Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrenamtliche retten Menschen vor der Schuldenfalle

Ein Teil des „Lichtblick“-Teams (von links): Hans-Juergen Konschak, Rainer Brunck und Werner Ertel.
Ein Teil des »Lichtblick«-Teams (von links): Hans-Juergen Konschak, Rainer Brunck und Werner Ertel.

In Bad Bergzabern wird Menschen geholfen, die bei bürokratischen Problemen Unterstützung benötigen. Dafür stehen Ehrenamtliche des Büros Lichtblicks bereit. Betroffene berichten, welches Schicksal sie erlitten haben und wie ihnen im Haus der Familie geholfen wird.

Bruno K. sagt: „Ich bin abgesackt in den vergangenen Jahren. Irgendwann habe ich meine Post nicht mehr aufgemacht.“ Bei Annemarie S. war es der Tod ihres Mannes, der sie überraschend traf. „Mein Mann hat das Finanzielle gemacht.“ Beide kamen in Schwierigkeiten, sie werden von Ehrenamtlichen des Büros „Lichtblick“ in Bad Bergzabern betreut. „Vertraulich, unbürokratisch und schnell“ lautet das Motto des Teams.

Bei dem Angebot handelt sich um ein Projekt der Diakonie Bad Bergzabern, das seit Februar dieses Jahres besteht. Für die vertraulichen Gespräche gibt es nun einen eigenen Raum im Haus der Familie in der Luitpoldstraße.

Schulden in Höhe eines sechsstelligen Betrages

Seit vielen Jahren berät Werner Ertel Annemarie S. bei wichtigen Fragen. „Er war meine Rettung, es war am Anfang nicht einfach“, sagt die 86-Jährige. 2013 starb ihr Ehemann überraschend, sie musste sich auch von dem gemeinsamen Hund trennen, weil sie einen Rollator benötigt. Es gibt noch andere Probleme: Sie belasteten damals Schulden in Höhe eines niedrigen sechsstelligen Betrages, mit denen sie nach dem Tod ihres Mannes alleine dastand.

Annemarie S. und ihr Mann waren 2002 von Frankfurt nach Bad Bergzabern gezogen und hatten sich nach der Wende mit riskanten Immobilieninvestitionen und problematischen Finanzierungen verschuldet. Um die Finanzen kümmerte sich der Ehegatte. Die erhofften Mieteinnahmen flossen aber irgendwann nicht mehr.

Wege der Schuldenfalle

Werner Ertel berichtet von der Situation, in der er seine Klientin kennengelernt hat: „Die Inkassounternehmen waren schon zugange, demnächst hätte der Gerichtsvollzieher vor der Tür gestanden.“ Drei, vier Jahre treffen sie sich regelmäßig, manchmal einmal die Woche, manchmal sogar jeden Tag. Ordnung in Finanzgeschäfte zu bringen, sind für Ertel kein Problem. Der 73-Jährige war im gewerblichen Kreditgeschäft bei einer Bank beschäftigt, kennt sich mit der Materie aus.

Ertel macht eine Bestandsaufnahme, verhandelt mit den Gläubigern, auch in Zusammenarbeit mit der Schuldenberatung der Arbeiterwohlfahrt in Landau. Eine Privatinsolvenz soll vermieden werden. Nach 32 Monaten dann die Wende: Annemarie S. ist schuldenfrei. Dass die beiden seitdem ein tiefes Vertrauensverhältnis haben, ist spürbar. Ertel hilft der 86-Jährigen auch weiterhin bei der Regelung persönlicher Angelegenheiten, beispielsweise wenn es um Patienten- oder Betreuungsverfügung oder dem Anlegen eines Bestattungsvorsorgekontos geht. „Ich führe ein hochzufriedenes Leben“, fasst Annemarie S. zusammen. „Mir hilft die berufliche Erfahrung und ich will etwas zurückgeben“, sagt Ertel, der mittlerweile die vierte Witwe berät.

Scheidung, Depressionen, Alkohol

Bruno K. ist abgestürzt, wie er selbst sagt. Scheidung, gesundheitliche Probleme, die seine Bewegungsfreiheit einschränken, Depressionen, Alkohol – irgendwann ist ihm alles egal. Die Post macht er schon gar nicht mehr auf, er reagiert nicht auf wichtige Schreiben. „Alles lag auf einem Haufen“, sagt er 66-Jährige, der Betriebswissenschaften studiert hat. Durch Zufall stößt er auf das Hilfsangebot der Diakonie. Er landet bei Rainer Brunck, der Seniorenbeauftragter ist und sich ebenfalls im „Lichtblick“ engagiert.

„Den ersten Kontakt hatten wir im November 2020. Ich habe ihn als geknickten, unsicheren Mann erlebt, aber er hat das Potenzial zur Lösung seiner Probleme“, erzählt Brunck. Wobei es drei Monate nach dem Erstkontakt gedauert habe, bis sich Bruno K. wieder bei ihm gemeldet habe. Bankkredite und Scheidungsvereinbarungen müssen noch geklärt werden. „Wir brauchen noch eine Weile miteinander“, sind sich die beiden einig. Der 66-Jährige ist aber wieder zuversichtlich. Weil er wisse, dass er sich jederzeit an Brunck wenden kann, der wiederum auf die Kompetenzen des ganzen „Lichtblick“-Teams zurückgreifen kann.

„Wir sind breit aufgestellt und treffen uns regelmäßig, um die einzelnen Fälle zu besprechen. Derzeit sind es 19 Menschen, alle alleinstehend“, sagt Brunck. Das Büro „Lichtblick“ sei allerdings mehr als eine Schuldenberatung. Der zwischenmenschliche Kontakt spiele eine große Rolle, so der Seniorenbeauftragte. Die Hilfesuchenden müssten die Bereitschaft mitbringen, aktiv an der Verbesserung ihrer Situation mitzuwirken.

Info

Das Büro „Lichtblick“ ist im Haus der Familie, Luitpoldstraße 22 in Bad Bergzabern. Infos gibt es unter Telefon 06343 931775 montags von 10 bis 12 Uhr, Termine nach Vereinbarung, Fragen auch per E-Mail an buerolichtblick@gmx.de.

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