Kreis Südliche Weinstraße Gut und günstig
Die Büroräume der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bad Bergzabern eG sind nicht leicht zu finden. Man muss dazu schon in die Kellerräume eines Mehrfamilienhauses in der Schillerstraße hinabsteigen. Alles wirkt sehr bescheiden. „Die Büromöbel haben uns die Stadtwerke überlassen, das sind deren ausrangierte Möbel. Unsere waren so alt, das ging wirklich nicht mehr“, sagt Bernd Wichmann. Zusammen mit Manfred Heft und Gerhard Mühlhäuser bildet er den ehrenamtlichen Vorstand. Die Stadtwerke sind übrigens Mitglied in der Baugenossenschaft. Ziel einer Wohnungsbaugenossenschaft ist es, ihren Genossen, also den Mitgliedern, günstigen Wohnraum anzubieten. Zu diesem Zweck werden Mietwohnungen gebaut und unterhalten. „Wir haben 86 Wohnungen“, sagt Wichmann, „alle sind vermietet. Wir haben zumeist langjährige Mieter.“ Ein Ehepaar wohnt bereits seit 56 Jahren in ein und derselben Wohnung. Ganz schnell herausgefunden hat das Datum des Einzugs Birgit Fabian. Ein Blick in den richtigen Ordner genügt. Fabian kümmert sich seit rund zwei Jahren um das Sekretariat der Baugenossenschaft, auch um die Buchhaltung. Früher hat sie einem Unternehmen als Buchhalterin gearbeitet, bei der Baugenossenschaft ist sie „Mädchen für alles“. „Sie ist unsere gute Seele, ich weiß gar nicht, wie wir das früher ohne sie gemacht haben“, sagt Wichmann. Wichmann, der im Hauptberuf als Geschäftsführer beim Verein Südliche Weinstraße für die Weinwerbung zuständig ist, ist seit 2004 im Vorstand der Baugenossenschaft. Er ist damit der Benjamin. Heft gehört dem Vorstand seit 1999 an, Mühlhäuser gar seit 1978. Gewählt wird der Vorstand alle fünf Jahre, und zwar vom Aufsichtsrat. Der wiederum wird alle drei Jahre von den Mitgliedern gewählt. Aktuell hat die Baugenossenschaft 135 Mitglieder. Darunter sind natürlich die 86 Mieter. „Aber auch Bürger aus Bad Bergzabern, die uns unterstützen wollen“, sagt Wichmann. Jedes Mitglied muss mindestens einen Anteilsschein kaufen, der kostet 210 Euro, dazu kommen zehn Euro „Eintrittsgeld“, wie Wichmann es nennt, für die Aufnahme in die Baugenossenschaft. Wie bei einer Genossenschaft üblich, können sich die Mitglieder eine Dividende auszahlen lassen. Die Mieteinnahmen und das Geld aus dem Verkauf der Anteilsscheine – damit arbeitet die Baugenossenschaft. Und in den vergangenen Jahren wurde viel gearbeitet beziehungsweise investiert. Die Baugenossenschaft besitzt Mehrfamilienhäuser in der Siemensstraße, der Goethe- und der Schillerstraße. Das älteste Haus steht in der Siemensstraße, erbaut 1953, das „jüngste“ in der Schillerstraße, errichtet 1993. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Häuser in der Goethestraße 1 und 3 sowie 5 und 7 saniert, insgesamt 1,25 Millionen Euro wurden verbaut“, berichtet Wichmann. In ein Haus in der Siemensstraße wurden 150.000 Euro investiert, die Arbeiten wurden gerade abgeschlossen. Investiert wurde in die Außenisolierung, neue Fenster und Bäder – und in die Heizungsanlage. „Wir haben auch noch Häuser, in denen es noch keine Zentralheizung gibt, die heizen mit Ölöfen“, erzählt Wichmann. Ohne die „hervorragende Beratung“ durch die Sparkasse Südliche Weinstraße und die VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau – beide Geldhäuser sind im Aufsichtsrat vertreten – wäre die Sanierung so nicht möglich gewesen, betont er. Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum ist auch in Bad Bergzabern groß. „Wir haben viele Bewerber, wir schauen natürlich auch, ob die Leute zu uns passen“, sagt Heft. Die Hausgemeinschaft ist wichtig, die Mieter müssen sich selbst organisieren, einen Hausmeister gibt es nicht. „Ein Hausmeister kostet Geld, das können wir sparen“, sagt Wichmann. Seine Vorstandskollegen Heft und Mühlhäuser, beide im Ruhestand, sind fast rund um die Uhr gefordert, müssen Zwistigkeiten beseitigen oder auch Hausmeistertätigkeiten übernehmen. Fast zwei Drittel der Mieter haben einen Migrationshintergrund. Das sei zwar manchmal eine andere Mentalität, Probleme bereite das aber nicht, betonen Heft und Mühlhäuser. Die günstigste Miete liegt bei drei Euro pro Quadratmeter. „In der Wohnung gibt es aber noch keine Heizung“, sagt Wichmann. Die soll demnächst eingebaut werden. Dann könne man auch die Mietpreise ein wenig anheben, um wieder Geld für weitere Investitionen in die Kasse zu bekommen. Die Baugenossenschaft besitzt noch weitere Grundstücke. Theoretisch könnten also weitere Häuser gebaut werden, könnte zusätzlicher billiger Wohnraum entstehen. „Dazu müsste dann vielleicht auch mal die Stadt mit so einem Anliegen auf uns zukommen“, meint Wichmann. Aber: „Ich bin seit 2004 im Vorstand, in diesen 13 Jahren hat sich noch niemand aus der Stadtspitze für unsere Arbeit interessiert“, sagt er.