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Erdbeerernte in der Südpfalz: Was Hobbygärtner beachten müssen und was die rote Frucht kann
Erinnerungen sind dann doch nicht nur Bilder im Kopf, manches merkt sich auch der Gaumen. Und wer jetzt an die eigene Kindheit zurückdenkt, der hat vielleicht den Geschmack von Omas Erdbeerkuchen auf der Zunge, den es immer zu Ostersonntag gab. Nun ist das bei diesem Osterfest ein bisschen schwierig mit dem Erdbeerkuchen, wobei das Problem ja nicht der Erdbeerkuchen an sich ist, sondern die Kombination von Oma und Erdbeerkuchen. Dieses Virus pfeift leider auf Familienbande. Und dennoch hat diese kleine Frucht einiges zu bieten, gerade jetzt.
Christof Steegmüller, von Beruf Diplom-Agraringenieur, von Passion Erdbeerliebhaber, betreibt einen Bauernhof in Offenbach. Sein Betrieb ist auf Erdbeeren spezialisiert, dazu gehören rund 15 Hektar Ackerfläche. Und wer sich etwas mit der Pflanzenwelt auskennt, der weiß: Die Erdbeerernte steht vor der Tür. „Wir sind in diesem Jahr so früh dran wie noch nie“, sagt Steegmüller mit leicht gedämpfter Stimme. Und das hat damit zu tun, dass alles in diesem Jahr anders ist als bisher gekannt. Auch der Offenbacher hatte wie viele seiner Kollegen unruhige Nächte, weil das Virus für geschlossene Grenzen gesorgt hat – und damit die Einreise von Erntehelfern unmöglich gemacht hatte.
Welche Rolle Erdbeeren fürs Immunsystem spielen
„Deshalb haben wir nach Ersatz gesucht. Und viele Helfer haben sich gemeldet. Studenten, Köche, Servicekräfte, viele, die wegen der Krise gerade keine Arbeit haben“, sagt Steegmüller. Zwar hat der Bund vergangene Woche dann doch entschieden, 80.000 Helfer ins Land zu lassen. „Wir sind auch sehr froh über diese Entscheidung. Sie hilft uns aber nur bedingt“, sagt Steegmüller. Viele seiner langjährigen Mitarbeiter kämen aus Rumänien. Einige davon lebten in einer Quarantäne-Region, andere hätten Angst, nach Deutschland zu kommen, und dann auch noch mit dem Flugzeug. „Wir werden das auch so schaffen. Aber es ist eine große organisatorische Herausforderung.“
Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen – und ohne Erdbeeren. „Ich esse während der Saison oft ein Kilo am Tag“, sagt Steegmüller. Und wenn man sich diesen Satz noch mal vorsagt, dann schwingt so viel Sonnigkeit mit, dass dieser Corona-Geist kurz verpufft. Jedenfalls ist der Südpfälzer nicht nur ein Fan dieser roten Frucht, weil sie so wunderbar schmeckt. Nein, er findet sie auch so großartig, weil Erdbeeren sogar mehr Vitamin C in sich tragen als Orangen oder Zitronen, wer hätte das gedacht. Und gerade Vitamin C ist sehr, sehr wichtig für das Immunsystem. 200 Gramm Erdbeeren pro Tag reichen, um den Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen zu decken.
Warum sind die Früchte gut für Schwangere?
Die Wissenschaft hält die Frucht aber nicht nur für gesund, sondern attestiert ihr auch, vergleichsweise gut für die Linie zu sein. Die Erdbeere hat 32 Kilokalorien pro 100 Gramm – ein süßer Schlankmacher. Die Frucht enthält aber beispielsweise auch viel Folsäure, die für Schwangere wichtig ist. Übrigens: Botanisch gesehen sind Erdbeeren gar keine Beeren, sondern Scheinfrüchte oder Sammelnussfrüchte mehrjährig blühender Stauden. So viel Besserwisserei muss sein.
Hobbygärtnern, die im heimischen Beet die roten Früchte ziehen wollen, rät Steegmüller, die Stecklinge jetzt zu pflanzen. Beim Gießen bittet er um Vorsicht, das Wasser sollte nicht auf die Blätter, sondern darunter verteilt werden. „Das ist gegen Fäulnis.“ Erdbeeren hassen Frost, deshalb empfiehlt der Experte, noch etwas Stroh oder Rindenmulch auf dem Boden rund um die Pflanzen zu verteilen, sobald sich deren Blüten gebildet haben.
Kunden können nach Ostern selber pflücken
Dass viele heiß sind auf Erdbeeren, das bekommt Steegmüller jedes Jahr zu spüren. „Viele Kunden rufen schon Wochen vorher an und fragen, wann es so weit ist.“ Normalerweise läuft die Erdbeerernte von Ende April bis Mitte Juli. Steegmüller hat dann auch immer zwei Felder, auf denen sich Kunden ihre Beeren selbst pflücken können. Weil die Erdbeeren in seinen Folientunneln aber dieses Jahr schon ganz früh reif werden, wohl schon in der Woche nach Ostern, möchte er einen der Tunnel für Selbstpflücker öffnen – auch mangels Erntehelfern.
Aber es gelten strenge Regeln. Wegen des Virus dürfen immer nur maximal fünf Gruppen à zwei Personen gleichzeitig in den Tunnel, immer nur für 30 Minuten. Kunden sollen sich Handschuhe, Mundschutz und ein Gefäß für die Erdbeeren mitbringen. Am Ende wird gewogen – und bezahlt. Notfalls hat Steegmüller aber auch Handschuhe da, und auch Atemmasken – gegen eine Leihgebühr. Wer Erdbeeren selber pflücken mag, muss sich anmelden, telefonisch unter 0152 36240670 oder per Mail an selbstpfluecken@steegmueller.de. Dann steht zumindest einem Erdbeerkuchen unmittelbar nach Ostern nichts mehr im Weg – auch wenn Oma vielleicht nicht dabei sein kann.