Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Eltern und Schulkinder an der Grenze: Lernpaten als Ausweg

Lernpatin Katharina Bück mit ihrem Schüler Mohammad Habash an der Thomas-Nast-Grundschule in Landau.
Lernpatin Katharina Bück mit ihrem Schüler Mohammad Habash an der Thomas-Nast-Grundschule in Landau.

Wechselunterricht, Schulschließungen, Digitalunterricht: Die Corona-Krise ist für viele Eltern und ihre schulpflichtigen Kinder eine enorme Belastung. Lernpaten sollen helfen, dass schwächere Schüler nicht auf der Strecke blieben. Der Bedarf steigt.

„Ich bin keine Lehrerin. Ich kann meinem Kind nicht genug helfen bei seinen Lernschwierigkeiten“, sagt Sabrina Ankner, die in einem Landauer Seniorenheim als Altenpflegerin arbeitet. Eigentlich sind ihre Kinder bis 16 Uhr in Schule und Kindergarten, doch wegen der Pandemie holt sie die Kinder bereits um 12 Uhr direkt nach der Arbeit ab, kocht das Essen, macht den Haushalt, vermittelt Unterrichtsstoff und hilft bei den Hausaufgaben.

„Es gibt nur Streit bei den Schularbeiten. Mein Kind fängt an zu heulen, ich fange an zu heulen. Es ist furchtbar gerade, die Situation belastet und bedrückt mich.“ Von einer Person aus einem anderen Umfeld würde ihr Kind den Lernstoff sicher besser annehmen, sagt Ankner. „Ich suche jemanden, der ruhiger ist als ich und der mein Kind zusätzlich unterstützen kann.“

Pädagogische Helfer arbeiten ehrenamtlich

Eine Unterstützung für Ankner wäre ein Lernpate. Der Einsatz dieser pädagogischen Helfer wird an einigen Grundschulen angeboten, doch aufgrund der aktuellen Situation ist das oft nur eingeschränkt möglich. Seit etwa zwei Jahren sind an der Thomas-Nast-Grundschule in Landau Lernpaten im Einsatz. Das Projekt läuft auch während der Pandemie. „Unsere Schule hat sich gerade wieder entschieden, eine Vereinbarung mit dem neuen Träger des Projektes, dem Kinderschutzbund, einzugehen“, sagt Rektorin Pascale Schneider.

Hierbei betreut jeder Lernpate einmal wöchentlich ein Kind nachmittags vor Ort in der Schule. Lehrkraft und Lernpate stünden dabei engmaschig im Austausch, um jedes Kind gezielt zu fördern, sagt Schneider. Momentan würden etwa fünf Kinder von Lernpaten betreut, „es laufen aber noch einige Anmeldungen. Der Bedarf ist steigend.“ Für die Schule entstehen durch das Projekt keine zusätzlichen Kosten, da die Lernpaten ehrenamtlich eingesetzt werden.

Psychologin: Kinder brauchen Unterstützung

Auch an der Grundschule in Rohrbach laufe das Projekt, sagt Schulleiterin Silke Schönenberger. „Dabei geht es nicht um Nachhilfe oder Nachmittagsbetreuung, sondern um Hilfe zur Persönlichkeitsentwicklung und Stärkung einer positiven Einstellung zu Schule und Lernen.“ Schwerpunktmäßig findet die Förderung vormittags statt, meist außerhalb der Klasse. Alle Lernpaten durchlaufen die Schulung über das Lernpatenprojekt des Kinderschutzbundes.

Für viele Kinder sei es schwer, ihre Fähigkeiten voll zu entfalten, weil ihnen die notwendige Unterstützung fehlt, sagt die Psychologin Vanessa Lang vom Kinderschutzbund Landau-SÜW. Seit Jahresbeginn betreut die Institution ehrenamtliche Lernpaten, vor allem an Grundschulen. „Durch persönliche Zuwendung und spielerisch gestaltete Nachhilfe entwickeln die Patenkinder mehr Spaß und Motivation am Lernen und gewinnen wieder mehr Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten“, sagt Lang. Der Aufbau einer guten Beziehung zum Patenkind stehe dabei im Vordergrund. „Eine Patenschaft sollte für mindestens ein Schuljahr bestehen.“

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