Annweiler
Foto-Ausstellung: Punk-Rocker auf Vogel-Pirsch
Hier ein rotziger Marienkäfer, der aussieht, als ob er die Nacht durchzecht hätte, da ein Eisvogel, der stolz sein blau-schillerndes Federkleid in die Sonne reckt, dort ein weißer Wattebausch, der sich als Nachtfalter-Raupe herausstellt. Vogelfotografie und Makrofotografie von Insekten – das sind die Steckenpferde von Thimo Höffner, der aus der Südpfalz stammt, mittlerweile in Speyer lebt und nun seine erste Ausstellung zeigt. Rund 70 Fotografien hat der Hobby-Fotograf dafür aus seiner Tausende Bilder umfassenden Fauna-Sammlung ausgewählt.
Leicht machen es ihm seine Fotomodelle nicht gerade. Die unruhigen Vögelchen flattern meist schneller hinfort, als man die Kamera zücken und einstellen kann. Und um Insekten inmitten der Landschaft zu erspähen, braucht man ein waches Auge. Käferchen und Spinnen, die in Großaufnahme wie haarige Monster aus Horrorfilmen aussehen, sind in Wirklichkeit nicht halb so groß wie ein Fingernagel. Um die Objekte wirkungsvoll zur Geltung zu bringen, brauche es auf jeden Fall eine Menge Geduld und Beharrungsvermögen, weiß er.
Mit Oma als Kind schon Vogel-Voliere gebaut
Höffner geht es darum, die Natur so zu zeigen, wie sie sich in der Realität darstellt. Er will keine individuellen Stimmungen in seine Bilder hineininterpretieren, will auch nicht durch Bildbearbeitung das Empfinden des Betrachters beeinflussen. Trotzdem ist ihm nicht an einem nur bloßen Abbilden gelegen. Charakteristisches aus dem Verhalten der Tiere möchte er in seine Bilder hineinfließen lassen – etwa, wenn er den kecken Blick einer den Kopf drehenden Kohlmeise im Bild auffängt oder das gravitätische Gebaren eines Basstölpels auf einer Felsenklippe Helgolands.
Höffner ist 47 Jahre alt, in Ranschbach geboren und dort aufgewachsen. Der Natur ist er schon seit seiner Kindheit zugetan. Oft verbrachte er die Ferien bei seiner Großmutter im südwestpfälzischen Schmalenberg, wo er mit dem Bestimmungsbuch unterm Arm die Wälder durchstreifte und die Lebewesen in Omas Gartenteich untersuchte. Seine Oma baute mit seiner Hilfe auch eine Voliere, um darin Dohlen groß zu ziehen. Den Kinderschuhen entwachsen, folgte seine „wilde Lebensphase“, wie er sie nennt. In dieser machte die Natur Konzertsälen und Kneipen Platz, wo er mit verschiedenen Punk-Rock-Bands wie Snicker Doodles und Sons of Explosivos, als humoristischer Liedermacher oder als Tänzer der Mundart-Trash-Kombo Geld et Nelt auftrat. Und das tut er noch immer.
Auf Vogelinsel und in Rheinauen unterwegs
Aber die Wanderurlaube mit seiner Lebensgefährtin weckten vor knapp zehn Jahren auch wieder sein Interesse für die Natur. Und er fand Freude daran, deren Vielfalt im Bild festzuhalten. „Wir suchen sogar unsere Urlaubsziele danach aus, wo es große Vogelbrutgebiete gibt“, erzählt die Landauer RHEINPFALZ-Reakteurin Judith Hörle schmunzelnd. Da würden dann die Reisen um Vogelinseln wie Skomer Island in Wales oder Runde in Norwegen drum herum zusammengestellt.
Meistens legt sich Thimo Höffner aber alleine auf die Lauer. Denn es ist, wie gesagt, Ausdauer und Ruhe vonnöten. Etwa drei- bis viermal pro Woche geht der 47-Jährige, der hauptberuflich als Informationstechniker in Landau arbeitet, auf Foto-Pirsch. Hier in der Region kann man ihm in den Rheinauen begegnen oder in Naturschutzgebieten wie der Gerolsheimer Grube, wo quirlig-bunte Bienenfresser beheimatet sind. Während er anfangs nur eine einfache Display-Kamera ohne Sucher hatte, verfügt er mittlerweile über ein beachtliches Arsenal von kostspieligen Objektiven und betreibt Fotografie und Grafik als Nebenerwerb.
Eisvogel dank Tarnnetz erwischt
Um mehr Schärfentiefe bei Makroaufnahmen zu erreichen, bediene er sich einer Kamera, die „Focus Stacking“ ermögliche, erklärt Höffner. Eine solche Technik erlaubt gestochen scharfe Wiedergabe in allen Bildebenen, indem sich das Objektiv während des Auslösens kontinuierlich nach vorne bewegt, während die Kamera unablässig Aufnahmen schießt und diese dann zu einem Bild übereinandergelegt werden. Zur Ausstattung gehört natürlich auch ein Tarnnetz. Dank jenem ist es Höffner vor Kurzem gelungen, die flinken Eisvögel bei Lingenfeld einzufangen. „Jetzt kann ich einen Eisvogel auch noch bei der Ausstellung zeigen“, freut er sich.
Ausstellung interaktiv
- Zu sehen ist die Ausstellung „Meister über die Schwerkraft – Eine beflügele Fotoreise“ vom 1. April bis 2. Mai im Museum unter Trifels. Dieses hat mittwochs bis samstags von 13 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Maximal 20 Personen dürfen sich gleichzeitig im Museum aufhalten, bitte Termin buchen unter Telefon 06346 9659760, eine spontane Terminvereinbarung vor Ort ist ebenso möglich, bitte an der Kasse anfragen.
- Da es wegen Corona keine Vernissage geben kann, hat der Offene Kanal Weinstraße kleine Erklärvideos mit Fotograf Thimo Höffner zu den Bildern aufgenommen, die beim Museumsbesuch via QR-Code auf dem Smartphone abgerufen werden können.