Offenbach Fast zehn Millionen Euro: Kosten für Festhalle steigen deutlich
Der Bau der neuen Festhalle mit dem integrierten Vereinszentrum wird teuer, das steht fest. 9,9 Millionen Euro lautet die aktuelle Kostenschätzung – fast das Doppelte einer anderen Zahl, die noch herumgeistert. 5,4 Millionen Euro lautete das Ergebnis einer ersten Machbarkeitsstudie. Allerdings handle es sich dabei nicht wirklich um eine Kostensteigerung, betont Ortsbürgermeister Axel Wassyl. Die Planung sah damals nur die Festhalle und kein Vereinszentrum vor, war also deutlich kleiner. Außerdem sei die Zahl bereits vier Jahre alt und die Baupreise hätten sich seither geändert.
Dass es dennoch eine Menge Geld ist, wissen auch die Mitglieder des Offenbacher Gemeinderates. Das wird bei der Sitzung klar. Zukunftsprojekte müssten dadurch geschoben oder im schlimmsten Fall sogar aufgegeben werden. Doch es biete sich keine gute Alternative und die Planungen liefen schon zu lang, um sie jetzt einfach aufzugeben. Es gebe momentan auch recht viele liquide Mittel. Die Neuverschuldung könne also im Zaum gehalten werden – zumal Offenbach eine Förderung des Landes erwartet. Bestenfalls könnte so die Hälfte der Kosten getragen werden.
Außerdem spreche auch einiges für den Bau. Derzeit seien die Vereinsräume über den Ort verteilt, sagt Wassyl. Viele davon seien sanierungsbedürftig oder es gebe keine dauerhafte Nutzungsperspektive. Durch den Neubau könne langfristig Geld eingespart werden. So fallen einerseits die anderen Räumlichkeiten weg, andererseits ergäben sich Synergieeffekte durch die gemeinsame Nutzung. Beispielsweise in Bezug auf Betriebs- oder Sanierungskosten, aber auch wegen bereits vorhandener Parkplätze. Auch eigene Duschen müssten nicht eingebaut werden, da die Sanitäranlagen des benachbarten Sportzentrums im Bedarfsfall mitgenutzt werden könnten.
Ein erstes Gespräch mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) sei bereits besser gelaufen als erwartet, sagt Wassyl. Die Behörde ist eine von mehreren, die die Angemessenheit und Wirtschaftlichkeit der Planungen überprüft – gerade in Bezug auf Größe und Ausstattung. Einige der Planungselemente müssten noch in ihrer Ausführung begründet werden, wie es beispielsweise beim Foyer geschieht. Es sei eigentlich zu groß und soll deshalb auch als Ausstellraum für die Kleiderkammer genutzt werden. Doch für solche Fragen ist noch Zeit. Bis zum 15. Oktober muss der Antrag auf Förderung gestellt werden, um noch für dieses Jahr berücksichtigt zu werden.
Die Planung sieht zwei relativ eigenständige Gebäudeteile vor, die durch ein einstöckiges Foyer miteinander verbunden werden. Auf der einen Seite soll die eigentliche Festhalle mit 348 Sitzen entstehen, auf der anderen sollen die Vereinsräume liegen. Errichtet werden soll das Gebäude am Konrad-Lerch Ring, in direkter Nachbarschaft zum Rathaus, der Feuerwehr und der Queichtalhalle. Momentan werde an einem Konzept gearbeitet, diese Gebäude zu einem gemeinsamen Notlagezentrum auszubauen. Durch die Verlegung eines Nahwärmenetzes, das ganz aus erneuerbaren Energieträgern gespeist wird, will man von fossilen Energieträgern unabhängig sein. So könnten Queichtal- und Festhalle bei einem Stromausfall zur Notunterkunft werden und dabei entweder als Kühl- oder Wärmeräume dienen.
Doch zuerst muss das Gebäude gebaut werden. Mit einer Bewilligung des Förderantrags rechnet die Verwaltung derzeit Mitte des nächsten Jahres. Dann folgt die europaweite Ausschreibung der Aufträge und Anfang 2025 könnte mit dem Bau begonnen werden. Wassyl selbst rechnet mit etwa zwei Jahren Bauzeit, sodass die neue Festhalle 2027 stehen könnte. Der Rat jedenfalls hat einstimmig grünes Licht gegeben, mit den Planungen fortzufahren. Vielleicht also haben die Offenbacher Vereine in vier Jahren eine neue gemeinsame Heimat.