Kreis Südliche Weinstraße
Helmut Geißer bei Grenzlandfest in Kapsweyer mit Grenzlandmedaille ausgezeichnet
Helmut Geißer aus Schweigen-Rechtenbach und André Hauck aus Steinseltz im Elsass sind die neuen Träger der Grenzlandmedaille des Landkreises Südliche Weinstraße. Die Verleihung nahm Landrat Dietmar Seefeldt am Freitag in der Südpfalzhalle Kapsweyer vor. Der Festakt eröffnete zugleich das 19. Grenzlandfest der Grenzgemeinde.
In der vollen Südpfalzhalle spielte das Kreisjugendjazzorchester unter der Leitung von Peter Kusenbach schwungvoll auf, Ortsbürgermeister Felix Schönung hieß die Gäste beider Länder willkommen; darunter Vertreter aller kommunalen Ebenen sowie der Partnergemeinden Krautergersheim (Elsass), Burgebrach (Oberfranken). Er freue sich, dass die Medaille, die seit 1987 alle zwei Jahre verliehen wird, an zwei Persönlichkeiten gehe, deren Verdienste um die nachbarschaftliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit herausragend seien. Er überraschte dann mit einem zweisprachigen Kurzfilm von Klaus Krämer, der die bürokratischen „Noch-Hürden“ deutsch-französischer Ausbildungen (am Beispiel von Maximilian Schönung) verdeutlichte. Und fast den Familienfrieden gekostet hätte. Der Appell des Ortschefs: „Engagiert euch für Europa“.
Thomas Gebhart (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit, erinnerte in seiner Festrede an die bewegte Geschichte des Orts, der zu 80 Prozent im Krieg zerstört wurde, deren Bewohner fliehen mussten. Heute sei es ein attraktives Dorf, habe sich prächtig entwickelt, lobte Gebhart. Er sprach von „unermesslichem Glück“, seit 74 Jahren in Frieden zu leben.
Ehrung auch für André Hauck
Landrat Dietmar Seefeldt freute sich, die Grenzlandmedaille an zwei herausragende Persönlichkeiten verleihen zu dürfen, „die sich in besonderer Weise um die Freundschaft und Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich verdient gemacht haben“. Die Ehrung sei Ausdruck „großer Dankbarkeit“ der pfälzisch-elsässischen Region und ihrer Bürgerschaft, so der Landrat. Zuerst ging er auf die grenzüberschreitenden Aktivitäten von André Hauck, 69, ein. Dieser war dort Ortsbürgermeister von 1990 bis 2014, Mitbegründer der Communauté de Communes du Pays de Wissembourg 1995-2014 und Vizepräsident der Com-Com von 1995 bis 2014, zuständig für Sport- und Spielplätze. Weiter war er Jurymitglied der grenzüberschreitenden Kommission „Unser Dorf soll schöner werden“ und Mitinitiator der gemeinsamen Treffen der Communauté de Communes du Pays de Wissembourg wie der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern. Er nahm an Weinpräsentationen des Weinkellers Cleebourg beim deutsch-französischen Bauernmarkt in der Kurstadt teil, war Mitbegründer der Vereinigung ehemaliger Bürgermeister beider-seits der Lauter. Zudem organisierte er die Treffen ehemaliger Bürgermeister der Amicale Franco-Allemande des An-ciens Maire des deux cotés de la Lauter.
Geißers lange Liste an Verdiensten
Die lange Liste der Verdienste Helmut Geißers, 66, hatte Seefeldt dreigeteilt: in Kommunalpolitik, Vereinsvorsitz und Privatmann. Als Kommunalpolitiker ist Geißer unter anderem in der Vorbereitungsgruppe des Wettbewerbs „Beidseits der Lauter“ un in der für die gemeinsame Sitzung des VG-Rats Bad Bergzabern und der Com-Com Wissembourg. Er war Kreisbeigeordneter, ist aktiv in der Freundschaft der Bürgermeister von hiwwe und driwwe. Geißers Mitarbeit an grenzüberschreitenden Projekten umfasst die Entwicklung der Wanderwege Weißenburg-Schweigen-Rechtenbach-Schweighofen und die Mithilfe beim Installieren und der Zulassung des Touristenbähnels Weißenburg-Weintor.
Seefeldt nannte weiter den grenzüberschreitenden Bauern- und Handwerkermarkt, den beidseitigen Bürgermeisterstammtisch, den Nachmittag der deutsch-französischen Begegnung der Kinder von hiwwe und driwwe und sowie den pfälzisch-elsässischen Folkloreabend. Geißer, der seit diesem Monat auch Ehrenbürger von Schweigen-Rechtenbach ist, erwarb sich weiter Verdienste als Vereinsvorsitzender. So beim „Vereins Kultur im Bürgerhaus“ und beim „Pfälzerwald Verein Ortsgruppe Schweigen-Rechtenbach“ im Sinne der pfälzisch-elsässischen Freundschaft. Und durch die Mitarbeit bei der Entwicklung und Markierung des gemeinsamen „Weintor-Weißenburg-Wanderwegs“, wie des Themenwegs „Grenzlandtour“ (Wanderwegekonzept Bad Bergzaberner Land).
Über Jahre sorgte er auch für erfolgreiche Auftritte der Theatergruppe „Foyer Parossial Sts. Pierre et Paul“ aus Weißenburg, im stets vollen Bürgerhaus am Sonnenberg. Ebenso ermöglichte er den Auftritt der elsässischen Kabarettistin Huquette Dreikaus, und Konzerte von „Rennquintett“ und „Habanera“ im Rahmen des deutsch-französischen Projekts „Rheinischer Frühling“.
Auch als Privatmann pflegt Geißer viele persönliche Freundschaften und Kontakte ins Elsass. Er ist außerdem aktives Mitglied des Velo-Club Cycliste de la Lauter-Wissembourg (von 1987 bis 96 als Mountainbiker). Hauck und Geißer wurden von Bernd E. Lauerbach vorgeschlagen, der Kreisausschuss hatte sofort zugestimmt.
Dankesrede „uff pälzisch und elsässisch“
Bei der Übergabe der von weißen Blumen umrahmten Medaillen durch Landrat Seefeldt, steuerte Ortschef Schönung für jeden Preisträger das Kapsweyerer „Wudwuckseckele“ bei. Beide bedankten sich „uff pälzisch un elsässisch, so wie uns des Schnawwel gewachse isch“. Dabei war die Kriegszeit, „die vun owwe runner verordnet Feindschaft“, obwohl man immer schon „zamme gheert hänn“, ebenso Thema wie die „groß Uffgab“ Friede und Wohlstand zu erhalten.
Weitere Redner waren Serge Strappazon, Präsident der Com-Com (VG Weißenburg), Hermann Bohrer, VG-Chef Bad Bergzabern, Georg Bogensperger, Altbürgermeister der Partnergemeinde Burgebrach und René Hoelt, Partnergemeinde Krautergersheim, Elsass.