Kreis Südliche Weinstraße „Es wird laut, manche heben ab“
«BILLIGHEIM-INGENHEIM.» Es wird immer mit dem ältesten Volksfest der Pfalz geworben. Das stimmt doch aber nicht. Der Dürkheimer Wurstmarkt ist doch älter … Das ist richtig. Und Bad Dürkheim wirbt mit dem Titel „Größtes Weinfest der Welt“, zu dem sich der Wurstmarkt inzwischen entwickelt hat. Im Gegensatz dazu ist der Purzelmarkt immer noch ein „Volksfest“ im ursprünglichen Sinne, das seinen volkstümlichen Festcharakter kaum verändert hat. Salomonisch würde ich sagen: der Wuma ist das „größte und älteste Weinfest der Pfalz“, der Puma das „älteste Volksfest der Pfalz“. Das Programm des Purzelmarkts ist ziemlich eingespielt, wenn nicht gar abgenudelt. Umzug, volkstümliche Wettbewerbe, Pferderennen, Verpflegungsstände. Könnte man sich nicht einmal etwas Neues einfallen lassen? Was Sie beschreiben, würde man in der Marketingsprache als den „Markenkern“ des Festes bezeichnen – das, was dieses Fest einzigartig und unverwechselbar macht. Ich sage, dieser traditionelle und historische Festablauf ist das kulturelle Erbe, das in dieser Form erhalten werden muss und das wir nicht dem Zeitgeist unterwerfen dürfen. Bei allem, was um diesen historischen Kern herum stattfindet, beim Dorffest und auf der Festmeile, gibt es ständig Neuerungen und Veränderungen. Im Übrigen, ich kenne kein anderes Festkonzept, das nach über 200 Jahren immer noch erfolgreich funktioniert. Wie oft haben Sie schon selbst beim Purzeln mitgemacht und gibt es davon Bilder? Es heißt ja „Purzeln der Buben“. Dem Bubenalter bin ich nun schon seit einiger Zeit entwachsen, aber im Kindes- und Jugendalter habe ich mit meinem gleichaltrigen Cousin über viele Jahre stets bei allen Wettbewerben mitgemacht: Purzeln, Dreibeinlaufen, Sackhüpfen, Wurstschnappen. Fotografisch ist das im Familienalbum leider nicht festgehalten. Apropos Umzug: Wie viele Anmeldungen gibt es in diesem Jahr und was ist Originelles dabei? Wir haben 40 Anmeldungen, und wir haben wieder einige Gruppen, die mit Originalität, Ideenreichtum und großem Aufwand den Purzelmarkt inszenieren und die Zuschauer überraschen werden. Es wird festlich, es wird laut und manche heben ab. Aber mehr verrate ich nicht. Mussten Sie für den Umzug schon mal Absagen erteilen? Wir haben noch nie abgesagt, etwa weil der Umzug zu lang geworden wäre, da sind wir flexibel. Einzig wenn Festwagen zu groß waren, um durchs Obere Tor zu kommen, mussten wir Gruppen absagen. Das kam schon des Öfteren vor. Was wäre, wenn Parteien mitmarschieren und Werbung für den Wahlkampf machen wollten? Dann würden wir ganz klar darauf hinwirken, dass dies nicht passiert. Die politischen Ehrengäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sind uns zwar herzlich willkommen, aber der Purzelmarktumzug an sich ist keine Plattform für Parteienwerbung mit Plakaten oder Slogans. Sie sind schon 16 Jahre Vorsitzender der Purzelmarktvereins und oft mittendrin gewesen. Was für einen Rat fürs Essen und Trinken geben Sie einem Neuling? Der Neuling wie der erfahrene Gast sollte beides in ausgewogenem Maße genießen, damit am Ende des Tages das Purzeln wirklich den kleinen Gästen vorbehalten bleibt. Aber die Erfahrung lehrt, dass dies nicht immer ganz einfach ist. Gab es schon einmal Probleme, eine Purzelmarktkönigin zu finden und wer sucht sie aus? Die Purzelmarktkönigin stammt immer aus den Reihen der Billigheimer Trachtengruppe und wird dort von einem Gremium ausgesucht. Vor einigen Jahren hatten wir die Amtszeit schon mal auf zwei Jahre ausgedehnt, wenn erkennbar war, dass im Folgejahr keine Bewerberin bereit stand. Hand aufs Herz, haben Sie schon einmal dort einen zu viel über den Durst getrunken, dass Sie den Heimweg nicht mehr gefunden haben? Daran habe ich keine Erinnerung. | interview: Michael Reuter