Kreis Südliche Weinstraße Gemeinsam statt einsam
Bad Bergzabern: Ein Erfolg war das erste „Freunde-Speed-Dating“ für Senioren im Haus der Familie. Beim Kennenlernen im Fünf-Minuten-Takt ging es nicht darum, einen Partner zu finden, sondern Gleichgesinnte für gemeinsame Freizeitunternehmungen. 15 Frauen und vier Männer waren dabei.
„Ich suche neue Freundschaften und Menschen, mit denen man etwas unternehmen kann“, erzählt Elke, die seit Kurzem in Bad Bergzabern wohnt. Sie ist eine von 15 Frauen, die an diesem Mittwochnachmittag ins Haus der Familie zum ersten „Freunde-Speed-Dating“ für Senioren gekommen sind. Dabei sind auch vier Herren. Es geht bei der Aktion nicht darum, einen Partner zu finden, sondern Menschen, mit denen sich gemeinsam etwas unternehmen lässt. Solche Leute sucht auch Franziska. Schwimmen, spazieren und der Besuch von Veranstaltungen sind ihre Hobbys. Sie unterhält sich gerade mit Anne, die zweimal in der Woche schwimmen geht. Waltraud sucht einen „Wandervogel“, der bei gut zehn Kilometern mithält, sie trinkt auch gerne einen schönen Pfälzer Wein, ist aber auch offen für neue Unternehmungen. Gertrud fährt gerne Fahrrad, Eva läuft gerne, da kommen die Interessen nicht zusammen. „Gehen sie manchmal aus?“, fragt Karl seine Gesprächspartnerin Eva-Maria. „Manchmal ein Eis essen“, ist die Antwort. „Alleine macht es keinen Spaß“, findet Karl. „Die RHEINPFALZ ist schuld“, sagt Seniorenreferent Rainer Brunck. Er habe im vergangenen Jahr einen Artikel über „Freunde-Speed-Dating“ für Senioren gelesen. Eine gute Idee, habe er sich gedacht, und das Team für die Seniorenarbeit habe dann beschlossen, eine solche Veranstaltung anzubieten. Ein Rabbi in Los Angeles habe 1988 die Idee des Speed-Datings gehabt, um die Anzahl der Heiratswilligen zu erhöhen. Inzwischen gebe es sogar Speed-Hating, um Aggressionen abzubauen oder Silent-Dating, bei dem gar nicht gesprochen werde. An diesem Nachmittag geht es aber darum, sich mit Menschen auszutauschen und gemeinsame Interessen zu entdecken. Auch wenn die eine oder andere Dame wie Gabi nichts dagegen gehabt hätte, einen „humorvollen, ehrlichen“ Partner zu finden. „Kriege ich was zum Schreiben, wir wollen uns wegen eines Spielenachmittags austauschen“, wird Brunck während des Gesprächs mit der RHEINPFALZ von einer Teilnehmerin gefragt, die in der ersten Halbzeit des Speed-Datings Gleichgesinnte gefunden hat. Berührungsängste gibt es keine, wenn der Gong ertönt, wechseln die Teilnehmer die Plätze und haben fünf Minuten Zeit, sich mit dem neuen Gegenüber auszutauschen. „Mindestens die Hälfte der Anwesenden hat sich zu Unternehmungen verabredet“, sagt Brunck nach der Veranstaltung, mit der er „hochzufrieden“ ist. Auch wenn mancher Wunsch nicht erfüllt werden konnte. Wie der zweier Damen, einen Tanzpartner zu finden, auch für den argentinischen Tango. „Männer, die tanzen, werden immer rarer“, sagt Sigrid. Eine Liebhaberin klassischer Musik fand ebenfalls keinen Gleichgesinnten. Aber vielleicht klappt es beim nächsten Mal, denn der Wunsch der meisten war es, das Freunde-Speed-Dating zu wiederholen.