Vor der Wahl RHEINPFALZ Plus Artikel Ernste Satire – Angelina Schüller tritt für Die Partei an

Angelina Schüller will für Die Partei in den Landtag.
Angelina Schüller will für Die Partei in den Landtag.

Die Kandelerin Angelina Schüller tritt für die Satire-Partei Die Partei zur Landtagswahl an. Die junge Frau überrascht mit einem nicht sonderlich satirischen Ansatz.

Kontakte mit Mitgliedern der Satire-Partei Die Partei sind oft schwierig. Wofür stehen die Politiker? Meinen sie ernst, was sie sagen? Wo endet der Witz, wo zeigt sich die politische Einstellung? Die Kandlerin Angelina Schüller macht es einem Journalisten ziemlich einfach. Sie ist an politischer Arbeit und Inhalten interessiert.

Ihre beiden Steckenpferde sind die Bildungs- und die Umweltpolitik. Ersteres ist logisch, denn Schüller will Lehrerin am Gymnasium werden und studiert deshalb gerade an der Landauer Uni. Zweiteres eigentlich auch – bei den jungen Menschen ist die von den früheren Generationen angezettelte Klimakatastrophe ein Thema, das sie ihr Leben lang begleiten wird.

„Wütend und fassungslos“

Die Mängel in der Bildungspolitik bezeichnet Schüller als ein „Unding“. Sie legt los: Die digitalen Systeme seien oft überlastet, es gebe keine feste digitale Lehrstruktur – all das mache die 25-Jährige „wütend und fassungslos“. Zudem klaffe durch die derzeitige Situation die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf – eine Schere, die das Bildungssystem eigentlich schließen helfen sollte.

An Bildung mangelt es Schüller jedenfalls nicht. Sie lese Sartre, de Beauvoir, Victor Hugo und weitere gute Romane auf Deutsch, Englisch oder Französisch, dazu kommen Sachbücher. In der Romansparte achte sie auch darauf, dass es „gute Bücher mit Sinn dahinter“ sind – als Beispiel nennt sie die Game-of-Thrones-Bücher. „Hoffentlich gibt es kein dahingeklatschtes Ende wie bei der TV-Serie.“ Sie zocke aber auch sehr gerne, fügt sie an.

Landau als Vorbild für Kandel

In einigen Momenten bricht der satirische Ansatz aber deutlich durch. „Wir wollen Kandel weiter verschulden“, sagt Schüller. Nicht ohne ernsten Hintergrund: Die Gewerbesteuer sei unglaublich hoch, „viele Geschäfte machen zu und es kommt nichts nach.“ Also müsse die Gewerbesteuer eben runter. Sie sitzt im Bauausschuss der Bienwaldstadt. Dortigen Politikern wirft sie vor, neue Bauvorhaben nicht nachhaltig zu planen, sondern rein des Machen willens umsetzen zu wollen. „Die Stadt Landau macht unglaublich viel für den Umweltschutz“ – daran müsse man sich orientieren.

Unterrichten wird die Landtagskandidatin Französisch und Geographie. Zu Frankreich hat sie eine Verbindung, die für eine Vertreterin einer Satire-Partei überrascht: Sie ist auf dem Jakobsweg gepilgert. In Frankreich ist Schüller gestartet, in Pamplona hat sie ihre Reise beendet. Ganz durchgezogen hat sie nicht, aber es ist dennoch eine Leistung. „Das waren gut 700 Kilometer.“

Schüller vertritt den Realo-Flügel der Partei: Inhalt statt flache Scherze. Der Partei ist beigetreten, weil sie die anderen Parteien nicht für wählbar halte. Die Satiriker seien wie Till Eulenspiegel, sagt die belesene junge Frau. Es sei wichtig, der Politik den Spiegel vorzuhalten. „Wir üben eine wichtige Funktion in der Gesellschaft aus.“ Aber: Die Partei habe nun eine gewisse Größe erreicht. „Es fängt an, ernst zu werden.“ Also müsse man nun auch ernsthaft versuchen, Politik zu machen. Daran will sich Schüller messen lassen.

x