Kreis Südliche Weinstraße Eine neue Heimat gefunden
44 Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, Eritrea und aus Somalia leben derzeit in Billigheim-Ingenheim, fühlen sich nach eigenen Angaben ausgesprochen wohl und aufgenommen. Dies macht auch der in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Team Asyl Billigheim-Ingenheim entstandene Beitrag der Geflüchteten zu den Kulturtagen SÜW unter dem Motto „Heimat 2.0“ deutlich.
Bei der Vernissage zur Ausstellung mit Zeichnungen, Fotos, Bildern und Texten am Sonntag im Rathaus in Billigheim, die Ilse Baier eröffnete, wurde der Blick für das Thema Zuwanderung weit geöffnet. Zu dem Thema „Vertrautes zurücklassen – in der Fremde ankommen und zurechtfinden“ vermittelt die Ausstellung eindrucksvolle Einblicke in das zurückgelassene Leben der Flüchtlinge, als sie durch Krieg und Verfolgung ihre Heimat verloren. Ebenso macht die Ausstellung mit von den Geflüchteten gemachten Foto-Aufnahmen oder Video-Dokumentationen deutlich, dass die hier angekommenen Menschen Möglichkeiten suchen, miteinander ins Gespräch zu kommen und eine neue Heimat zu finden, in der sie friedlich miteinander leben können. Das Team Asyl leistet dabei vor-bildliche Arbeit, wie VG-Bürgermeister Torsten Blank (SPD) und Ortsbürgermeister Dietmar Pfister (SPD) betonten. Das kulturelle Wirken von Geflüchteten zu zeigen, die verschiedenen Ausdrucksweisen darzustellen und den Menschen, die aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen nach Billigheim-Ingenheim gekommen sind, ein Gesicht zu geben, ist mit diesem Gemeinschaftsprojekt sicherlich gelungen. Zur Eröffnung sang Khadira ein Liebeslied aus seinem Herkunftsland Somalia, bei dem die Besucher zur rhythmischen Begleitung nicht animiert werden mussten. Der 24-jährige Mohamed Alsail hat eigenen Angaben zufolge in Syrien Kunst studiert und zeigt Werke, die nach seiner Flucht entstanden. Eine Radierung zeigt beispielsweise ein Kind zwischen zwei feindlichen, aufeinander zufahrenden Panzern. Unter der Überschrift „Ein weiter Weg“ sind auf einzelnen Fußspuren zu lesen „Sieben Jahre unterwegs in Äthopien, Sudan, Libyen, Italien, Deutschland“ oder „müde“, „Hunger“, „Durst“ „Schläge“, „Geld oder Leben“, „Angst“, „ganz wenig Essen“ oder „ Fünf Monate unterwegs mit einem T-Shirt, einem Hemd, einer Hose und ohne Schuhe“. Die Flüchtlinge präsentierten in der Ausstellung unter dem Stichwort „Erinnerungen“ auch Fotos aus der Heimat mit Familienangehörigen oder auch vom Fluchtweg. Im Sitzungssaal des Rathauses zu sehen waren auch Spruchbänder wie „Ich schimpfe, ich streite, mache Fehler wie du“ oder „Ich lache, weine, singe, ich tanze so wie du“ und „Ich träume so wie du“. Ibrahim Sulaimann aus Syrien gab sich als ein leidenschaftlicher Gärtner zu erkennen. Er zeigte in einem Video, wie er zum ersten Mal im Garten seiner neuen Heimat Radieschen erntete und seine Mitbewohner im Haus davon kosten ließ. „Wir fühlen uns in Billigheim-Ingenheim sehr wohl“, verkündeten Haval und Arin Jawish mit Töchterchen Pinar. Sie seien glücklich, hier eine so gute Betreuung zu erfahren. Am Ende der Vernissage bedankte sich Nawaf Ibrahim aus Syrien für die Möglichkeit, sich in der Ausstellung zu präsentieren. Auch er versäumte es nicht, sich für die herzliche Aufnahme und Gastfreundschaft zu bedanken. Im Raum vor dem Ratssaal wurden spezielle Gewürze, Obst und Gemüsesorten sowie die dazugehörigen Rezepte präsentiert. So verrieten Samar und Arin aus Syrien ihr Rezept für einen Taboule-Bulgursalat. Organisiert wurde die Ausstellung von Astrid Benkel aus dem Team Asyl, die auch den Nachmittag moderierte und koordinierte. |som