Bad Bergzabern
Entscheidung für Träger der neuen Kita fällt im März
Schon lange verfolgten nicht mehr so viele Zuhörer eine Stadtratssitzung wie am vergangenen Donnerstag. Das Interesse an den potenziellen Trägern der neue Kindertagesstätte in Bad Bergzabern ist groß. Mit der Lebenshilfe Südliche Weinstraße, der Arbeiterwohlfahrt Pfalz (Awo), dem Advent-Wohlfahrtswerk und „Impuls Soziales Management“ bewerben sich vier Institutionen um die Trägerschaft. Jeder hatte zehn Minuten Zeit, sich der Stadtspitze und dem Rat zu präsentieren.
83 Kita-Plätze fehlen aktuell in der Kurstadt, obwohl die Kita „Arche Noah“ erst vor zwei Jahren ausgebaut wurde. Tendenz steigend. Im Juni vergangenen Jahres hatte der Stadtrat deshalb den Bau einer neuen Betreuungseinrichtung beschlossen. Aktuell gibt es in Bad Bergzabern vier Kitas. Die protestantische Kirche hat die Trägerschaft für „Arche Noah“ und „Regenbogen“, die katholische Kirche ist für die Kita „St. Martin“ verantwortlich und die Lebenshilfe für die integrative Kindertagesstätte „Pusteblume“. Stadtbürgermeister Hermann Augspurger (FWG) stellte von Anfang an klar, dass er auch bei der neuen Einrichtung auf gar keinen Fall eine kommunale Trägerschaft wolle.
Adventisten und ein „Familienunternehmen“
Als erstes präsentierte sich der Verein Advent-Wohlfahrtswerk – allerdings online. Aus Hannover war Jürgen Hildebrandt, Fachbereichsleiter für Kindergärten, zugeschaltet. Fünf Kindertagesstätten betreiben die Adventisten in Deutschland, hauptsächlich in Bayern. In Bad Bergzabern gibt es seit 1993 die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit eigener Kirche und 120 Mitgliedern. „Wenn wir bauen, dann bauen wir mit dem Süddeutschen Bauverein zusammen“, kündigte Hildebrand an. Der Verein gehört zu 100 Prozent den Adventisten und verwaltet neben mehr als 150 Kirchengebäude, darunter Kindergärten und Schulen, auch über 40 Wohnungen sowie ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen und ein Freizeit- und Erholungsheim. Bei einem Neubau stehe die Nachhaltigkeit im Vordergrund, man werde naturnah bauen, so Hildebrand. Bei der pädagogischen Ausrichtung orientiere man sich am Bildungsplan der Länder. Die Religion spiele bei der Aufnahme der Kinder keine Rolle. „Wir schätzen die Grundrechte jedes Menschen, weil wir ihn als Schöpfung Gottes sehen. Gottes Liebe zu m Menschen und die sich daraus ergebenen christlichen Werte sind Grundlage unserer Arbeit“, betonte Hildebrand.
Als zweiter Bewerber präsentierte sich „Impuls Soziales Management“, ein vor 25 Jahren „gegründetes Familienunternehmen“, wie es dessen Vertreter Jessica Kellner und Janosch Pommerenke bezeichneten. „Wir gehen aus einer Elterninitiative hervor. Unsere Gründer hatten damals Probleme damit, einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu finden“, sagte Kellner. Impuls mit Sitz in Kassel hat heute 850 Mitarbeiter und betreibt bundesweit 40 Kitas, darunter im Auftrag der Daimler AG Einrichtungen in Wörth und Germersheim. Aufgrund der Erfahrungen der Gründer wirbt Impuls mit Öffnungszeiten von 5.30 bis 20 Uhr. „Wir sind nicht konfessionell. Unser Ziel ist es, Kommunen und Unternehmen bei der Verwirklichung ihres individuellen Kinderbetreuungskonzeptes zu unterstützen“, erklärte Pommerenke.
Lebenshilfe will zweite Kita nach „Pusteblume“
Deutlich bekannter als die ersten beiden Interessenten sind in der Kurstadt die Awo und die Lebenshilfe. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt bundesweit rund 1500 Kitas. „Das ist in der Pfalz nicht so bekannt, weil wir hier noch nicht so viele Kitas betreiben“, sagte Markus Brockmann, der zusammen mit Susanne Becker die Awo Pfalz vorstellte. „Wir habe einen großen Background bei der Gastronomie, wir kochen jeden Tag 1200 Essen frisch“, erzählte Becker. Das wolle man auch in der Kita machen. Man verfolge ein teiloffenes Konzept mit hohem Nachhaltigkeitsstandard. Brockmann warb mit der Flexibilität der Awo: „Wir können Träger sein, wir können aber auch Bauherr sein.“
Vor zehn Jahren hat die Lebenshilfe in der Danziger Straße die integrative Kita „Pusteblume“ eröffnet, die aktuell von 95 Kindern besucht wird. Mit einem ähnlichen Konzept wolle man auch die neue Kita betreiben, kündigte Marina Hoffmann an, die zusammen mit Tanja Hammer für die Lebenshilfe warb. Zwei besondere Angebote konnte Hoffmann machen. „Wir können Therapieangebote in allen Bereichen vorhalten. Die Kinder müssen deshalb nicht woanders hin“, sagte sie. Außerdem wolle man sich an den Baukosten beteiligen. „Wie bei der Pusteblume wären wir mit 250.000 Euro beim Neubau dabei“, versprach Hoffmann. Was die Kita kosten wird, steht noch nicht fest. Im Juni vergangenen Jahres war Augspurger von mindestens drei Millionen Euro ausgegangen.
Entscheidung vertagt
Im nicht öffentlichen Teil der Sitzung sollte die Entscheidung über den künftigen Träger fallen. Nach einer gut 45-minütigen Diskussion wurde die Entscheidung jedoch vertagt. „Ich hätte abstimmen lassen können. Aber alle Fraktionen hatten noch Beratungsbedarf, deshalb die Vertagung“, sagt Augspurger. Zwei Favoriten hätten sich herauskristallisiert. In einer der nächsten beiden Stadtratssitzungen – 3. oder 31. März – soll nun entschieden werden.
Möglichst bald sollen auch die anderen noch offenen Fragen beantwortet werden. „Wir haben das Angebot eines Investors, der uns den Kindergarten bauen will“, sagt Augspurger. Die Stadt wäre dann Mieter des Gebäudes. Derzeit wird in der Verwaltung gerechnet, ob das günstiger ist, als wenn die Stadt als Bauherr auftritt. Von dieser Entscheidung hängt auch der Standort der neuen Kita ab. Der Investor hat ein Grundstück in der Kurfürstenstraße. Baut die Stadt selbst, „dann haben wir nur das Grundstück an der Ecke Karl-Popp-Straße/Wallonenstraße“, so Augspurger.