Edenkoben
Eltern fordern sichereren Schulweg für Grundschüler
Das Gesicht von Josha Eisel ist kaum zu sehen. Die Mütze hat er weit runtergezogen, der Schal geht hoch bis zum Mund. Der Siebenjährige trägt zudem eine dicke Jacke, die ihn schön warm hält. Der Edenkobener muss aber an diesem herbstlich kalten Morgen nicht so lange draußen sein. Von seinem Zuhause bis zur Grundschule am Stadtrand sind es fußläufig zehn Minuten. Doch gerade in der dunklen Jahreszeit lauern einige Gefahren auf dem Weg.
Joshas Schulweg verläuft ausnahmsweise etwas anders als sonst. Gewöhnlich wird er nicht von seinem Vater Joseph begleitet. Schon gar nicht von Lokalpolitikern und Pressevertretern, die alle hinter ihm laufen. Doch damit sie nachvollziehen können, wie abenteuerlich der Schulweg für Kinder sein kann, machen sie sich selbst einen Bild davon. Auf Initiative des Schulelternbeirates, in dem Joshas Papa Mitglied ist.
Zick-Zack-Lauf um die Mülltonnen
Sternenweg lautet die Aktion der Elternvertreter. Der Name daher, weil sechs ausgewählte Routen von dem jeweiligen Startpunkt aus sternenförmig zum Ziel führen. Es sind Strecken, die hauptsächlich als Schulweg genutzt werden. Es sei denn, die Kinder schwingen sich aufs Rad oder nehmen den Bus, wenn sie von benachbarten Dörfern kommen. Andere werden gefahren, Stichwort Elterntaxis.
Gleich zu Beginn von Joshas Schulweg die ersten Hindernisse auf dem rund 700 Meter langen Abschnitt: In der Klosterstraße stehen Mülltonnen auf dem Gehweg. Und die sind so schmal, dass Fußgänger beim Passieren der Behälter auf die Straße ausweichen. Es herrscht Berufsverkehr, es sind viele Autofahrer unterwegs. Der Siebenjährige ist noch so klein, dass er über die schwarzen Blöcke nicht hinweg schauen kann. Er sieht entgegenkommende Fahrzeuge erst, wenn er den Kopf rausstreckt, um den passenden Augenblick abzuwarten.
Schulweg, aber kein Winterdienst?
An der Kreuzung Kloster-, Luitpold- und Weinstraße ist ein weiterer Knackpunkt, den es auch an anderen Stellen gibt. Dort ermöglicht zwar eine Ampel das sichere Überqueren der Straße. Doch die Grünphase für Fußgänger ist so kurz, dass Josha sich beeilen muss, um noch bei Grün auf die andere Seite zu kommen. Es warten Autofahrer, die ebenfalls Grün haben und in die Weinstraße abbiegen möchten.
Wenig später führt links der Nepomukweg an der katholischen Kita vorbei in Richtung der Grundschule. Nach Angaben von Joseph Eisel gilt dieser zwar als Schulweg. Allerdings warnen Schilder, dass das Betreten des Abschnitts auf eigene Gefahr sei, es gebe nämlich keinen Winterdienst.
Diskussionsrunde mit Lösungsvorschlägen
Der restliche Abschnitt, fern von den wichtigen Verkehrsachsen der Stadt, stellt für Josha keine Herausforderung dar. An der Grundschule angekommen, muss er sich aber sputen, um rechtzeitig ins Klassenzimmer zu kommen. Somit kann er dem Reporter nicht berichten, wie er selbst den Schulweg empfindet. Das übernehmen die Elternvertreter bei der anschließenden Diskussionsrunde, in der alle Routen und die Gefahren zusammengefasst werden. So wird bemängelt, dass an manchen Stellen eine Ampel oder ein Fußgängerüberweg zum Überqueren der Straße fehle, etwa an der Ecke Nonnenstraße/Weinstraße. Die Kreuzung St.-Martiner-Straße/Weinstraße sei unübersichtlich, weil Autofahrer der dortigen Ampel erst spät Beachtung schenkten – je nachdem, aus welcher Richtung sie kommen. Auf dem als Holzhackschnitzel bezeichneten Weg zwischen In den Forstwiesen und der Grundschule würden Sträucher in die Wege herausragen. Und an vielen Stellen mangele es an ausreichender Beleuchtung, um dunkle Ecken zu vermeiden.
„Für das Thema sensibilisieren“
SEB-Vorsitzende Cordula Decker sagt im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Wir vom Schulelternbeirat wollen mit der Aktion für dieses Thema sensibilisieren und schauen, was sich kurzfristig verbessern lässt.“ Zwar sei in der Vergangenheit noch kein schlimmer Unfall passiert. Es müsse gehandelt werden, damit das auch so bleibt. Ideen bringen die Eltern mit. So regen sie Sammelstellen für Mülltonnen an, damit an Leerungstagen die Gehwege frei bleiben. Es wird zudem eine längere Grünphase für Fußgänger bei den Ampeln gewünscht, damit dort brenzlige Situationen vermieden werden.
Dadurch, dass neben den vier Bürgermeisterkandidaten der VG auch die Beigeordneten des Stadt- und des VG-Rates da sind, können „Schwachstellen“ und Lösungen aus politischer Sicht besprochen werden. Änderungen könnten aber nicht immer so schnell umgesetzt werden. Bei Ampelschaltungen bedarf es der Zustimmung des Landesbetriebs Mobilität. Ebenso bei gesonderten Markierungen auf Fahrbahnen. An manchen Stellen fehlten Gehwege, weil dort die Flächen zu angrenzenden Privatgrundstücken gehörten. Und auf offiziell als Schulweg ausgewiesenen Abschnitten, etwa im Nepomukweg, gebe es morgens einen Winterdienst. Das Schild „Betreten auf eigene Gefahr“ habe andere rechtliche Hintergründe.
Dadurch, dass neben den vier Bürgermeisterkandidaten der VG auch die Beigeordneten des Stadt- und des VG-Rates da sind, können „Schwachstellen“ und Lösungen aus politischer Sicht besprochen werden. Änderungen könnten aber nicht immer so schnell umgesetzt werden. Bei Ampelschaltungen bedarf es der Zustimmung des Landesbetriebs Mobilität. An manchen Stellen fehlten Gehwege, weil dort die Flächen zu angrenzenden Privatgrundstücken gehörten. Und auf Schulwegen, etwa im Nepomukweg, gebe es morgens doch einen Winterdienst. Das Schild „Betreten auf eigene Gefahr“ habe nur andere rechtliche Hintergründe.
Auch Fahrradwege unter der Lupe
Die VG möchte den Schulwegeplan aktualisieren. Abgewartet werde noch eine Umfrage des Gymnasiums und der Realschule plus, die sich nebenan befinden. Dort werden die Fahrradwege unter die Lupe genommen.
Betont wurde auch, dass die neuen Entlastungsstraßen Gefahrenstellen reduzieren dürften. Eine Fahrbahn soll zu den Schulen führen, die andere die Weinstraße entlasten. Beide Projekte werden aber wohl erst dann realisiert, wenn die Grundschüler von heute ihre Ausbildung oder Studium angehen.