Bad Bergzabern
Illegale Müllentsorgung im Maxburgring
Wenn Dieter Rossmann morgens den Rollladen seines Einfamilienhauses öffnet, dann richtet sich seiner banger Blick unverzüglich auf die andere Straßenseite. Ist der Sperrmüllberg größer geworden? Rossmann wohnt im Maxburgring. Keine schlechte Wohngegend. Auf der einen Straßenseite stehen schmucke Einfamilienhäuser, auf der anderen Seite Wohnblocks. Und genau dort liegt das Problem, über das sich Rossmann schon seit Jahren aufregt. „Irgendjemand stellt seinen Sperrmüll raus, und dann wächst der Berg“, sagt Rossmann.
Im Landkreis Südliche Weinstraße gibt es seit 2014 „Sperrmüll auf Abruf“. Jeder Bürger hat zweimal im Jahr die Möglichkeit, kostenlos eine Sperrmüllabfuhr zu beantragen. Ein Anruf oder eine E-Mail, dann bekommt man einen Abholtermin mitgeteilt. Alles normalerweise kein Problem. „Ich vermute, die Leute vereinbaren überhaupt keinen Abholtermin. Die stellen die Sachen einfach raus und dann ist ihnen alles egal“, ärgert sich Rossmann. Aber das ist nicht das ganze Problem. In Bad Bergzabern habe sich so eine Art Mülltourismus in Richtung Maxburgring etabliert. „Es hat sich in der Stadt rumgesprochen, dass hier oben immer Müll rumsteht. Die Leute laden ihren Dreck ein, fahren hierher und schmeißen es auf die Berge dazu“, sagt Rossmann. Es gibt zwei neuralgische Punkte im Maxburgring: einer direkt gegenüber von Rossmanns Haus, der andere etwa 100 Meter entfernt. An diesen beiden Stellen liege fast immer Sperrmüll.
Problem ist schon lange bekannt
Rossmann hat auch Müllablader schon persönlich auf den Umweltfrevel angesprochen. „Vor Kurzem hab ich einen gesehen, der hatte Sperrmüll auf seinem Anhänger, da war sogar ein alter Kühlschrank dabei“, erinnert sich Rossmann. Er habe den Mann zur Rede gestellt, dieser habe sich einsichtig gezeigt. „Am nächsten Morgen stand dann doch alles da. Unfassbar.“ Rossmann hat schon beim Stadtbürgermeister und beim Ordnungsamt beschwert. „Passiert ist nichts“, beklagt sich Rossmann.
Das Problem im Maxburgring sei bekannt, bestätigt Stadtbürgermeister Hermann Augspurger. „Es gab da auch schon Gespräche mit den Anwohnern und den Hausverwaltungen, aber leider haben sich die Hausverwaltungen für das Thema nicht interessiert“, berichtet Augspurger. Der Müll wird im öffentlichen Raum abgestellt, ist also nur schwer zuzuordnen. Als der Müllberg einmal gar zu groß war, haben ihn die Mitarbeiter des städtischen Gartenamts aufgeladen und zur Deponie gefahren. „Aber das ist nicht deren Job, das kann man den Beschäftigten des Gartenamts nicht ständig zumuten“, so Augspurger. Ihn ärgert, dass die Allgemeinheit für die Kosten aufkommen muss. „Wir sind in ständigem Kontakt mit der Kreisverwaltung, denn eigentlich ist die zuständig“, sagt Augspurger.
Darauf verweist auch Jörg Dornick, Leiter der Abteilung Bürgerdienste bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung. „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren regelmäßig im Maxburgring“, versichert Dornick. Aber man müsse die Müllfrevler auf frischer Tat erwischen. „Oder wir brauchen einen konkreten Hinweis, sonst können wir nichts machen“, sagt Dornick.
Kreis glaubt nach Ortstermin an Besserung
Den Eigenbetrieb Wertstoffwirtschaft beim Kreis beschäftigt der Maxburgring schon seit Jahren. Eines der Grundprobleme sei die hohe Anzahl von Wohneinheiten in einem eingegrenzten Bereich, dadurch entstehe eine hohe Fluktuation bei den Bewohner. „Umzüge sind meist mit Sperrmüllanfall verbunden.“ Dazu komme, dass nur wenige freie Flächen mit den Sammelfahrzeugen angefahren werden könnten. „Es gibt im Maxburgring größere öffentliche Flächen, an denen konzentriert von mehreren Gebäuden gemeinsam der Sperrmüll bereitgestellt wird“, beschreibt die Kreisverwaltung die Situation. Häufig sei der Sperrmüll trotz bekannten Abholtermins zu früh rausgestellt worden. Andere Bürger hätten dann einfach ihren Müll dazugestellt. Auch sei der Sperrmüll oftmals nicht richtig getrennt worden. „Bei der großen Menge und vermischter Bereitstellung ist es für den Entsorger mit verschiedenen Sammelfahrzeugen so gut wie unmöglich, alles und das noch in zumutbarer Zeit zu laden“, schreibt die Kreisverwaltung.
Mitte des Jahres wurde laut Kreis bei einem Ortstermin, an dem der Eigenbetrieb, die Stadt, das Entsorgungsunternehmen und die verantwortlichen Hausverwaltungen beteiligt waren, eine Regelung vereinbart, wonach eine Aufteilung der Abfallmengen auf mehrere anfahrbare Standorte erfolgt. Diese lägen näher an den Wohnhäusern und könnten damit besser einem einzelnen Verwalter zugeordnet werden. „Seit diesem Ortstermin wurden keine Beschwerden mehr an den Eigenbetrieb Wertstoffwirtschaft herangetragen“, teilt der Kreis mit.