Südpfalz / Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fehlwürfe beim Biomüll: Das gehört nicht in die Tonne

Grünschnitt darf in die Biotonne, Plastik natürlich nicht.
Grünschnitt darf in die Biotonne, Plastik natürlich nicht.

Immer noch landet viel zu viel Müll in der Biotonne, der dort nicht hingehört. Das kostet die Kommunen viel Geld. Wie sie Müllsünden reduzieren möchten.

Wieder mal den Kopfsalat ganz hinten im Kühlschrank vergessen? Jetzt kann man das vergammelte Grünzeug nur noch in die Biotonne werfen. Doch viele scheinen nicht zu wissen, dass der welke Salatkopf zuvor noch aus seiner Plastikhülle gepult werden muss.

„In die Biomülltonne gehören nur Küchen- und Gartenabfälle“, sagt Elisabeth Hüther, die bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz in Pirmasens für die Abfallwirtschaft zuständig ist. Sie stellt fest, dass immer noch zu viel Plastik und andere Fremdstoffe in der Biotonne landen.

Biomülltüten sind ein Problem

Kopfzerbrechen bereiten ihr auch die vermeintlichen Biomülltüten aus Kunststoff und pflanzlichen Bestandteilen wie Mais, die im Handel als kompostierbar angepriesen werden. „Diese Tüten gehören nicht in die Biotonne, denn es dauert Monate, bis sie verrottet sind. Küchenabfälle sollte man in Papiertüten stecken oder lose in Zeitungspapier einwickeln.“

Hüther vermutet, dass viele Haushalte ihre Biotonnen aus Unkenntnis falsch befüllen. Deshalb startet der Kreis Südwestpfalz eine Infokampagne unter dem Motto „Kein Bock auf Plastik im Biomüll“. Hintergrund ist die seit dem Frühjahr geltende Bioabfallverordnung. In dieser ist festgelegt, dass Fremdstoffe im Biomüll einen Anteil von drei Prozent nicht überschreiten dürfen. Und an Kunststoffen darf allerhöchstens ein Prozent drin sein.

Weniger Fremdabfall im Landauer Biomüll

Immerhin hätten Stichproben im Landkreis Südwestpfalz ergeben, dass die Quoten nahezu erfüllt werden. Der Kunststoffanteil liege bei 1,06 Prozent im Biomüll, 3,76 Prozent seien „Gesamtfremdstoffe“. Darunter versteht man zum Beispiel behandeltes Holz, Windeln oder Staubsaugerbeutel. Ähnlich positiv ist das Ergebnis in der Stadt Landau. Die jüngste Analyse aus dem Jahr 2024 hat gezeigt, dass der Störstoffanteil auf 2,52 Gewichtsprozent reduziert werden konnte. „Damit erfüllen wir bereits die strengen Vorgaben der aktuellen Novelle der Bioabfallverordnung“, sagt Tomy Kiptschuk, beim Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb der Stadt Landau (EWL) Abteilungsleiter für Service und Abfallwirtschaft. „Dennoch befinden sich im Bioabfall aus unserer Sicht immer noch zu viele Störstoffe, insbesondere Kunststoff- und kompostierbare Beutel, die es zu reduzieren gilt.“

Mit der Aufklärungskampagne will Hüther der verbliebenen Unwissenheit in der Bevölkerung begegnen, damit die Standards beim Biomüll erreicht werden. Gelingt das nicht, könnte es teuer werden. „Auch mit 1,1 Prozent Kunststoff ist der Grenzwert von einem Prozent im Biomüll schon überschritten“, gibt die Amtsleiterin zu bedenken. „Und dann gilt schon der gesamte Inhalt der Tonne als verseucht. Die Firma, die wir mit der Entsorgung beauftragt haben, teilt uns mit, dass bei der Hälfte aller Biomüll-Chargen, die bei ihr ankommen, die zulässigen Werte überschritten sind.“

Mehrheit zahlt für Fehlverhalten weniger Bürger

Das Unternehmen dürfe dann die Annahme verweigern. „Oder sie muss jede einzelne Charge nachsortieren“, sagt Hüther. „Dafür stellt sie dem Landkreis für jede Tonne 30 Euro extra in Rechnung.“ Was bei der Hälfte der 10.000 Tonnen, die im Kreis Südwestpfalz im Umlauf sind, zu 145.000 Euro an Mehrkosten führe, die auf die Abfallgebühren aufgeschlagen werden müssten. „Außerdem müssen die aussortierten Stoffe gesondert entsorgt werden, was ebenfalls Geld kostet.“ Letztlich bezahle die Mehrheit für das Fehlverhalten weniger Bürger mit.

Im Landkreis Südliche Weinstraße sind in den vergangenen zehn Jahren keine Kosten für Nachsortierungen entstanden, wie Kreissprecherin Jennifer Back informiert. Der Verwerter des Bioabfalls habe in dieser Zeit keine Verunreinigungen beim Eigenbetrieb Wertstoffwirtschaft (EWW) angezeigt. Das heiße aber nicht, dass es keinerlei Fremdstoffe in den Biotonnen gab. Zumal die festgelegten Grenzwerte ab der nächsten Ausschreibung an Bedeutung gewinnen würden. „Es wird um die Frage gehen, bis zu welcher Größenordnung ein Fremdstoffanteil akzeptiert werden kann und welche Kosten gegebenenfalls bei dessen Überschreitung auf uns zukommen können.“

SÜW: Experten geben Tipps für Mülltrennung

Im Landkreis SÜW ist man aber in Sachen Aufklärung schon einen Schritt weiter. Dort beraten seit Anfang dieses Jahres neue Kräfte Haushalte gezielt zur richtigen Mülltrennung, auch eine Infobroschüre dazu wurde herausgegeben. Wobei darin auch die Restmülltonnen in den Blick genommen werden, in denen teils aus Unwissenheit Bioabfall landet. Dieser macht ein Drittel der Fehlwürfe an der schwarzen Tonne aus.

Der Kreis Südwestpfalz hat sich dem bundesweit tätigen Verein „Wir für Bio“ angeschlossen, der seinen Mitgliedern Broschüren- und Infomaterial in acht Sprachen zur Verfügung stellt. Motive aus diesem Fundus sollen sich bald als Aufkleber auf allen Biomülltonnen im Kreis wiederfinden, auf Müllautos, auf Plakaten an öffentlichen Plätzen und Bushaltestellen, als Aushang auf Grünschnittplätzen und nicht zuletzt im Internet auf der Seite von „Wir für Bio“. Bald wird der Landkreis eine Homepage für seine Abfallwirtschaft online stellen.

Mit solchen Anhängern, Aufklebern und Broschüren soll im Landkreis Südwestpfalz für den richtigen Umgang mit Biomüll geworben we
Mit solchen Anhängern, Aufklebern und Broschüren soll im Landkreis Südwestpfalz für den richtigen Umgang mit Biomüll geworben werden.
x