Bad Bergzabern
Grundwasserprobleme Kurtalstraße: Ist Erlenbach Schuld?
Ein unglaublich heißer Sommer ohne einen Tropfen Regen. Und trotzdem muss die Therme seit April täglich rund 1600 Liter Wasser aus einem Schacht abpumpen. Was noch nie der Fall war. „Wir sind zwar am tiefsten Punkt im Kurtal, aber das hatten wir noch nie, der Grundwasserspiegel hat sich erhöht“, erklärt die Geschäftsführerin der Therme, Sandra Reichenbacher, auf Nachfrage der RHEINPFALZ.
In den Entwässerungsschacht dringe das Wasser durch den Beton ein. Und im Prüfschacht stehe das Wasser in einer Tiefe von rund einem Meter, das habe es auch noch nie gegeben. In der Therme führt der erhöhte Grundwasserspiegel auch dazu, dass die Becken nicht mehr vollständig abgelassen werden können, so Reichenbacher. Sie würden dann aufgeschwemmt, weil der Druck von außen zu hoch ist. „Als 2018 das Außenbecken erneuert wurde, gab es das Problem nicht, das wurde geprüft“, sagt die Geschäftsführerin.
„Der erhöhte Grundwasserspiegel steht in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Öffnung des Erlenbach“, stellt sie in den Raum. Ob das der Grund ist, weiß sie nicht. Aber der zeitliche Zusammenhang mit der Öffnung des Erlenbachs besteht. Die Maßnahme wurde in diesem Frühjahr fertig gestellt. Der Bach fließt jetzt offen vom Schwanenweiher durch den Kurpark, in einem abgedichteten Bachbett. Die alte und löchrige Verrohrung ist jetzt ebenfalls dicht, weil ein weiteres Rohr in die bestehende Verrohrung eingezogen wurde.
Tiefgarage unter Wasser
Panik herrscht bei dem Thema auch beim Verwaltungsrat des Böhämmercenters gleich neben der Therme am Eingang zum Kurpark. Der Gebäudekomplex aus den 80er Jahren besteht aus 30 Wohnungen und zehn Geschäften, unter anderem einem Arzt, einem Friseur und einem Restaurant. Peter Ulmer und Heinz Kiesewetter bilden den Verwaltungsrat für die Eigentümer als Bindeglied zur Hausverwaltung in Karlsruhe. Und sie sind alarmiert.
Peter Ulmer gehört eine Wohnung und eine Garage im Gebäude, das 50 Tiefgaragen hat. „Am 27. Juli wollte ich den Doppelparker hochfahren, es hat gerauscht, das Wasser stand rund 15 Zentimeter in der Garage“, erzählt er. Bei den fünf Doppelparkern kann ein Garagenplatz zweimal genutzt werden, weil die beiden Ebenen elektronisch hoch- und runtergefahren werden können. Eine braune Brühe habe im ganzen Bereich der zehn Doppelgaragen, die rund 1,70 Meter tiefer als die übrigen liegen, gestanden. Das Wasser sei dann von einer Firma zweimal abgepumpt worden sei, erzählt Ulmer.
Jetzt sieht man noch Sand und Rost auf den Metallplatten auf denen die Autos stehen. Und Wasserflecken auf dem Betonboden der Tiefgarage – offensichtlich drücke sich hier Grundwasser durch. Auch aus einem Drainagerohr fließt permanent Wasser. „Da war noch nie Wasser drin“, sagen Ulmer und Kiesewetter. Im Böhämmercenter wird Grundwasser schon immer ständig mit einer Pumpe im Technikraum abgepumpt. „Wasser in der Tiefgarage hatten wir aber noch nie“, erzählen die beiden Herren des Verwaltungsrats. Sie sind äußerst besorgt, dass das ganze Gebäude Schaden nehmen und dadurch eine Wertminderung erfahren könnte.
Sache des Bauherrn
Auch sie sehen einen zeitlichen Zusammenhang mit der Öffnung des Erlenbachs. Und glauben, dass vom Problem des vermehrten Grundwassers die ganze Kurtalstraße betroffen ist. Bei einem Gang durch den Kurpark zeigen sie Wasseransammlungen, die vor der Öffnung des Erlenbach nicht da gewesen seien und ausgehobene Gräben auf Privatgrundstücken, die das Wasser ableiten sollen. Dass das Eindringen von Wasser in das Gebäude nichts mit Starkregenereignissen zu tun hat, beweist für sie der Sommer, an dem es bis zum Tag der Besichtigung mit der RHEINPFALZ keinen Tropfen geregnet hatte.
Auf Nachfrage äußert sich der Baudezernent und Erster Beigordneter der Stadt, Rolf Enke: „Der alte Kanal war an vielen Stellen defekt und hatte wahrscheinlich eine Drainagewirkung, daher kann ich einen Zusammenhang nicht ausschließen.“ Bei der Befahrung des alten Kanals mit einer Kamera seien zahlreiche Einleitungen gefunden worden, die weder dokumentiert waren noch bestimmten Gebäuden zugeordnet werden konnten. An der Therme sei keine Einleitung gefunden worden.
2016 seien alle Grundstückseigentümer der Kurtalstraße wegen möglicher Einleitungen angeschrieben worden. „Es kam von niemandem eine Rückmeldung“, sagt Enke. Bereits 2011 habe die Untersuchung des Grundwassers durch ein Fachbüro ergeben, dass das Grundwasser bis an die Geländeoberkante gehen könne. „Eine Lösung kann ich derzeit nicht anbieten, wir warten jetzt was die Kreisverwaltung nach ihrer Auswertung der Fakten dazu sagt“, informiert der Baudezernent. Auch Stadtbürgermeister Hermann Augspurger vermutet, dass die alte Verrohrung Drainagewirkung hatte. „Es ist schon immer Bachschwemmland, wenn Gebäude tiefer als die Bachsohle liegen, muss ich sie absichern, es ist Sache des Bauherrn, ob sein Haus trocken ist“, so Augspurger.