Kreis Südliche Weinstraße
Gemeinde entzieht Frauenfußballverein Status als ortsansässiger Klub – und erntet heftige Kritik
Jeden Januar feiern aktive und ehemalige Spielerinnen des FFV Göcklingen ihr Jahresfest in der Kaiserberghalle. 2018 wurde dort eine Party anlässlich 50 Jahre erfolgreichen Frauenfußballs in Göcklingen zelebriert. Der Mietantrag für die Feier in diesem Januar kam mit einer unerwarteten Antwort zurück. Statt wie bisher 130 sollten nun 480 Euro Gebühr anfallen. „Ich bin zuerst von einem Fehler ausgegangen“, sagt Elisabeth Fehrenbach, erste Vorsitzende des FFV. „Auf Nachfrage wurde mir dann erklärt, dass die Preiserhöhung aufgrund unserer neuen Einstufung als ortsfremder Verein erfolgt ist.“
Ortsbürgermeisterin Manuela Laub bestätigt das. Die Entscheidung beruhe „nur auf der Tatsache, dass der Verein zurzeit kein aktives Vereinsleben in Göcklingen praktiziert“. Die Kaiserberghalle werde an aktive Ortsvereine zu einem günstigeren Tarif vermietet, um das ehrenamtliche Engagement im Dorf zu würdigen.
Frauen spielten in zweithöchster Spielklasse
Um zu verstehen, warum diese Begründung bei der Fortuna solche Enttäuschung ausgelöst hat, lohnt sich ein Blick auf die Vereinsgeschichte. „Göcklingen war beim Frauenfußball schon immer ein Name, der Gewicht hat“, erzählt Fehrenbach. „Ich bin in meiner Jugendzeit noch oft als Gegnerin nach Göcklingen gefahren, das war für uns immer etwas Besonderes.“ Noch zu Rot-Weiß-Zeiten, ab den 1980er- und 1990er-Jahren, spielten die Frauen in Göcklingen sehr erfolgreich, erreichten immer wieder die Regionalliga – damals die zweithöchste Spielklasse.
Der große Erfolg brachte aber auch Nachteile mit sich: Durch weiter entfernte Auswärtsfahrten entstanden höhere Kosten. Umgekehrt gab es zu Hause keine echten Derbys, die viel Zuschauer anlocken konnten. Früh wurde ein Förderverein gegründet, um etwa für neue Trikots oder Schiedsrichterkosten aufzukommen. „Wir haben jahrelang einfach unser eigenes Ding gemacht“, erinnert sich Evi Häusel. Sie war damals Ansprechpartnerin für Frauen- und Mädchenbelange im Verein, nach der Neugründung erste Vorsitzende. Das Verhältnis zur Vorstandschaft beschreibt sie zu dieser Zeit als emotionslos: „Wir waren praktisch ein Verein im Verein.“
Spielstätte war bis 2018 Minderslachen
Zur Trennung kam es dann 2013. „Der SV hat damals nach Möglichkeiten gesucht, Kosten zu reduzieren. An uns wurde mit der Forderung herangetreten, in Zukunft nur noch eine Frauen- und eine Juniorenmannschaft zu betreiben“, so Häusel. Das wäre für die Frauenabteilung, die damals zwei Aktiven-Teams und vier Juniorinnen-Teams hatte, ein heftiger Einschnitt gewesen. „Das war für uns als Ausbildungsverein ein absolutes K.-o.-Kriterium“, sagt Häusel.
Trotz der Entscheidung zur Abspaltung hätte der FFV gerne weiter in Göcklingen gespielt. Weil es bereits vorher immer wieder Engpässe bei der Platzvergabe gab – im Sommer zuvor war der Hauptplatz wegen Sanierungsarbeiten gesperrt gewesen – wurde im Trennungsvertrag vereinbart, das die Fortuna auf eine Nutzung der Anlage in Göcklingen verzichtet. Bis 2018 fand der Verein in Minderslachen eine neue Heimat. Danach folgte der nächste Umzug nach Hayna. Dort wurden die Frauen in der vergangenen Saison Verbandsligameister, stiegen ein weiteres Mal in die Regionalliga auf.
Zeitpunkt der Entscheidung weckt Verdacht
„Trotz allem sehen wir uns nach wie vor mit Göcklingen verbunden“, so Häusel. Es bestehe immer noch die Hoffnung, irgendwann einmal in die Heimat zurückkehren zu können. Die jüngsten Signale aus der Gemeinde würden allerdings keinen Grund zum Optimismus geben. „Wir finden es einfach nur schade“, sagt Fehrenbach. Ein besonderes Geschmäckle hat die Aberkennung des Status als ortsansässiger Verein für Evi Häusel, wie sie sagt. Die im vergangenen Jahr zur Ortsbürgermeisterin gewählte Laub ist mit dem Vorsitzenden des SV Rot-Weiß Thomas Laub verheiratet. „Er war damals einer der treibenden Kräfte bei der Trennung der Vereine“, erinnert sich die Göcklingerin. Nun erfolgte nur wenige Monate nach der Wahl Laubs die Herabstufung des Vereins. „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“, meint Häusel.
Weder Thomas noch Manuela Laub wollten sich zu dieser Mutmaßung äußern. Die Ortschefin betont, sollte sich der Verein wieder mehr im Gemeindeleben einbringen, würde das bei der Hallenvermietung auch berücksichtigt werden. Für ihre diesjährige Jahresfeier ist die Fortuna nach Heuchelheim ausgewichen.