Klingenmünster RHEINPFALZ Plus Artikel Gasthaus Zum Adler wird bald wiedereröffnet

Heimatverbunden mit einer Prise Lateinamerika – so lautet das Motto, das Franziska Baumann (links) und ihre Schwester Christine
Heimatverbunden mit einer Prise Lateinamerika – so lautet das Motto, das Franziska Baumann (links) und ihre Schwester Christine im Gasthaus zum Adler in Klingenmünster leben möchten.

Zwei Hainfelder Schwestern sind derzeit dabei, das Gasthaus Zum Adler in Klingenmünster zu neuem Leben zu erwecken. Auf den Tellern sollen hauptsächlich regionale Speisen serviert werden. Verfeinert mit einer Prise lateinamerikanischer Würze.

In der traditionsreichen Wirtschaft „Gasthaus zum Adler“ an der Weinstraße in Klingenmünster sollen nach jahrelangen Umbauarbeiten wieder Gäste verwöhnt werden. In einem Lokal, das 1748 erstmals urkundlich erwähnt wurde und sich seit 1869 in Familienhand befindet. Zuletzt hatte Roswitha Schwamm Gäste im Landeckdorf mit gutbürgerlicher Küche verwöhnt, und zwar ganze 40 Jahre lang. Als sie sich im Frühjahr 2019 zur Ruhe setzte, bereitete sie damit den Weg für einen Neuanfang, für den ihre beiden Nichten Christine und Franziska Baumann bereitstehen.

Seitdem wurde und wird derzeit im Hintergrund noch viel in dem historischen Gebäude gearbeitet, damit um die 30 Besucher im neu hergerichteten Innenbereich des Lokals oder alternativ im dessen Innenhof Platz nehmen können. Christine Baumann und ihre Schwester Franziska haben im Laufe der vergangenen Monate so einiges umgekrempelt. So haben sie unter anderem den Dachstuhl erneuert und die Sandsteinmauern im Gastraum freigelegt, auch die neue Küche ist seit kurzem so gut wie fertig.

Baustellen-Fortschritt wird dokumentiert

Die beiden Hainfelderinnen arbeiten sich Stück für Stück voran. Den Fortschritt auf der Baustelle halten sie auf Bildern und Videoclips fest, welche sie in den sozialen Netzwerken teilen und somit Interessierte auf dem Laufenden halten. Als Nächstes steht der Innenausbau im Gastraum an. Auch die beiden neuen Wohnungen, die die Schwestern beziehen möchten, müssen noch hergerichtet werden. Wobei diese Arbeiten erst nach der Wiedereröffnung erledigt werden. Schließlich ist noch so einiges im und um das Lokal herum zu tun. So viel, dass der Neustart von Frühjahr auf den Herbst dieses Jahres verlegt wurde. Das liegt aber nicht nur daran, dass die Baumanns die Arbeiten etwas unterschätzt haben.

Auch haben sie es nicht kommen sehen, an welchen Ecken sie noch Hand anlegen müssen, womit sie nicht gerechnet hatten, etwa die Pflasterung des Innenhofs. Diese Maßnahme nahmen sie erst nach der Beseitigung eines Wasserschadens mit auf ihre Liste. Die coronabedingten Lieferengpässe in der Baubranche kamen auch hinzu, wobei diese sie nur am Rande getroffen habe. Schwieriger war es gewesen, qualifizierte Handwerker zu finden, was wiederum zeitliche Verzögerungen mit sich brachte, wie Christine Baumann erzählt.

Bewährungsprobe im Weingut

Einen kulinarischen Vorgeschmack haben die Baumanns jedenfalls liefern können. Und zwar im vergangenen Jahr im Weingut Porzelt am Ortsrand von Klingenmünster. Über drei Sommermonate hinweg zauberten sie mit einer wechselnden Karte verschiedene Gänge für Besucher des Weinguts. „Die Zeit war für uns auch deshalb praktisch, weil wir uns etwas einspielen konnten“, berichtet Franziska Baumann. Vor allem für sie sei diese Bewährungsprobe bereichernd gewesen, da sie im Gegensatz zu ihrer Schwester nicht aus der Gastro-Szene kommt. Die 42-Jährige hat Betriebswirtschaft studiert, Christine Baumann hat als gelernte Köchin als einzige von insgesamt fünf Geschwistern im Gastgewerbe beruflich Fuß gefasst.

Die Speisen, die die Baumanns im Weingut servierten, möchten sie so oder so ähnlich in ihrem Gasthaus mit auf die Karte nehmen. So hatten sie im vergangenen Sommer beispielsweise Wildkräutersalat mit Birne, Paranuss und Bergkäse als Vorspeise, Graupenrisotto mit Kürbis, Liebstöckel, schwarzen Knoblauch und Manchego zum Hauptgang, und zum Nachtisch Geeiste Grieflammerie in Kombination mit Tonkabohne, Himbeere und Honigkaramell im Angebot.

Woher der lateinamerikanische Einfluss stammt

Manch einem, der sich ihre Speisekarte genauer betrachtet, dürfte der kleine, aber feine lateinamerikanischen Einfluss auffallen. Oft ist es eine Zutat oder ein paar Geschmacksnoten, die ihre regionale und saisonale Küche verfeinern. Die Zutaten sollen hauptsächlich aus der Region stammen. Die exotische Ergänzung geht auf Franziska Baumann zurück. Sie hat zwischenzeitlich zwölf Jahre lang in Guatemala gelebt, im Heimatland ihres Mannes.

Dort war sie unter anderem für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit tätig. Die Hainfelderin, die nach eigener Aussage schon immer an Mode interessiert war, initiierte dort auch ihr Herzensprojekt: Mit der Cousine ihres Mannes vertrieb sie unter den Namen Toj fair produziert Sandalen, welche sie noch heute von der Südpfalz aus im Internet anpreist.

Familienbetrieb in fünfter Generation

Dass es Franziska Baumann zurück in die Südpfalz verschlug, hat insbesondere mit ihrer 30-jährigen Schwester Christine zu tun. Sie war begeistert von der Idee, mit ihr den Familienbetrieb in Klingenmünster in fünfter Generation fortzuführen. Sie soll für den Servicebereich zuständig sein. Am Herd wird ihre Schwester stehen, die unter anderem in Sterne-Küchen, etwa im Restaurant „La Poêle d’Or“ in Köln oder im „Redüttchen“ in Bonn, einige Erfahrung mitnehmen konnte. Sie machte auch durch Auszeichnungen auf sich aufmerksam, etwa durch den Rudolf-Aschenbach-Preis, hinter dem sich ein renommierter Wettbewerb für Nachwuchsköche verbirgt. Sogar die Jury eines weltweiten Wettbewerbs überzeugte sie in Norwegen.

Aber schon damals, 2014, teilte sie mit, wo sie später ihren Arbeitsplatz sieht: im Gasthaus zum Adler. Den beiden Inhaberinnen schwebt vor, das Lokal an fünf Tagen abends zu betreiben – bis auf sonntags, wo schon zur Mittagszeit zu Tisch gebeten werden soll. Für private Feiern werde es einen Nebenraum für bis zu zehn Personen geben. Langfristig könnte die Scheune im hinteren Bereich des Innenhofs für besondere Anlässe bespielt werden. Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst gehe es darum, im Herbst zu starten.

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