Kreis Südliche Weinstraße „Endlich, mein Bruder ist da“
Bad Bergzabern: Vier Jahre warten, hoffen und bangen haben ein glückliches Ende gefunden. Denn seit dem 27. Februar ist der kleine Mahad aus Somalia mit seiner Mutter Ifrah und seinen beiden Brüdern in Bad Bergzabern wieder glücklich vereint.
Der 27. Februar ist ein Tag, der zwei Leben veränderte. Denn die vier Jahre der Trennung waren da endlich vorbei. Sie waren für die 30-jährige Ifrah aus Somalia, die an diesem Tag Geburtstag feierte, nur schwer zu ertragen. Einen langen Leidensweg hat die junge Mutter hinter sich. Dann schlitterte sie unbewusst in ein Leben, das sie sich so zuvor nie erträumt hatte. Ifras Mutter besaß ein kleines Café in einer Stadt in Somalia. Dort half sie selbst aus. Zwar herrschte in dem Land am Horn von Afrika Krieg, doch die Familie lebte in Frieden. „Doch eines Tages überfielen Söldner das Café, kidnappten mich und verschleppten mich in ein Militärlager“, erzählt Ifrah. Dort bekam sie die Order: Entweder du wirst Soldatin oder mit einem Soldaten zwangsverheiratet. Im Lager bekam sie ihr erstes Kind, ihren Sohn Mahad, der 2011 geboren wurde. Als der Vater des Jungen bei Kämpfen getötet wurde, sah die junge Mutter nur noch die Möglichkeit der Flucht. Allerdings war die Entscheidung mit großen Gewissenbissen verbunden. Sie musste ihren eineinhalbjährigen Sohn bei der Großmutter zurücklassen. Sie fürchtete um sein Leben und wollte ihm die Strapazen nicht zumuten. „Er hätte dies nicht überlebt“, ist sie sich sicher. So machte sie sich auf den Weg, floh durch die Sahara nach Libyen. Von dort ging es mit einem Flüchtlingsboot übers Mittelmeer. Eine sehr schlimme Zeit für Ifrah, denn ihr zweiter Mann verließ sie wegen einer anderen Frau. Erst zehn Tage zuvor hatte sie einen kleinen Jungen geboren. Den wollte sie nicht im Stich lassen. „Sechs Tage lang waren wir in diesem Boot gefangen, ohne uns rühren zu können. Es gab nichts zu essen oder zu trinken. Vor allem hatte ich große Angst, dass der Kleine wegen Platzmangels über Bord geworfen werden könnte“, erzählt Ifrah auf Englisch. Sie kämpfte, ließ niemanden nahe an ihr Kind. In Italien angekommen, waren Mutter und Baby erschöpft und mussten sich erholen. Danach kam die Frage auf: wohin in Europa? „Eigentlich haben es die Leute vor Ort bestimmt, dass ich nach Deutschland weiterreisen darf. Und ich war sehr froh darüber, obwohl ich das Land überhaupt nicht kannte.“ München war ihre erste Anlaufstation, später Trier und von dort aus nach Bad Bergzabern, wo sie endlich ein Heim fand. Und Menschen, die es wirklich gut mit ihr meinten. So wie Sarah Bodenseh aus Schweigen-Rechtenbach oder Ulrike Brunck, die für die Sozial- und Lebensberatung sowie den Migrationsfachdienst im Diakonischen Werk Bad Bergzabern zuständig ist. Beide Frauen kümmerten sich um die Familienzusammenführung, die sich mehr als schwierig gestaltete. Mittlerweile war der kleine Mahad nach Umwegen durch halb Afrika in einem SOS-Kinderdorf in Uganda gut aufgenommen worden. Doch ein langer Atem war vonnöten, um ihn zu mit seiner Mutter zu vereinen. Es bedurfte einiger DNA-Tests, viel Geduld, endloser Gespräche, den Einsatz von Rechtsanwälten, humanitären Diensten und vieler wohlwollender Menschen sowie unzähliger E-Mails, um endlich den heiß ersehnten Erfolg zu bringen. Und natürlich wurde viel Geld gebraucht, um Mahad nach Deutschland zu bringen. Es gab viele kleine und großen Spenden, unter anderem die des gemeinnützigen Vereins „Die Gemeinschaft“ aus Klingenmünster. An die 6000 Euro wurde da gesammelt. Mit bibberndem Herzen fuhr Mutter Ifrah am 27. Februar in Begleitung an den Frankfurter Flughafen, um endlich ihren kleinen Jungen, der mittlerweile sechs Jahre alt ist, in die Arme schließen zu können. „Mein Herz machte so große Freudensprünge, dass ich fast ohnmächtig wurde. Ich hätte ihn unter Tausenden wiedererkannt. Mein Junge. Das Wichtigste war, ihn in meine Arme schließen zu können. Und das Schönste war, als mein zweiter Sohn Guled ihn sah und ausrief: Endlich, mein Bruder ist da“, erzählt Ifrah. Voller Optimismus schaut nun die Familie, zu der mittlerweile auch der einjährige Sohn Ilyaa und Ifrahs Lebensgefährte gehören, in eine gesicherte und friedvolle Zukunft in Bad Bergzabern.