Kreis Südliche Weinstraße „Finde es nicht witzig“

Als Silvia Börner aus Minderslachen am Donnerstag in der RHEINPFALZ die Geschichte über einen reuigen Fahrraddieb in Rohrbach las, wusste sie sofort: Es geht um ihr Fahrrad. Jetzt gibt es wohl bald ein Wiedersehen. Doch der Reihe nach. Rosina Fritsch war kürzlich zufällig auf dem neuen Rohrbacher Dorfplatz unterwegs, als sie dort ein damenloses Damenrad fand. Am Lenker war ein Papierblatt mit Klebestreifen angebracht. Darauf stand: „Falls das jemand liest! Polizei rufen!! Habe das Fahrrad geklaut!!! Standort des Fahrrads ist in Minderslachen, Römerstraße, vorletztes Haus, rechts in einer Garage. Ich hoffe, es kommt zum Besitzer zurück. Es tut mir leid, dass ich es genommen habe, aber anders wäre ich gestorben. Anbei liegen fünf Euro. Möchte meine Identität aufgrund der Polizei nicht preisgeben. Liebe Grüße, Mr. Unknown.“ Und tatsächlich klebte ein Fünf-Euro-Schein am Lenker. Rosina Fritsch nahm das Rad mit zu sich nach Hause. Ein paar Tage später setzte sie sich ins Auto und fuhr nach Minderslachen, um die Besitzerin des Damenrads ausfindig zu machen. Sie klingelte sich an allen Häusern durch, doch die Suche blieb leider erfolglos. Schließlich meldete sie das gefundene Rad dem Fundbüro – und erzählte die Geschichte der RHEINPFALZ. Jetzt kommt Licht in die Sache: Grund für die erfolglose Suche von Rosina Fritsch war wohl die Ortsunkenntnis des Diebes. „Die Römerstraße macht eine Kurve, und wenn man da geradeaus fährt, kommt man in die Von-Leiningen-Straße. Und da wohne ich“, erzählt Silvia Börner. Sie vermutet, dass der Mann betrunken war und einfach keine Lust hatte, zu Fuß nach Hause zu gehen. Ihr Fahrrad vermisst sie seit 9. Juli. Sie kam in dieser Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 1 Uhr von einer Geburtstagsfeier nach Hause. Als sie ihr Auto in der Garage abstellte, war das Rad noch da – und das Tor unten. Als sie am nächsten Morgen an ihr Auto wollte, stand das unverschlossene Garagentor offen, und das Rad war weg. Umgehend informierte Silvia Börner die Polizei und erstattete Anzeige. Nun weiß sie, dass ihr Rad gefunden wurde. Problem: Sie hat bereits ein neues gekauft, sie braucht eines für den Weg zur Arbeit. „Wenn ich mein altes Rad wieder habe, werde ich es wohl verkaufen“, sagt sie. Silvia Börner kann sich vielleicht darauf einlassen, dass der Bittbrief des Diebes eine gewisse Kreativität hatte, „aber eigentlich finde ich es nicht witzig“. Immerhin: Ihr Rad ist nicht für immer verschwunden. Und der Ärger ist bestimmt bald vergessen.