Edenkoben Feuerwehr lässt Phosphorgranate nicht in Edenkoben sprengen
Dunkle Wolken gibt es letztlich nur am Himmel. Auch der erwartete Knall bleibt aus. Der Mitarbeiter der Recyclingfirma Baulog-HW, auf deren Gelände eine Phosphorgranate gefunden wurde, wartet in seinem rosa T-Shirt und Flip-Flops vergeblich auf eine Explosion. Ist der ganze Trubel umsonst gewesen?
Wer am Dienstagnachmittag ins Edenkobener Industriegebiet fahren will, dem leuchtet ein rotes „Gefahr“-Schild entgegen. Die Polizei hat den Zugang ab dem Kreisel bei Bella Vitalis gesperrt. Die beiden Polizisten wirken angespannt. Zu dem Zeitpunkt wissen sie noch nicht, dass die Phosphorgranate nicht so gefährlich ist, wie zunächst angenommen. Ein paar Meter weiter ist die Stimmung entspannter. Die Einsatzleiter von Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt und Kampfmittelräumdienst behalten bei ihren zahlreichen Lagebesprechungen immer die Ruhe. Die ursprüngliche Ansage lautet: Die 50 mal 20 Zentimeter große Granate muss vor Ort entschärft werden, ein Abtransport ist wegen des austretenden Phosphors zu gefährlich. Das ist auch Grund dafür, dass die Granate schnell nicht mehr zu sehen ist. „Der Kampfmittelräumdienst hat sie mit nassem Sand abgedeckt, damit sich das eventuell austretende Phosphor nicht an der Luft entzündet“, erklärt der Edenkobener Feuerwehr-Sprecher Ingo Satter.
Der erste Plan: Die Granate vor Ort abbrennen lassen
Der Plan der Einsatzkräfte ist, den Sprengkörper kontrolliert abbrennen zu lassen und dahinter eine Wasserwand zu bilden, die das Phosphor aufhalten soll. „Die Granate brennt eine halbe Stunde, dann gibt es einen Knall“, sagt Satter zu Beginn der Räumungsaktion. Der Wind weht günstig. Zumindest, wenn man dem Müllsack, der an einer Fahnenstange hängt, glauben mag. Straßen, die A 65 zwischen Edenkoben und Landau-Nord und die Bahnstrecke Landau - Neustadt sind gesperrt. Firmengebäude im Umkreis von 300 Metern sind evakuiert. In der Halle der Recyclingfirma basteln vier Einsatzkräfte ein viereckiges Gerüst aus Stahlträgern und einer Plane, die mit Seilen und Karabinerhaken befestigt wird. Das wird schon seinen Sinn haben.
15.48 Uhr. Lagebesprechung. Jeder kennt jetzt den Plan. Mittlerweile ist auch die Feuerwehr Maikammer da, die ein sich eventuell ausbreitendes Feuer aufhalten soll. Schläuche und Kran sind in Position. „Maikammer steht bereit“, heißt es aus einem Walkie-Talkie. Zwei Einsatzkräfte tragen gelbe Anzüge. Das erinnert ein wenig an die Fernsehserie „Breaking Bad“. Vier weitere haben große Gasflaschen auf dem Rücken. Unwahrscheinlich, dass sie diese zum Tauchen nutzen. Zudem haben die vier Atemschutzmasken auf. Sie sind wohl an der vordersten Front eingeplant.
Und dann die Ansage: alles abbauen
Alle sind bereit. Um 16.08 Uhr ist die nächste Besprechung. Ein Einsatzplan hängt an einem Feuerwehrwagen. Die einzelnen Parteien melden sich zu Wort. „Notarzt verständigen – ja oder nein?“, ist die Diskussion. Das Rote Kreuz ist vor Ort. Die Luftraumüberwachung konnte so kurzfristig nicht mehr informiert werden. Lediglich auf dem Ebenberg und in Lachen-Speyerdorf wissen die Flieger Bescheid.
Die Wolken am Himmel verdunkeln sich. Kommt jetzt noch Regen dazu? Würde der nicht sogar helfen? Um 16.37 Uhr wird der Wind etwas stärker. Ein paar Feuerwehrleute marschieren zur Granate. Es scheint loszugehen. Doch dann tut sich eine Weile lang nichts. Es folgt eine weitere Lagebesprechung. Und dann kommt die Ansage: alles abbauen. Die erwartete Detonation findet nicht statt. Der Kampfmittelräumdienst sichert die Granate in einer speziellen Metallbox. „Es ist wohl nichts mehr ausgetreten. Deshalb konnten sie die Granate sichern. Morgen wird sie an einem sichern Ort vernichtet“, sagt Satter.
So spart sich die Feuerwehr, die eingeplanten 4000 Liter Löschwasser in ein speziell für Starkregen angelegtes Kupferbecken ablassen zu müssen. Und die Edenkobener kommen mit einem Schrecken davon.