Kreis Südliche Weinstraße High-Heels-Training in der Bank
Die 24-jährige Bankkauffrau Daniela Wisser aus Billigheim-Ingenheim ist eine von fünf jungen Damen, die am Freitag im Neustadter Saalbau zur Wahl der 78. Pfälzischen Weinkönigin antritt. Auf High Heels. Und das will geübt sein.
Nicht nur wenige Tage vor dem großen Auftritt ist Daniela Wisser viel beschäftigt. Sie arbeitet bei der Commerzbank in Lörrach, hat eine Wohnung in der Stadt am Dreiländereck und pendelt „zwei- bis dreimal pro Woche“ in die Südpfalz. Das Zeitfenster zum Telefongespräch mit der RHEINPFALZ findet sich während einer Fahrt von Lörrach nach Landau. Wie kommt es, dass ein Pfälzer Mädel – aufgewachsen in einem Weingut und 2011/2012 als Weinprinzessin Landau-Land repräsentierend – jetzt so fern der Heimat wohnt? „Ich wollte mich beruflich verändern und habe dort eine interessante Stelle im Bereich Baufinanzierung gefunden“, erzählt Daniela. Und so weit weg sei es schließlich nicht. Von Landau bis Lörrach benötige sie knapp zwei Stunden. Die Landschaft des Markgräflerlands ähnele zudem ein bisschen der Pfalz, „nur dass der Wein nicht so gut ist“, ergänzt die Fachfrau. Ihr Wissen über den Wein hat sich Daniela Wisser nicht nur während ihrer Zeit als Repräsentantin ihrer Heimatregion und in zahlreichen von der Pfalzweinwerbung organisierten Seminaren angeeignet. „Das war für mich ja kein Neuland“, betont die 24-Jährige: „Ich denke, ich habe den Vorteil, dass ich schon seit über zehn Jahren die ganzen Weinproben im elterlichen Betrieb mache.“ Seit zehn Jahren? Moment mal, vor einem Jahrzehnt war sie gerade mal 14! Daniela lacht herzlich: „Nennen Sie mir mal eine Winzertochter, die erst mit 16 ihr erstes Glas Wein trinkt.“ Je näher der Wahlabend rücke, „desto mehr Lampenfieber“ mache sich breit, gesteht sie. Ihre Chancen auf den begehrten Titel als Nachfolgerin der amtierenden Pfälzischen Weinkönigin Julia Kren schätzt sie sehr realistisch ein: „Ganz einfach, eins zu fünf. Natürlich hoffe ich, dass ich die Weinkönigin werden, aber alle Kandidatinnen sind gut geeignet.“ Auf jeden Fall wird eine stattliche Unterstützerschar am Wahlabend den Saalbau bevölkern; 85 Daniela-Fans sind mit von der Partie. Daniela Wisser sieht sich gut gerüstet, auch dank der vielen Vorbereitungsseminare und Treffen, bei denen sie und ihre vier Mitbewerberinnen mit Wissen und Tipps ausgestattet worden sind. Auf dem Stundenplan standen unter anderem die Themen „Wie präsentiere ich mich, die Pfalz und den Wein am besten? oder „Wie setze ich Mimik und Gestik ein?“ Und noch etwas für eine würdig einherschreitende Majestät sehr Wichtiges: „Wie laufe ich richtig in High Heels?“ Die Bankkauffrau hat geübt: „Ich habe im Job immer wieder ein paar Stunden lang High Heels getragen, um zu schauen, wie das funktioniert.“ Amüsiert hätten sich ihre Bankkollegen darüber, erzählt Daniela. Und befreundete Winzer aus der Heimat hätten gar gelästert: „Billigschhämer Fieß un Pariser Schuh, des werd schwierisch.“ Schwer sei das Laufen auf den hochhackigen Schuhen aber nur anfangs gewesen. Noch etwas: Die Kandidatin spricht astreines Hochdeutsch, den Pfälzer Zungenschlag hört man nicht heraus. Doch sie wäre kein echtes Pfälzer Mädel, wenn sie nicht auch anders könnte: „Mer kenne gern uff Pälzisch weiterbabble“, signalisiert sie – und zählt ihre Hobbys auf: „Im Karnevalverein danze, in Ingenhäm im Chor singe, un` ich reis` gern dorch die Weltgeschicht`.“ Man müsse nicht unbedingt neue Kontinente entdecken, es reiche auch, vor die Hautüre zu gehen. |ovi