Kreis Südliche Weinstraße Großes Ding
Ein Bauarbeiter steht am Mittwochvormittag auf einer Hebebühne im Gebäude des ehemaligen Real-Marktes in Rohrbach und werkelt an einem Heizungsrohr, das an der Decke verläuft. Im Hintergrund läuft das Radio, irgendein Schlager. In der Halle, in dem Modepark Röther Kleidung anbieten wird, fühlt man sich wie eine Ameise in einem Schuhkarton, die Ausmaße sind enorm. „Die Halle soll ihren Industriecharakter behalten“, sagt Baustellenleiter Karsten Jakobi. Und so langsam kann man sich vorstellen, wie hier ab dem kommenden Frühjahr Jeans, Pullover und Shirts verkauft werden. Jakobi ist mit den Arbeiten zufrieden. „Bisher liegen wir im Zeitplan“, sagt er.
"Nicht gewusst, ob es weitergeht"
Das ist nicht selbstverständlich. Lange stand das geplante Fachmarktzentrum auf der Kippe. Die Stadt Landau hatte rechtliche Schritte gegen die Pläne von Investor Michael Röther eingeleitet, der rund elf Millionen Euro in die Umgestaltung des Areals steckt. Am Ende lehnte zuerst das Verwaltungsgericht in Neustadt, später auch das Oberverwaltungsgericht Koblenz den Landauer Antrag auf einen Baustopp in Rohrbach ab. „Für uns und die Baufirmen war das natürlich eine große Erleichterung“, sagt Jakobi, „wir haben ja lange nicht gewusst, ob es überhaupt weitergeht.“
Wichtiges Projekt
Jürgen Vollmer hat die Entscheidung der Gerichte nicht sonderlich überrascht. „Ich habe damit gerechnet“, sagt der Rohrbacher, der vor der Schließung des Real-Marktes dort 23 Jahre Hausmeister war – und es künftig im Fachmarktzentrum auch wieder sein wird. „Für die Leute im Ort, aber auch für die ganze Region ist das Projekt sehr wichtig und auch emotional, für mich natürlich besonders“, sagt Vollmer.
Es steht nur noch das Betonskelett
Die Arbeiten auf dem Gelände laufen nun seit rund einem Jahr. Das Marktgebäude ist komplett entkernt worden, es steht nur noch ein Betonskelett. „Wir haben alles rausgemacht, jede Tür, jede Leitung, jeden Lichtschalter. Es war eine Komplett-OP“, sagt Jakobi. Fast 2700 Tonnen Abbruchmaterial mussten entsorgt werden, eine Fachfirma kümmerte sich um die Beseitigung von Asbestrückständen. Auf dem rund 57.000 Quadratmeter großen Grundstück wurde inzwischen auch der frühere Getränkemarkt sowie der Verwaltungstrakt, in dem auch eine Kneipe sowie Wohnräume untergebracht waren, dem Erdboden gleichgemacht. Das Marktgebäude hat nun eine Fläche von rund 10.500 Quadratmetern.
Wasgau, Aldi, dm und Röther
Nun zur Aufteilung des Baus: In der ersten Halle, die in Richtung der Landstraße nach Steinweiler zeigt, wird der Wasgaumarkt untergebracht. Verkaufsfläche: rund 1500 Quadratmeter. Daneben kommt Aldi mit 1000 Quadratmetern unter, im dritten Hallenabschnitt wird DM mit 800 Quadratmeter Fläche eröffnen. Im vierten Abschnitt wird ein Kiosk auf 50 Quadratmetern mit einer Lotto-Annahmestelle sowie einer Poststation entstehen. Im letzen Abschnitt des L-förmigen Gebäudes wird sich Röther auf rund 5500 Quadratmeter Verkaufsfläche einrichten. Die Zahl der Parkplätze wurde von rund 500 auf über 600 vergrößert.
450 Kubik Wasser für den Ernstfall
Im Rücken des Marktgebäudes, in Richtung eines Neubaugebiets, steht ein fast acht Meter hoher Metalltank, der aussieht wie eine blank polierte Raviolidose. Er fasst 450 Kubikmeter Wasser, das bei einem Brand für die Sprinkleranlage vorgesehen ist. Derzeit sind Arbeiter dabei, eine Konstruktion für ein Vordach zu bauen, das alle Eingangsbereiche der Märkte überspannen soll. „Das Projekt macht wirklich großen Spaß, viele Firmen aus der Region sind vor Ort. Es läuft wirklich sehr harmonisch ab“, sagt Jakobi. Er ist sich ziemlich sicher, dass er den geplanten Eröffnungszeitraum einhalten wird.