag. Aber es ist eben ein besonderer Tag, und an besonderen Tagen steigt man vielleicht etwas zeitiger aus dem Bett. Am Abend wird der Christdemokrat wissen, ob er der nächste Landrat an der Südlichen Weinstraße wird – sollte es keine Stichwahl geben. Doch jetzt gibt es erst mal etwas, was genauso wichtig ist: frische Brötchen. Der 46-Jährige und seine Lebensgefährtin Astrid Neumann machen sich auf zum Wasgau-Markt im Ortszentrum. An der Kasse hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Es ist ein wundervoller Tag, viele besorgen sich Baguettes für die Grillparty am Abend. Man sieht Seefeldt die Müdigkeit an, es waren anstrengende Wochen. Im Wahlkampf ist ausgiebiger Schlaf so selten wie ein Regenbogen. Am Abend zuvor war er noch beim Froschfest in Steinfeld und hat einigen Chören gelauscht. „Es war eine lockere Atmosphäre, das war sehr entspannend“, sagt der Offenbacher. Besonders hat er sich über die vielen Glückwünsche und Grüße gefreut, die ihn am Samstag über E-Mail, Facebook und What’sApp erreicht haben. Die Brötchen sind gekauft, für Seefeldt geht es direkt ins Wahllokal in der Turn- und Festhalle, klar, wann hat man schon mal die Gelegenheit, sich selbst zu wählen. Er wirkt gelöst, als er wenige Minuten später wieder herauskommt. Abends wird er im Queichtalmuseum sein, um die Wahlergebnisse zu verfolgen. Eine Party hat er nicht geplant, „Ich bin da eher dezent“, sagt der hauptamtliche Beigeordnete des Landkreises Germersheim. Um 11 Uhr wird er seine drei Töchter abholen, anschließend geht es ins Offenbacher Freibad. Das Mittagessen fällt wegen des späten Frühstücks aus, vielleicht gibt es später eine Portion Pommes vom Kiosk. Bevor es aber an den Frühstückstisch geht, macht Seefeldt noch einen kurzen Spaziergang. Er sei stolz auf sein Wahlkampfteam und seine Partei, sie hätten wie ein Mann hinter ihm gestanden. In Essingen sei dreimal ein großes Wahlbanner von ihm geklaut worden, seine Helfer hätten immer wieder umgehend ein neues aufgespannt. Gefreut hat ihn bei seinen Touren durch den Kreis, dass ihn immer mehr Menschen erkannt hätten. „Ah, Sie sind der Mann auf dem Plakat“ – diesen Satz hörte er des Öfteren. In Offenbach braucht es keine Plakate. Ein älterer Mann fährt mit dem Rad an Seefeldt vorbei und streckt ihm den Siegerdaumen entgegen. Seefeldt lacht. Es ist eben ein besonderer Tag. Gestern Morgen, kurz vor 9 Uhr, Bärbel Conrad verlässt ihre Wohnung in Bad Bergzabern. Die Landratskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen macht einen einstündigen Spaziergang. „Ich will den Tag ruhig beginnen, ein bisschen allein sein“, sagt sie. Der Wahlkampf war anstrengend, das gibt sie unumwunden zu. „Aber der Wahlkampf hat auch Spaß gemacht. Es war toll, wie viel Unterstützung ich bekommen habe, wie viele Parteifreunde sich engagiert haben“, freut sich die 53-Jährige. Punkt 11 Uhr geht es ins Wahllokal in der Schlosshalle. Begleitet wird Bärbel Conrad von ihrem Lebensgefährten Bernhard Dobbe. Zufällig kommt auch Ulrich Teichmann mit dem Fahrrad am Wahllokal vorbei. Das Kreistagsmitglied der Grünen hat bereits seine Stimme abgegeben. „Ich mache eigentlich immer Briefwahl“, sagt er. In der großen Schlosshalle hält sich der Andrang in Grenzen. Conrad begrüßt die Wahlhelfer Heike Grill (FDP), Ursula Schulz (Grüne) und Alfred Burckhardt (CDU), alle drei Mitglieder des Stadtrats, per Handschlag. Es sei bisher sehr ruhig gewesen, sagt Schulz. „Ich befürchte ja, dass die Wahlbeteiligung sehr gering ist“, erinnert Bärbel Conrad an die Bedenken der Grünen, die gegen den Wahltermin 11. Juni waren. „Hätte man die Landratswahl zusammen mit der Bundestagswahl gemacht, wäre die Wahlbeteiligung auf jeden Fall deutlich höher gewesen“, meint Bärbel Conrad. Nach der Stimmabgabe geht’s ins Café „Bella“ am Ludwigsplatz. „Heute machen wir Familientag“, sagt Conrad. Der Sohn ihres Lebensgefährten kommt zu Besuch. Ihre drei erwachsenen Kinder sind an diesem Tag verhindert, sie studieren in Trier, Mainz und Landau. „Ich treffe sie in der nächste Woche. Ich freue mich darauf, nach der Wahl wieder etwas mehr Zeit für sie zu haben“, sagt die Grünen-Politikern. „Vielleicht sollte ich bei diesem herrlichen Wetter heute Mittag noch ins Schwimmbad gehen“, überlegt sie. Schwimmen ist eine ihre Leidenschaften. Bei der DLRG in Hauenstein ist sie als Ausbilderin für Schwimmkursleiter engagiert. Sie wirkt sehr unaufgeregt an diesem Sonntagmorgen, der für sie ja kein gewöhnlicher Sonntagmorgen ist. „Ich versuche, gelassen zu sein“, sagt Bärbel Conrad. Aber natürlich ist sie gespannt auf ihr Wahlergebnis. „Alles andere wäre gelogen. Wir haben gute Themen gesetzt, jetzt will ich natürlich wissen, ob das auch beim Wähler angekommen ist.“ Am Abend treffen sich die Bad Bergzaberner Grünen im Bistro „Zwoggel“ im Bahnhof, um gemeinsam auf das Wahlergebnis zu warten und mit Bärbel Conrad zu feiern – unabhängig vom Ausgang der Wahl. Gestern Morgen, 9 Uhr, daheim bei Torsten Blank in Billigheim-Ingenheim. Der Sozialdemokrat sitzt gerade gemütlich mit seiner Familie auf der Terrasse und lässt sich das Frühstück schmecken. Jeans, lässiges Hemd, Hausschlappen. Auf seinem Teller Körnerbrötchen mit Erdbeermarmelade. Blank ist ein Süßer. Den fruchtigen Aufstrich hat er bei seiner Wahlkampftour in Rhodt geschenkt bekommen – auf einem Hof, der 100 verschiedene Sorten Marmelade anbiete, wie er berichtet. Aber die roten Früchtchen sind seine Lieblingssorte. Na, was sollte man bei einem SPDler auch anderes erwarten. In der Nacht vor der großen Entscheidung habe er ganz gut geschlafen, berichtet der 46-Jährige. Aber das Schlafdefizit sei auch so groß gewesen, dass dies wohl der Erschöpfung geschuldet gewesen sei. In der Nacht auf Freitag hielt ihn der Brand in Göcklingen auf Trab, zu dem er anderthalb Stunden, nachdem er zu Bett gegangen war, gerufen wurde. Am Samstagabend stand die Krönung der Weinprinzessin in St. Martin an, die bis halb zwei ging. „Und um 7 stand ich schon wieder in Schweigen-Rechtenbach am Wahlstand.“ Er ist überzeugt, eine gute Kampagne mit maximal viel Terminen gemacht zu haben. Nun müsse er abwarten, wie viele Wähler er damit erreichen konnte. „Ich fühle mich erstaunlich ruhig.“ Seine Lebensgefährtin Christine Trauth weiß aber, dass die Aufgeregtheitskurve am Abend steil nach oben gehen wird: „Bei der Bürgermeisterwahl in Landau-Land 2011 bin ich fast kollabiert.“ Damals konnte sich Blank gegen Seefeldt durchsetzen. Und glauben seine beiden fünf- und elfjährigen Töchter, dass er es diesmal wieder schaffen wird? Charlotte und Ann-Sophie nicken überzeugt. Aber jetzt heißt es erst einmal fertig machen für den Gang zur Wahlurne und danach zum Kindergartenfest von Charlotte, bei dem die Kleine auch singen wird. Vor der Tür steht der weiße Ford Transit Connect mit dem Konterfeit von Blank. Mit seinem Wahlkampf-Mobil hatte der Billigheim-Ingenheimer in den vergangenen Wochen 3000 Kilometer zurückgelegt. Die paar Meter zum Rathaus geht’s aber zu Fuß. „Hallo, guten Morgen. Wie geht’s?“ Blank begrüßt jeden, den er auf dem Weg trifft. Wischt noch einige Male über sein Smartphone. Viele Daumen-drück-Bekundungen sind schon darauf eingetrudelt. Der Zuspruch freut ihn. Vor dem Wahllokal klopft ihm ein Mitbürger auf die Schulter und begrüßt ihn mit: „Der neue Landrat.“ Ein älterer Herr am Stock berichtet von drinnen: „Heute geht’s schnell. Keine Schlange.“ „Na, dann wählen wir mal“, antwortet Blank und verschwindet mit seiner Frau in den Wahlkabinen. Wahl Spezial

Der Sozialdemokrat Torsten Blank mag’s am liebsten rot und süß auf seinem Frühstücksbrötchen, hier mit seiner Familie zu Hause.
Der Sozialdemokrat Torsten Blank mag’s am liebsten rot und süß auf seinem Frühstücksbrötchen, hier mit seiner Familie zu Hause.
Gemütlicher Plausch im Café mit Lebensgefährte Bernhard Dobbe und Parteifreund Ulrich Teichmann (links): Bärbel Conrad ist gelas
Gemütlicher Plausch im Café mit Lebensgefährte Bernhard Dobbe und Parteifreund Ulrich Teichmann (links): Bärbel Conrad ist gelassen.
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