Landau / SÜW
Ihr Metzger hat das Schnitzel für Sie in der Packstation abgelegt – Es geht um die Wurst
Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich über die vergangenen Jahrzehnte hinweg drastisch verändert. Während es früher selbstverständlich war, dass man in ein Ladengeschäft gehen musste, um eine Ware zu bekommen, erledigen immer mehr Menschen den Einkauf im Internet. Vom heimischen Sofa aus wird allerlei bestellt – elektronische Geräte, Kleidung und mittlerweile sogar Lebensmittel. Für den Kunden ist das nicht nur bequem, er muss sich auch nicht mehr nach Öffnungszeiten richten. Diesem Wandel im Einkaufsverhalten tragen die meisten Verkäufer Rechnung, auch die Metzgereien.
Vielerorts stehen mittlerweile Automaten vor den Läden, die täglich rund um die Uhr in Betrieb sind. Das Prinzip, das dahintersteckt, ist einfach. In den Fächern des gekühlten Automaten liegen verpackte Wurst und verpacktes Fleisch. Der Kunde wählt aus, was er haben möchte, wirft das Geld in das Gerät ein oder bezahlt mit der Karte, und schon fällt die gewünschte Ware per Knopfdruck ins Ausgabefach.
In Bad Bergzabern steht eine Packstation für Wurst und Fleisch
Solche Automaten stehen auch vor der Metzgerei Kieffer in Bad Bergzabern. Sie wird in mittlerweile sechster Generation von den Geschwistern Sebastian und Christina Kieffer geführt. Einst als kleine Dorfmetzgerei in Steinfeld gestartet, ist der Betrieb seit den 1980er-Jahren im ehemaligen Schlachthof der Kurstadt zu Hause und beschäftigt heute rund 40 Mitarbeiter. „Wir produzieren alles selbst, jeden Schinken, jede Salami“, betonen die beiden Kieffers. Pro Woche würden 40 bis 50 Sauen und zwei bis vier Rinder geschlachtet. Den Geschwistern ist wichtig, dass alle Tiere aus der Region stammen, von Höfen in Contwig, Ettlingen und aus dem Raum Pirmasens, die sie auch regelmäßig besuchen. „Gibt man das Beste rein, kommt auch das Beste raus“, lautet das Credo.
Um die Fleisch- und Wurstwaren an den Kunden zu bringen, gehen die Kieffers gerne andere Wege. Was das bedeutet, kann man im Hof des Metzgereianwesens sehen. Dort stehen nicht nur die bereits angesprochenen Automaten, sondern auch eine Packstation. Sie erinnert an die gelben Paketstationen der Post, die oft vor Supermärkten zu finden sind. Und sie funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Der Kunde bestellt das gewünschte Fleisch und die gewünschte Wurst, woraufhin das Metzgerei-Team die Ware in ein Fach der Packstation legt. Dort kann sie dann abgeholt werden, wann immer es für den Kunden passt, auch außerhalb der Öffnungszeiten. Ein weiterer Modernisierungsschritt im Vertrieb, den die Kieffers gegangen sind, ist die App, die es seit vier Jahren für Smartphones gibt. Darüber können alle Wurst- und Fleischprodukte bestellt werden, entweder zur Abholung im Laden oder in einem der 20 Fächer der Packstation.
Technische Geräte kosten eine Menge Geld
„Das ist eine supergute Sache, man hat weniger Arbeit, wenn jemand sowieso schon weiß, was er möchte“, sagen die Geschwister. Aber: Diese technischen Kniffe haben ihren Preis. All das sei ein riesiger Kostenfaktor, erklären die beiden gelernten Metzger. Alleine die Anschaffung der Packstation habe vor sieben Jahren rund 40.000 Euro gekostet. Auch das jährliche Update gibt es nicht gratis. Dasselbe gilt für die App, deren Bereitstellung jeden Monat mit 150 Euro zu Buche schlägt. Besonders ärgerlich ist es, wenn die teure Technik streikt – was sie in der Anfangszeit leider häufig tat. „Jetzt funktioniert die Packstation endlich“, sagen Sebastian und Christina Kieffer. Drei Jahre lang habe es immer wieder Probleme gegeben. Man stehe mitunter hilflos vor der Maschine.
„Wir haben in dieser Zeit viele Kunden verärgert“, geben sie unverhohlen zu. Von ihrem Weg, sich ständig weiterzuentwickeln, lassen sie sich trotzdem nicht abbringen. Sie sind überzeugt von den neuen Möglichkeiten des Vertriebs. „Diejenigen, die sich rantrauen, bleiben auch dabei“, erklären die Kieffers. Genutzt wird die Packstation übrigens nicht nur von jüngeren Menschen. „Vom Alter her ist das bunt gemischt“, sagen die beiden.
Umsatz wird mit Automaten kaum gemacht
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Nutzung der Packstation kein Massenphänomen ist. „Sie ist fast nie voll ausgelastet, wenn überhaupt, dann mal an einem Samstag.“ Auch die Anzahl der Bestellungen per App ist verschwindend gering. Dort seien zwar mehr als 1000 Menschen angemeldet, es gebe aber im Schnitt nur zwei Bestellungen pro Woche. Noch weniger genutzt wurde der Kühlschrank im Landauer Burger-Restaurant Bagage. Ab 2023 konnte dorthin Kieffer-Ware zur Abholung geordert werden. Nach einem Jahr wurde der Kühlschrank wieder abgebaut. „Wir hatten in den sozialen Medien viele Likes dafür, bestellt hat aber niemand.“
Wirtschaftlich seien App und Packstation nicht rentabel, geben die Kieffers unumwunden zu. „Wir machen das aber trotzdem gerne, das ist ein Mehrwert für die Kunden.“ Es sei schade, dass die Kunden diese Möglichkeiten nicht mehr nutzen, sagen sie. „Es wäre erfreulich, wenn das nach und nach besser angenommen wird.“
Das ist jedoch Zukunftsmusik. Noch werden Wurst und Fleisch in erster Linie an der Theke gekauft. Die beiden Geschwister sprechen von 99 Prozent des Umsatzes, der im Laden generiert wird. Und darüber sind sie auch froh – bei aller Begeisterung für die automatisierten Vertriebsmöglichkeiten. „Das Persönliche ist einfach das Wichtigste“, betonen Sebastian und Christina Kieffer.
Die Serie
Früher hatte jedes Dorf einen oder sogar mehrere Metzger. Mittlerweile gibt es immer weniger Orte mit einem solchen Handwerksbetrieb. Viele Menschen müssen deshalb auf die Supermarkttheke ausweichen. Oder wollen sie das sogar? Wie kann sich die Dorfmetzgerei dagegen behaupten? In unserer Serie „Es geht um die Wurst“ beleuchten wir diese und andere Fragen. Bisher erschienen ist ein Beitrag, in dem Kunden ihre Verbundenheit zu ihrem Dorfmetzger erklären, und ein Beitrag darüber, wie sich die Fleisch- und Wurstkultur verändert hat.
