Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Hart, aber herzlich: Schul-Küchenfee Anneliese Hellberg sagt Ade

Anneliese Hellberg ist ein Urgstein des Bad Bergzaber Gymnasiums.
Anneliese Hellberg ist ein Urgstein des Bad Bergzaber Gymnasiums.

Hart, aber herzlich. So ist Anneliese Hellberg zu ihren Schützlingen. 30 Jahre war sie die gute Seele des Alfred-Grosser-Schulzentrums Bad Bergzabern. Am Donnerstag geht die Kantinenchefin in Rente. Für Tausende Schüler war sie so viel mehr als nur die Frau, die sie mit Schnitzelweck versorgte.

Harte Schale, weicher Kern. Diese Redewendung trifft das Wesen von Anneliese Hellberg nur zu gut. Die 65-Jährige hat ein Organ, das einem die Ohren schlackern lässt. Und die Sprüche, die ihren Mund verlassen, sind wahrlich nicht ohne. Aber so rau sie auf den ersten Blick wirken mag, so viel Herz und Liebe steckt in ihr. Wenn sie daran denkt, dass sie am Donnerstag in die Rente verabschiedet wird, „dann habe ich ein lachendes und zwei weinende Augen“, sagt die Katinenchefin des Alfred-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern, und schon muss sie sich die Tränen aus den Augen wischen.

Drei Jahrzehnte stand sie hinter dem Tresen der Schulkantine und verkaufte den Schülern in der Mittagszeit Schnitzelweck, Frikadellenbrötchen, Pizza, Kartoffelspalten, Schokocroissants und Co. Zunächst als Unterstützung von Elsbeth Walter, ab 1999, als ihre Vorgängerin in Rente ging, übernahm Anneliese Hellberg die Kantinenleitung. Geboren wurde sie 1956 im rumänischen Hatzfeld. 1990 zog sie mit ihren Kindern Roswitha und Chris in die Pfalz, wo sie zunächst in der Wäscherei im Krankenhaus Bad Bergzabern beschäftigt war, bis sie die Stelle im Gymnasium antrat.

Markenzeichen: die große Gosche

„30 Jahre am Gymnasium und noch immer kein Abi“, haut sie manchmal scherzhaft über sich raus. Vielleicht gibt’s ja zur feierlichen Verabschiedung am Donnerstag mit rund 600 Gästen, Big-Band-Auftritt, Reden und Überraschungsaktionen der Schulgemeinschaft endlich ein Abizeugnis für die Küchenfee, die manchmal auch ein Hausdrache ist. „Das können Sie ruhig so schreiben“, kommentiert der Lieblingsdrache der Schule. Anneliese Hellberg steht zu ihrer Art, hat sich auch einen Drachen-Kuchen gewünscht. Jeder habe ja so seine Macken, ihre sei die große Gosche. Die Schüler wussten bei ihr immer, an was sie dran sind. Und sie konnte die jungen Wilden zu Räson bringen.

Von einem Schüler habe sie mal gehört: „Am Anfang hatte ich Angst vor dir. Aber dann habe ich gemerkt, du hast nur eine laute Stimme, du bist gar nicht so.“ Wenn es um ihre Schützlinge geht, wird die 65-Jährige ganz emotional. Viele haben sich bei ihr nicht nur den Mittagssnack geholt, sondern ihr auch ihre Sorgen und Nöte berichtet, ihr Herz ausgeschüttet, Späßchen mit ihr gemacht. Die Kantine war der Ruhepol der Schule, viele kamen hier vorbei, nicht nur in den zwei Stunden Verkaufszeit. Anneliese Hellberg ließ sie gewähren – wenn auch die Hausaufgaben gemacht wurden. Und es kam auch schon vor, dass Schüler frühs um 6 Uhr vor der Tür standen, als die Kantinenchefin gerade erst zur Arbeit kam. „Da sind die vom Abigag wiedergekommen“, erinnert sie sich. Wie Zombies standen die Absolventen erwartungsvoll bei ihr an. „Kalt! Durst! Kaffee!“ Mehr hätten sie nicht mehr rausgebracht. Und natürlich hat Anneliese Hellberg die Schüler dann erst einmal mit dem wärmenden Muntermacher versorgt.

In Kontakt mit vielen ehemaligen Schülern

„Ach, es war eine schöne Zeit und hat so viel Spaß gemacht“, resümiert sie, und schon werden die Augen wieder feucht. Sogar mit vielen ehemaligen Schülern hat Anneliese Hellberg noch Kontakt. Es gibt eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe. Und den 28. Dezember hat die Runde zum Nationalfeiertag des Schnitzelwecks ausgerufen. Dann treffen sich die früheren Schüler mit ihrer Anneliese zum gemeinsamen Essen und Plaudern. „Einmal sind sie zu mir nach Hause gekommen, und ich habe nur eine Zwei-Raum-Wohnung. Zu 15. saßen wir in der kleinen Küche, wie die Ölsardinen“, erinnert sie sich schmunzelnd.

„Anneliese, das kannst du doch nicht bringen. Du kannst doch nicht gehen.“ Solche Sätze hat sie von den Schülern in letzter Zeit oft gehört. Aber die Zeit ist gekommen, auch wenn mancher Schüler meint: „Die ist doch noch gar nicht so alt.“ Der Austausch mit den Heranwachsenden hält eben jung. Die bald 66-Jährige hat noch keine konkreten Pläne für die Rente. Sie will sich erst einmal ein bisschen Ruhe gönnen, sich Zeit für ihre zwei Enkel nehmen und an ihren geliebten Bodensee fahren. Aber Nichtstun, das kann man sich bei der resoluten aktiven Frau gar nicht vorstellen. „Ich werde wohl wieder in Beschlag genommen. Ich kann eben nicht Nein sagen“, gibt sie zu.

Kantine soll verpachtet werden

Und wo werden die Schüler in Zukunft ihren Mittagsimbiss herbekommen? Für Anneliese Hellberg hatte der Landkreis als Schulträger eine besondere Position geschaffen, denn eigentlich ist sie als Putzkraft angestellt. So begann nach dem Mittagsverkauf erst ihr eigentlicher Job, das Reinigen im Schulgebäude. Mit Hellbergs Ausscheiden übernimmt das der beauftragte Putztrupp, und die Kantine soll verpachtet werden.

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