Kreis Südliche Weinstraße Heiter bis wolkig

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Herxheim

. „Da simmer dabei, dat is prima, Viva Colonia, wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust, wir glauben an den lieben Gott und han auch immer Durst!“ Schon am Treffpunkt im Herxheimer Südring, wo sich der Faschingsumzug in wenigen Minuten in Bewegung setzen wird, ist die Stimmung ausgelassen. Die Gruppen machen sich bereit, schaffen sich durch Wurstbrötchen die erste Grundlage und stärken sich mit Schorle. 63 Gruppen mit zusammengerechnet über 2000 Teilnehmern sind nach Herxheim gekommen. Was bringt so viele Menschen dazu, sich aktiv einzubringen? „Nebendran stehen ist doch viel zu langweilig. Wir haben hier unseren eigenen Wagen mit unserer Musik, Verpflegung, sogar eine Toilette“, sagt Schneewittchen Laura und lacht. Bei Vampirdame Andrea ist der Satz „Spass uff de Gass“ Programm, sie will „nix fange, sondern schmeiße“, sagt sie und zeigt Tüten voller Popcorn. Offensichtlich ist Fasnacht eine Art Virus. Ist man mal infiziert, lässt es einen nicht mehr los. Wie schon in den vergangenen Jahren imponiert die grenzenlose Fantasie der Faschingsfreunde. Dabei sind etwa kleine Fußgruppen wie die Bellheimer Fliegenpilze (keine Fußpilze, wie sie betonen) oder die in bunten Farben schillernden Sandgärtler Regenbogen. Aber auch die 170-köpfige Gruppe Grobbi Mettworschd Sunnre oder die 140 Geister umfassenden Faschingsfreunde des TuS Knittelsheim sind in Herxheim am Start. Dieses Jahr bin ich nicht eine der vielen Zuschauerinnen, heute bin ich ganz nah dran. Auf dem Narrenschiff des Carnelvalvereins Narrhalla Herxheim bin ich als zusätzliche Bonbonschmeißerin zu Gast. Die Hoheiten „Ihre Lieblichkeit Prinzessin Christine I.“ und „Ihre Herrlichkeit Prinz Marco I.“ sowie das Kinderprinzenpaar, die 10-jährige Maya I. und der 11-jährige Raphael I., sind die funkelnden Stars der Kampagne. Auf dem Wagen befinden sich noch einige Gardemädchen, die Sitzungspräsidenten Julia und Manuel sowie Loris, der Mann für die Technik, der mit angesagter Faschingsmusik und Nebelschwaden für gute Laune sorgt. Prinz Raphael erweist sich als kleiner Gentleman, galant erkundigt er sich immer wieder nach meinem Wohlbefinden und schenkt mir einen Orden mit dem Konterfei des Kinderprinzenpaares. Zwischen uns befinden sich Wurfgeschosse verschiedenster Art – im Wert von über 1000 Euro. Ohne Zweifel ist die Teilnahme am Umzug mit beträchtlicher Arbeit verbunden, die meist aufwendig gestalteten Wagen und Kostüme sprechen für sich. Faschingsvereine fiebern das ganze Jahr darauf hin. Umso unangenehmer ist es für alle, als es kurz vor Beginn zu regnen anfängt, hatte man doch auf einen trockenen Tag gehofft. Doch die Narren sind gut ausgerüstet: Regencapes und Schirme kommen zum Einsatz, die Gardemädchen trotzen dem Wetter und ziehen ihre blauen Sonnenbrillen an: „Unsere Hüte sehen aus wie nasse Hunde“, amüsieren sie sich. Trotz des Regens bleibt die Stimmung auf dem Höhepunkt, es wird getanzt, getrunken, gelacht. Unser Wagen bildet den Abschluss des Umzugs, daher ziehen ab 13.11 Uhr alle an uns vorbei. Höflichkeit ist oberstes Narrengebot, fast jede Gruppe wird von Marco I. mit einem dreifach donnernden „Helau, helau, helau“ begrüßt. „Schobbe aus Rohrbach für Schoppe in Rohrbach“ – die Rohrbacher Schorlefraktion setzt sich mit Humor für das geplante Fachmarktzentrum ein. Goldige Bellemer Glücksbärchies tapsen hinterher. Der Geruch von frisch gebratenen Hähnchen liegt in der Luft: „Der Hühner Fred – mit den besten Hähnchen zum Betzenberg“ – der FCK-Fan-Club passiert das Narrenschiff. Verhungern wird diese Gruppe sicher nicht. „Wir ziehen los, die Hände an die Hüften ...“ – nach mehr als einer Stunde sind wir endlich am Zug. Vor uns laufen die Heartbreakers und die Planschbeckengruppe, deren Becken zum Glück nicht gefüllt wurden, doch der Regen hat inzwischen aufgehört. Mengen an Gummibärchenpäckchen, Bonbons, Chipspäckchen und Haushaltsschwämme fliegen durch die Luft und wechseln ihre Besitzer. Höflich Grüßende ebenso wie gierig Fordernde werden bedacht, Junge und Ältere freuen sich gleichermaßen über den Süßigkeitenregen. Das miese Wetter hat so manchen Schaulustigen davon abgehalten, nach Herxheim zu kommen. Deshalb werden am Ende nur 10.000 Narren gezählt, bedauert Hans-Peter Knoll, der Vorsitzende des CV Narrhalla. Das ist bitter für den Faschingsverein, verschlingen doch die Kosten für den Umzug mit Security an die 15.000 Euro, sodass auch diesmal wieder draufgelegt werden muss. Frierend kommen wir schließlich nach einigen Stunden an der Festhalle zur abschließenden Preisverleihung für die Motivwagen an. Die Gruppe Quer durch Isem mit dem Thema „Isemer Piraten“ gewinnt den ersten Platz als reine Fußgruppe, die Herxheimer Birneseggel mit dem Thema „Birneseggel als Peter Pan gegen Käpten Hook“ überzeugen als bester Motivwagen mit Fußgruppe, die Hatzebeehler Fasnachter mit ihrem „Star-Wars-Wagen“ freuen sich über den Preis für den besten Motivwagen. Nach dieser Erfahrung kann ich aktive Fasnachter verstehen, Teil dieser närrischen Gemeinschaft sein zu wollen. Es ist einfach ein tolles Gefühl.

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