Kreis Südliche Weinstraße
In Bad Bergzabern kämpfen drei Kandidaten um das Amt des Stadtbürgermeisters
In manchen Wochen sei er 30 Stunden für die Kurstadt im Einsatz – und das ehrenamtlich, hat der scheidende Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig (CDU) vor einiger Zeit erzählt. Trotz dieser Arbeitsbelastung gibt es mit Hermann Augspurger (FWG), Gerda Schäfer (SPD) und Martin Wichmann (CDU) drei Kandidaten, die sich am 26. Mai zur Wahl stellen, um in den nächsten fünf Jahren die Geschicke Bad Bergzaberns zu lenken.
Martin Wichmann (CDU)
Dass Martin Wichmann für das Amt des Stadtbürgermeisters kandidiert, ist die logische Konsequenz seines kommunalpolitischen Engagements in den zurückliegenden 22 Jahren. 17 Jahre lang war er Mitglied des Stadtrats, davon zehn Jahre Fraktionsvorsitzender der CDU. In den vergangenen fünf Jahren war er als erster Stadtbeigeordneter erster Stellvertreter von Stadtoberhaupt Fred-Holger Ludwig. Zuständig war Wichmann vor allem für Bauangelegenheiten, er saß auch dem Bauausschuss vor. Außerdem gehört er dem Verbandsgemeinderat an.„Ich war vor fünf Jahren Fred-Holger Ludwig dankbar, dass er sich zur Kandidatur bereit erklärte“, betont Wichmann, „für mich war das damals noch kein Thema.“ Mit dem Alter seiner drei Kinder begründet der 51-Jährige seine damalige Zurückhaltung. Inzwischen ist der Nachwuchs alt genug, um zu verstehen, wenn Papa als Stadtoberhaupt noch weniger Zeit für die Familie hätte. „Ganz klar, die zeitliche Belastung ist enorm – und das im Ehrenamt“, sagt Wichmann.
Erlernt hat er zunächst den Beruf des Gärtners, dann aber umgesattelt. Seit 1992 arbeitet er als Arbeitstherapeut in Germersheim. „Wenn ich gewählt werde, werde ich meine Arbeitszeit reduzieren. Das ist mit meinem Arbeitgeber so abgesprochen“, kündigt der Christdemokrat an. Er habe glücklicherweise flexible Arbeitszeiten, die ihm bei seinem Engagement als Beigeordneter oder jetzt im zeitintensiven Wahlkampf helfen würden.
Mit Wichmann käme aber auf keinen Fall ein Alleinunterhalter an die Spitze der Stadt. „Das geht nur im Team. Ich bin davon überzeugt, dass man gute Beigeordnete braucht, um als Stadtbürgermeister erfolgreich zu sein“, sagt Wichmann. Wie sich die Stadtspitze künftig zusammensetzt, hängt natürlich vom Ausgang der Wahl des neuen Stadtrats ab.
Martin Wichmanns Credo ist es, dass Stadtratsbeschlüsse in den Ausschüssen gut vorberaten werden müssten: „Dort haben wir die Zeit, die Themen ausführlich zu diskutieren.“ Dass in der Vergangenheit häufig Beschlussvorschläge aus den Ausschüssen im Stadtrat noch einmal neu diskutiert wurden, hält er für kontraproduktiv. „Es gab zwar öfters wechselnden Mehrheiten, aber in der Regel gab es doch Mehrheiten für die Beschlussvorschläge“, so Wichmann.
In den vergangenen fünf Jahren sei viel auf den Weg gebracht worden, betont Wichmann. Und das trotz leerer Kassen. Die Finanzsituation wird schwierig bleiben. „Mein Ziel ist eine nachhaltige, ökologisch vertretbare und vor allem zukunftsfähige Weiterentwicklung für Bad Bergzabern“, sagt Wichmann. Dass mit der Offenlegung des Erlenbachs im Kurpark begonnen worden sei, sieht Wichmann als Meilenstein in der Entwicklung der Stadt. Der Kurpark solle zur Grünen Oase werden, eine generationenübergreifende Ruhe- und Aktivzone.
Der Finanznot müsse man mit Kreativität begegnen. So lasse sich beispielsweise der Öffentliche Personennahverkehr mit zusätzliche Bushaltestellen optimieren, etwa in der Nähe der Edith-Stein-Klinik. „Ich halte nicht so viel von Ruf- oder Sammeltaxis“, sagt Wichmann. Eine lebendige Innenstadt, den Erhalt der historischen Stätten und die Erweiterung des Gewerbegebiets Wernersgrund mit Augenmaß, nennt Wichmann als weitere Ziele.
Gerda Schäfer (SPD)
Das nennt man dann wohl einen steilen Aufstieg. Erst Anfang 2015 ist Gerda Schäfer in den Stadtrat von Bad Bergzabern eingezogen, als Nachrückerin. Und nun schickt sie sich an, als Bürgermeisterkandidatin der SPD an die Spitze der Kurstadt zu rücken. Dabei hat die 59-Jährige auch erst seit sechs Jahren ein Parteibuch der Sozialdemokraten. „Aber ich stand der Partei schon immer nahe“, betont sie. Und Politik habe in ihrer Familie schon immer eine Rolle gespielt, auch ihr Vater war Kommunalpolitiker.
Geboren und aufgewachsen ist Gerda Schäfer in Krefeld in Nordrhein-Westfalen. Seit 1991 lebt sie in Bad Bergzabern, wohin sie eher der Zufall verschlagen hat. „Ich habe in den 80er-Jahren mal eine Motorradtour für Ärzte in die Südpfalz organisiert. Dann bin ich in dieser wunderschönen Gegend hängengeblieben“, erzählt sie. Über 20 Jahre hat sie in leitender Funktion in der Pro-Seniore-Residenz in der Kurstadt gearbeitet, seit gut zwei Jahren ist sie bei der Ökumenischen Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern beschäftigt.
Beruflich hat Gerda Schäfer also viel mit älteren Menschen zu tun. Aber auch die Jugendlichen hat sie fest im Blick. „Die Jugendlichen sind mir ganz wichtig. Ich will junge Leute an die Politik heranführen“, sagt sie. Eine Jugendsprechstunde will sie als Stadtbürgermeisterin einführen. „Ich will ein Bad Bergzabern für alle“, betont sie. Das verkündet sie auch auf ihren Flyern.
Derzeit sucht sie intensiv den Kontakt zu den Bürgern, egal ob jung oder alt. Wie das bei den Sozialdemokraten schon zur festen Tradition geworden ist, macht auch Gerda Schäfer im Wahlkampf Hausbesuche. Ihre Erfahrungen sind überwiegend positiv. „Manchmal kommt man unpassend, klar, aber die meisten Menschen sind aufgeschlossen für ein Gespräch“, erzählt sie.
Mit ihrem Brötchengeber hat sie bereits vereinbart, dass sie bei einem Wahlsieg ihre Arbeitszeit reduzieren wird. „Mindestens um einen Tag“, sagt sie. Es könne auch sein, dass sie sich an zwei oder drei Nachmittagen ganz in den Dienst der Stadt stelle. „Das wird man sehen. Mir ist klar, dass die Arbeitsbelastung für den Stadtbürgermeister hoch ist. Aber ich vertraue auch darauf, dass ich richtig gute Beigeordnete haben werde.“ Außerdem setze sie auf die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, dort würden sehr gute Leute arbeiten.
Dass schon allein wegen der finanziellen Situation die Herausforderungen für den neuen Stadtrat und die neue Stadtspitze enorm sein werden, ist Gerda Schäfer bewusst. „Allein werden wird das nicht schaffen“, sagt sie, „aber es nützt ja nichts, nur zu jammern. Wir brauchen Ideen.“ Etwa bei der ärztlichen Versorgung. In naher Zukunft wird Bad Bergzabern ein Problem bei den Hausärzten bekommen. „Wir wollen nicht warten, bis die Kassenärztliche Vereinigung ihrer Verantwortung nachkommt“, sagt sie. Eine Hausärzte-Gemeinschaft in kommunaler Trägerschaft könnte eine Lösung sein.
„Über den Zustand des Friedhofs bin ich erschüttert“, sagt Gerda Schäfer. Da sei in den vergangenen Jahren nichts passiert, das lange angekündigte Friedhofskonzept sei weit und breit nicht zu erkennen. „Da müssen wir alle an einen Tisch holen.“ Auch beim Friedhof seien Ideen gefordert. „Es gibt tolle Vorbilder. Friedhöfe, die richtige Begegnungsstätten sind, etwa mit Führungen auch für junge Menschen“, sagt die Sozialdemokratin. Man müsse das Problem halt irgendwann einmal anpacken.
Hermann Augspurger (FWG)
Politik in der Kurstadt ist ohne die Familie Augspurger fast nicht denkbar. Der Urgroßvater war Stadtrat, ebenso der Großvater und auch der Vater – da blieb Hermann Augspurger ja nichts anderes übrig, als sich ebenfalls ins Stadtparlament wählen zu lassen. Seit 1997 vertritt er dort die FWG. Nachdem er unter Fred-Holger Ludwigs Vorgänger Harald Bratz bereits Beigeordneter war, will Augspurger nun selbst auf den Chefsessel.„Wenn man so lange dabei ist, wäre es natürlich die Krönung, Stadtbürgermeister zu werden“, sagt der 53-Jährige. Dabei kann sich der Müller- und Winzermeister mit eigenem Betrieb über mangelnde Beschäftigung schon jetzt nicht beklagen. Wie will er da die zeitintensive Aufgabe als Stadtbürgermeister noch zusätzlich bewältigen? „Ich habe den Vorteil, dass ich nicht nur in der Stadt lebe, sondern auch hier arbeite. Ich kann auch mal kurzfristig zu Terminen“, so Augspurger. Aus seiner Zeit als Beigeordneter wisse er genau, was auf ihn im Falle seiner Wahl zukomme: „Das lässt sich bewältigen.“ Zumal er ja dann auch drei Beigeordnete an seiner Seite hätte. „Auf die muss man sich verlassen können, wenn man als Team harmoniert, dann geht das.“
Verärgert ist Hermann Augspurger nach wie vor darüber, dass seine neun großformatigen Wahlplakate gestohlen wurden: „Das ist höchst kriminell und undemokratisch.“ Er habe zwar damit gerechnet, „dass etwas kommt“, aber solch eine konzertierte Aktion hat ihn dann doch überrascht. Augspurger hat einen Verdacht, wer hinter der Tat stecken könnte. Es habe in den vergangenen Wochen auch einige Anfeindungen gegeben, die schon in den Bereich Verleumdung gegangen seien. „Das war schon heftig, aber für mich heißt das: Jetzt erst recht“, betont Augspurger. Ersatz für die Wahlplakate wurde zwischenzeitlich beschafft.
„Mache, nit meckre!“ – unter dieses Motto haben die Freien Wähler in der Kurstadt ihren Wahlkampf gestellt. Und genau dieses Motto will Hermann Augspurger vorleben: „Unter Stadtbürgermeister Ludwig ist einiges liegen geblieben, da gilt es jetzt anzupacken.“ Augspurger nennt den städtischen Friedhof. „Der ist alles andere als schön.“ Schon vor Jahren sei ein neues Friedhofskonzept angekündigt worden. „Passiert ist aber gar nichts“, kritisiert Augspurger. Der Friedhof müsse umgestaltet werden. Augspurger denkt an einen Memoriam-Garten, anonyme Begräbnisstätten und Bestattungsmöglichkeiten unter Bäumen. „Was fehlt, ist ein Gesamtkonzept“, meint er.
Das vermisst der 53-Jährige nicht nur für den Friedhof, sondern für die ganze Stadt. „Wir müssen uns überlegen, wo wollen wir 2030 sein wollen“, fordert Augspurger. An einer Stelle würden Rosenstöcke gepflanzt, an einer anderen Mandelbäume, wieder woanders Palmen. „Wie passt das alles zusammen? Wir brauchen ein Grünkonzept.“
Wenn er mit den Bürgern spreche, dann werde häufig die mangelhafte Sauberkeit in der Stadt kritisiert. „Ich weiß, das ist ein schwieriges Thema“, sagt Augspurger. Der Reinigungsplan des Gartenamtes müsse überarbeitet werden. „Wir werden im Gartenamt nicht mehr Personal bekommen, wir müssen deshalb schauen, dass wir dort effektiver werden.“ Aber auch die Bürger will Augspurger stärker mit ins Boot nehmen. Er denkt an Baumpatenschaften, Blumenschmuck-Wettbewerbe oder Reinigungsaktionen in der eigenen Wohnstraße – getreu dem Motto: „Mache, nit meckre!“