Kreis Südliche Weinstraße Ein PS namens Odin

Ketten klirren, Staubwölkchen werden vom Wind über die frisch umgebrochene Erde getrieben. Es riecht nach Pferd und Arbeit: Die Besucher der Heuchelheimer Kerwe erleben, wie kräftige Kaltblut-Pferde schwer schnaufend den Acker pflügen oder Baumstämme ziehen.
Die Pferdevorführung war eine Premiere beim 20. Oldtimer-Traktoren-Treffen des Vereins „Altertrümmer Klingbachtal“. Unter den sieben Besitzern von Kaltblütern, die zu diesem Meeting zum Teil mit Planwagen oder Kutschen gekommen waren, war auch Stefan Schmeldekopf und dessen Lebensgefährtin Inge Hess aus Rohrbach mit ihrem Pfalz-Ardenner Odin. Stefan Schmeldekopf und sein Kaltblüter bilden beim Holzrücken ein eingespieltes Team. Vor drei Jahren hat er das Pferd in der Nähe von Kusel erworben und arbeitet seit dieser Zeit auch eng mit dem Forst zusammen. In einigen Gebieten sind sie heute wieder gefragt, um Baumstämme aus dem Wald zu holen: sogenannte Rückepferde. Die Zugtiere leisten Schwerstarbeit – und sind selten geworden. Mit einem Ruck spannt sich die Kette, mit einem dumpfen Poltern zieht er einen langen Holzstamm hinter sich her. Schmeldekopf klopft seinem schweren Zugtier aufmunternd den Hals. Gelenkt wird das Tier mit einem langen Zügel, vor allem aber mit der Stimme. Schmeldekopf feuert an, gibt Kommandos, die wie eine Geheimsprache klingen. Das Pferd geht nach links, nach rechts. Bei einem langgezogenen „Brrr“ bleibt das Zugtier stehen – aufs Wort. Nicht weit von dem Holzrücker-Team entfernt arbeitet der Winzer Herbert Heußler aus Rhodt mit seinem Kaltblüter in dem eigens auf dem Feld angelegten Weinberg. Heußler ist der Letzte seiner Art in Deutschland. Ohne Maschinen beackert der 66-jährige vier seiner Weinberge – er setzt aufs Pferd und holt so die natürliche Bodenfruchtbarkeit zurück. Einige Tausend Fans alter landwirtschaftlicher Traktoren und Geräte kamen auch in diesem Jahr voll auf ihre Kosten. Die Besitzer von mehr als 450 Oldtimer-Traktoren haben am Sonntag Heuchelheim als Zielort gewählt. Der Vorsitzende des Vereins Altertrümmer, Reiner Tempel, zeigte sich erfreut, dass wieder Raritäten zu bewundern waren. Das älteste Auto war ein Ford-T-Modell, Baujahr 1920. Schlepper, Traktoren und Arbeitsgeräte längst vergangener Zeiten – wohin das Auge reichte. Zum Umzug mit den zahllosen und schwerfälligen Oldtimern und sonstigen „Dieselrossen“ strömten trotz der Hitze viele Hundert Zuschauer. Als weiterer Höhepunkt wartete auf die Besucher eine Versteigerung von Traktoren, Maschinen und Geräten. Nostalgische Erinnerungsstücke bis zu durchaus brauchbaren Maschinen wechselten die Besitzer. (som)