Kreis Südliche Weinstraße Für des Führers Wahn den Pfälzerwald untergraben

Hitler ließ – angeblich als Verteidigungslinie – zwischen Mai 1938 und Juni 1940 von Kleve bis Basel entlang der deutsch-französischen Grenze eine rund 630 Kilometer lange Befestigungsanlage, später Westwall genannt, anlegen. Das hat auch auf der Gemarkung Vorderweidenthals Spuren hinterlassen.
In den Jahren 1939 bis 1940 entstand hier ein Sanitätslager zur Versorgung der Verwundeten bei Kampfhandlungen am Westwall an der Straße zum Lindelbrunn. Um sich vor Bombenangriffen in Sicherheit bringen zu können, wurde unterhalb des Rappenfelsens eine zirka 1000 Quadratmeter große Stollenanlage in den Berg getrieben, in der ein OP-Bereich, Sanitätsstationen und eine Zahnstation eingerichtet werden sollten. Vorderweidenthal lag in der „Roten Zone“. Diese Zone musste im Ernstfall sofort evakuiert werden. Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939, dem Tag des Beginns des Zweiten Weltkrieges, begann die Evakuierung des „Freimachungsgebiets“. Im Kreis Bergzabern waren 16 Gemeinden betroffen, eine davon war Vorderweidenthal. 20 Männer blieben im Dorf zurück. Sie sollten das im Dorf aufgestapelte Getreide dreschen. Ansonsten war das Betreten der „Roten Zone“ nur mit Sondererlaubnis möglich. Am 18. August 1940 durften die Bewohner Vorderweidenthals wieder in ihr Dorf zurückkehren. Karl Helfer schreibt am 13. Januar 1941: „Ich bin Rückgeführter. Während meiner Abwesenheit von Vorderweidenthal wurde mein Wohnhaus durch das Militär so beschädigt, dass es niedergerissen werden muss und neu aufgebaut werden soll.“ Im November/Dezember 1944 stießen die Amerikaner aus dem Elsass in die Südpfalz vor. Am 19. März bombardierten sie Erlenbach. Dabei fielen auch etliche Bomben auf Vorderweidenthal. Als der Krieg näher kam, weigerten sich die Bürger einer zweiten Evakuierung Folge zu leisten. Beherzte Männer öffneten den Sanitätsstollen und brachten die 500 Bewohner Vorderweidenthals darin unter. Rudi Schwarz berichtet: „Der Stollen war fünf Meter hoch und groß genug, um reinfahren zu können. Davor wurde Vieh geschlachtet. Das Fleisch hing an den Bäumen und wurde dann in zwei Wasserkesseln gekocht.“ Noch immer ist Schwarz erschüttert, wenn er zurückdenkt: „Wenn wir morgens ins Dorf rein gingen, lagen die toten Soldaten in einer Reihe. Die waren knochenhart gefroren, als sie vom Lkw abgeladen wurden. Die Toten kamen vor Niederschlettenbach, vom Nestelsberg.“ Im März 1945 zogen die Menschen erneut in den Stollen und erlebten Dramatisches: „Unbekannte haben zwei Schwerverwundete unterhalb des Stollens abgelegt. Ein Mädchen hat sie gefunden. Sie wurden gepflegt, sind aber später gestorben. Am 23. März 1945 zogen die Amerikaner in Vorderweidenthal ein. Damit war der Krieg für unser Dorf vorbei.“