Kreis Südliche Weinstraße Führers Pferde: Gnadenbrot auf Zeit

Judith Kuha von der Bundespolizei schließt die Tür auf. Es stinkt nach Autoabgasen. Massiv. Egal. Die Neugierde ist stärker: Wir sind in der Kfz-Halle der Bundespolizei in Bad Bergzabern. Da stehen sie hinten in der Ecke. Wow! Hitlers Pferde. Zwei wahre Prachttiere – makellos, von zeitloser Schönheit. Aber nicht so ganz. Die rund 3,5 Meter hohen Geschöpfe sind lädiert. Dafür spricht auch ihr Gang, so, als wollten sie davonlaufen. Pferde sind ja schließlich Fluchttiere. Doch die Wunden an den Flanken der beiden bronzenen Gesellen sind andere. Sie stammen aus dem Jahr 1945. Löcher, geschlagen von Gewehrfeuer, Maschinengewehrsalven und Granatsplittern. Die Tiere sind Zeugen des in Schutt und Asche untergegangenen Nazi-Regimes im letzten Kampf um das schon völlig zerbombte Berlin, mit dem in Europa der Zweite Weltkrieg 1945 zu Ende ging. Nein, die RHEINPFALZ-Redakteure dürfen nicht aufsteigen und symbolisch losreiten – vielleicht, weil es unberechenbare Hengste sind. Nein, Judith Kuha klärt auf über schnödes gesetzliches Regelwerk: Die beiden tonnenschwere Kunstwerke werden in der Südpfalz nur verwahrt. Das Aufsitzverbot hat versicherungstechnische Gründe. Das Landeskriminalamt in Berlin führt die Ermittlungen und hat das Sagen. Die Halle in Bad Bergzabern ist quasi nur der Stall. Das Berühren der Tiere wird geduldet, aber mehr ist nicht. Großartig interessiert scheinen die Bundespolizisten in der Kurstadt nicht an ihrem außergewöhnlichen Kunstschatz zu sein: „Das ist für uns Logistik. Wir haben hier halt einfach den Platz dafür“, sagt Kuha. „Wir beschlagnahmen regelmäßig Dinge. Für uns ist das Routine.“ Insbesondere bei ihren vielen Polizeieinsätzen bei Fußballbundesligaspielen. Kunstgegenstände wie die Pferde seien allerdings schon die Ausnahme, so Kuha. Kuha ist Polizeioberkommissarin, kommt aus Bremen und ist 31 Jahre alt. Sie ist gelernte Pferdewirtin. Trotzdem hat sie keine Beziehung zu dem Duo. Dann aber doch ein bisschen: Grundsätzlich lasse sich an den Statuen zwar keine Rasse ausmachen, aber: „Es handelt sich um Barock-Pferde.“ Das seien schwere, breit gebaute Tiere. Araber sehen anders aus. Ja, es habe Anfragen aus der Bevölkerung gegeben, die Tiere sehen zu dürfen. Doch das ist verboten. Pressesprecherin Kuha hat nach eigenen Angaben keine Ahnung, wie es weitergeht. Zuständig sei das Landeskriminalamt Berlin. Dort, wo die Tiere einst standen. Zuletzt wieder aufgetaucht sind sie vor einigen Wochen in einer Halle bei Bad Dürkheim, die auf einem Privatgrundstück steht. Dort wurden neben den Pferden auch weitere Kunstwerke aus der Nazi-Zeit gefunden. Allerdings wurden nur die Pferde mithilfe von Tiefladern des Technischen Hilfswerks in die Südpfalz gebracht. (rww)