Edenkoben
Gymnasium richtet Begys-Klasse ein
Für die jetzigen Fünfer des Edenkobener Gymnasiums ist das Abitur noch in weiter Ferne. Erst 2030 werden sie sich nach einem Studien- oder Ausbildungsplatz umschauen. Es sei denn, sie wollen den Schulstoff schneller pauken als ihre Klassenkameraden. Dann können sie ihr Abschlusszeugnis ein Jahr früher in den Händen halten. Begys soll es ermöglichen. So nennt sich die Klasse, die es ab Sommer 2023 am Gymnasium und damit auch erstmals im Landkreis Südliche Weinstraße geben wird.
Begys ist ein Akronym und steht für: Begabtenförderung am Gymnasium mit Verkürzung der Schulzeit. Dahinter steckt die Idee, leistungsstarke Schüler eines Jahrgangs eine Klassenstufe überspringen zu lassen. In der Praxis sieht das Ganze so aus, dass sie ab der Siebten Teil einer neuen Klasse werden. Sie werden die Unterrichtsinhalte in Mathe, Deutsch und anderen Fächern in drei statt in vier Jahren lernen. Nach dieser Zeit gehen sie wieder in die regulären Klassen beziehungsweise in die Kurse, die es in der Oberstufe gibt. Heißt: Die Begys-Schüler sind dann schon in der elften Jahrgangsstufe – oder auch nicht. „Es gibt für sie auch andere Optionen“, erklärt Schulleiter Philipp Jähne.
Schuljahr für Auslandsaufenthalt gewonnen?
Manche Schüler nutzen das gewonnene Jahr für einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt, um dann zu ihren früheren Klassenkameraden von der Fünften dazustoßen. Verbringen sie ein Jahr in der Fremde, können sie alternativ auch in die ältere Jahrgangsstufe, um das Abi schneller in der Tasche zu haben, wie Jähne berichtet. Er hat mit diesem Programm Erfahrungen gemacht, und zwar an seiner früheren Wirkungsstätte: am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium in Speyer. Dort war er vor seinem Wechsel in die Südpfalz als Lehrer tätig.
Viele Mütter und Väter freuen sich derweil über das neue Angebot, berichten Mitglieder des Schulelternbeirates (Seb). Schließlich gebe es am Gymnasium bereits Fördermöglichkeiten für leistungsschwächere Mädchen und Jungen, etwa durch Projekte wie „Schüler helfen Schüler“ oder Arbeitsgemeinschaften. Nun werde umgekehrt eine Möglichkeit geschaffen, begabten Jugendlichen den Schulstoff in einem schnelleren Lerntempo näherzubringen, damit sie sich nicht unterfordert fühlen. Zumal sie ihre Stärken entfalten können, ohne als „Streber“ abgestempelt zu werden.
Flexibilität des Programms wird geschätzt
Umgekehrt sollen auch Schüler der regulären Klassen profitieren. Sie könnten sich dazu ermutigt fühlen, sich noch mehr in den Unterricht einzubringen. Sie müssen sich dann nicht mehr hinter den herausragenden Klassenkameraden einreihen. Davon sind die Seb-Vorsitzende Margit Eichmann überzeugt. Florian Eisenacher und Jonas Zimmermann, beide Oberstufenschüler und Teil des Schülersprecher-Teams, erkennen ebenfalls den Mehrwert in Begys. Sie berichten von Klassenkameraden, die sich solch ein Angebot gewünscht hätten. Vor allem in naturwissenschaftlichern Fächern, in denen sie Regeln und Formeln frühzeitig verinnerlicht hatten, aber diese immer und immer wieder mit der Klasse üben mussten, bis es alle verstehen.
Seb-Mitglied Sonja Emig-Allmendinger schätzt das Programm vor allem wegen seiner Flexibilität. Die Viertklässler können sich nach ihrem Wechsel ans Gymnasium erst an ihr neues Umfeld gewöhnen, bevor sie sich darauf festlegen, ob sie den Weg über Begys gehen. Vorausgesetzt, sie werden von den Klassenkonferenzen dafür empfohlen. Laut dem stellvertretenden Schulleiter Michael Schacht sind nicht nur die Noten entscheidend. Berücksichtigt werden auch pädagogische Kriterien, etwa wie motiviert der Schüler ist und welches Arbeitsverhalten er an den Tag legt. „Die Eltern entscheiden, ob sie der Empfehlung folgen.“
Unterschied zu G8-Gymnasien
Und: Ein Zurück gibt es jederzeit. Begys-Schüler können in ihre Regelklassen zurückkehren, wenn sie möchten. Das ist der wesentliche Unterschied und auch Vorteil gegenüber G8-Gymnasien, an denen das Abitur nach acht, statt nach neun Jahren gemacht werden kann. Dieses System wurde auch deshalb hier und dort eingeführt, damit die Absolventen schneller dem Berufsmarkt zur Verfügung stehen. Manche Länder sind aber davon abgerückt oder planen derzeit, wieder zum bewährten Modell zurückkehren.
Das Edenkobener Gymnasium wird im Landkreis SÜW die erste Schule mit einer Begys-Klasse sein. Landesweit findet sich das Programm an 15 Einrichtungen, neben Speyer auch in Germersheim und Ludwigshafen, aber weder in Landau noch Neustadt. Schulleiter Jähne geht nicht davon aus, dass die Schülerzahlen am Edenkobener Gymnasium deswegen steigen werden. Das Interesse könnte dadurch bei der ein oder anderen Familie zwar geweckt werden. „Mehr als drei oder vier zusätzliche Anmeldungen erwarte ich aber nicht.“
Info
Infos zu Begys und zu anderen Angeboten des Gymnasiums gibt es für Interessierte bei einer Videokonferenz am Montag, 31. Januar, 19 Uhr. Um Anmeldung per E-Mail an sekretariat@gymnasium-edenkoben.de wird gebeten