Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Haus der Familie: Wie Corona manche in die Krise stürzt

Angelika Heinz und Sigrid Bäder (rechts) von der Kleiderkammer „Klamotte“ in Bad Bergzabern.
Angelika Heinz und Sigrid Bäder (rechts) von der Kleiderkammer »Klamotte« in Bad Bergzabern.

Im Haus der Familie ist es still. Viele Projekte wie das Café Grenzenlos, der „Come together“-Chor oder das Repair Café liegen wegen der Pandemie auf Eis. Trotzdem sind neue Ideen wie die „sozialen Läden“ entstanden.

Die Wintermäntel bleiben bei offener Balkontür und niedrigen Temperaturen an, Maske und Abstand werden eingehalten. Kein wirklich angenehmes Ambiente für ein Gespräch mit der Leiterin des Hauses der Familie in Bad Bergzabern, Helga Schreieck, und dem Seniorenreferenten des protestantischen Dekanats, Rainer Brunck, der die Zentrale Anlaufstelle für Senioren (ZAS) betreut. Die jetzige Situation sei demotivierend und ziehe runter, ist das augenblickliche Fazit der beiden. Nicht, weil es nichts zu tun gäbe, aber der persönliche Kontakt fehle schmerzlich.

„Ich habe mir zum Beispiel für das Café Grenzenlos immer neue Themen oder Spiele überlegt, diese Kreativität fehlt mir“, sagt Brunck. Er hat an diesem Freitag, wie jeden Freitag, bereits mit 20 Senioren telefoniert, um zu hören, wie es geht und ob Unterstützung gebraucht wird. Zum Beispiel für Fahrten zum Impfzentrum. Bisher haben hauptsächlich er, Schreieck und Ahmad Kasem, der seit diesem Jahr den Bundesfreiwilligendienst im Haus der Familie absolviert, rund 50 Senioren zum Impfzentrum gefahren. Andere, die mit der Bürokratie überfordert waren, angemeldet. „Das sind fünf Seiten, die man alle paar Tage neu ausdrucken muss, weil sich wieder etwas geändert hat“, erzählt Brunck.

Viele nach Impfung gelöster

Bis zu drei Stunden dauert eine solche Fahrt mit Begleitung durch die Impfstraße. Die Verantwortlichen wollen auch so wenig wie möglich Ehrenamtliche einbeziehen, um sie zu schützen. Eines haben die Fahrer festgestellt. Die Menschen sind bei der Hinfahrt angespannt und auf der Rückfahrt wesentlich gelöster. Andere wollen aber auch die Impfung beim Hausarzt abwarten oder auf keinen Fall mit Astrazeneca geimpft werden.

Einkaufsfahrten zum Supermarkt werden ebenfalls angeboten. Zweimal pro Woche werden sie von zwei bis fünf Menschen in Anspruch genommen. Jeden Mittwoch kaufen die Mitarbeiter des Hauses der Familie für Bürger ein, die aus verschiedenen Gründen zu Hause bleiben müssen. „Wir sind gut vernetzt mit der Tafel und bringen den Menschen auch von da Lebensmittelpakete nach Hause“, sagt Schreieck. Kochen im Online-Männerkreis oder singen im Kinderchor finden statt, aber es sei nicht dasselbe, sagen die Verantwortlichen.

Wer wird ordentlich beschult?

Brunck darf jetzt wieder Einzelbesuche im Pro-Seniore-Altenheim in Bad Bergzabern machen. „Es ist aber unter den augenblicklichen Bedingungen manchmal schwierig, ein gutes Gespräch zu führen“, sagt er. Schwierig sei auch die Arbeit mit Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund geworden, allein schon wegen der sprachlichen Barrieren. „Wie viele Kinder zum Beispiel schulisch zu Hause nur unzureichend betreut werden können, wissen wir nicht“, sagt Schreieck.

Einige persönliche Kontakte gibt es noch. Im Möbellager und der Kleiderkammer, in denen bisher nur Menschen mit einem Berechtigungsschein einkaufen konnten. Das hat sich geändert. Ab sofort kann jeder in den beiden Einrichtungen einkaufen, das sind die „Klamotte“ in der Königstraße in Bad Bergzabern und das Möbellager in Kapellen-Drusweiler im alten Raiffeisengebäude. Mit Anmeldung. Dafür gebe es zwei Gründe, sagt Dekan Dietmar Zoller.

Ware gibt es genug

Zum einen müsse die Diakonie ihre Kosten wie die Raummiete oder den Unterhalt des Busses für das Möbellager finanzieren. Zum anderen setzten Menschen vermehrt auf Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Verhalten, was auch heiße, nicht alles neu zu kaufen. „Das passt gut zu unserem kirchlichen Profil, und wir sichern dadurch unsere soziale Arbeit“, so Zoller. Ware gebe es derzeit genug, die Menschen hätten Zeit, Keller, Speicher oder Kleiderschrank aufzuräumen.

Seit Anfang des Jahres ist das Haus der Familie auch Anlaufstelle für Bürger, die den Überblick über ihre finanzielle Situation verloren haben. Mit dem Büro „Lichtblick“, einer Beratungsstelle durch Ehrenamtliche. „Einzelgespräche sind bei uns möglich, und sie haben auch schon stattgefunden“, sagt Brunck. Wie das mit einem Beschäftigten in der Gastronomie, der arbeitslos wurde und eine neue Wohnung braucht. Oder das mit einem jungen Mann. Schulden haben sich angehäuft, die Ausbildung hat er abgebrochen. „Da ist es mit einem Gespräch nicht getan, das sind für die Betroffenen große Brocken. Und es ist viel Papierkram“, so Brunck.

Lob für Ehrenamtliche

Die wichtigsten Instrumente für die Arbeit des Hauses der Familie werden wohl weiterhin das Telefon und die sozialen Medien sein. „Es tut weh, dass so viele Begegnungen nicht stattfinden können. Trotzdem ist es enorm, was die Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen aus der Situation machen“, sagt Zoller.

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