Kreis Südliche Weinstraße
Edenkoben: Angehörige toter Soldaten besuchen Gedenkstein zu Flugzeugabsturz von 1944
Am 19. Oktober 1944 stürzten bei Edenkoben zwei amerikanische Flugzeuge ab. Seit zwei Jahren erinnert ein Gedenkstein beim Forsthaus Heldenstein daran. Angehörige der toten Soldaten werden diesen am Samstag besuchen – genau 75 Jahre nach dem Unglück.
Am Morgen des 19. Oktober 1944 starten in der Nähe von London mehrere Bomber des Typs 24 Liberator, die zum 847. Bomber Squadron der 489. US-Bombergruppe gehörten. Der Auftrag: aus Richtung Kaiserslautern kommend die Südpfalz anfliegen, hier eine Schleife drehen und schließlich Industrieziele in Mainz angreifen. Um 13.15 Uhr, die Maschinen fliegen in einer Höhe von rund 8500 Metern, kollidieren zwei Bomber zwischen Schänzel und Forsthaus Heldenstein westlich von Edenkoben. Beide Flugzeuge stürzen ab und werden dabei nahezu komplett zerstört. Grund ist wohl das schlechte Wetter, das den Piloten die Sicht erschwert. 14 Soldaten finden den Tod, zwei überleben und geraten in deutsche Kriegsgefangenschaft.
2002 Überreste entdeckt
Werner Thünel aus Neustadt stieß 2002 auf Überreste der Flugzeuge. Er setzte sich mit Uwe Benkel in Verbindung. Der Heltersberger hat nach eigenen Angaben seit Ende der 1980er-Jahre rund 140 Flugzeugwracks in Deutschland ausgegraben. 1989 gründete er die Arbeitsgruppe für Vermisstenforschung, die vermissten Fliegern der kriegsführenden Nationen ihren Namen zurückgeben und für eine ordentliche Grabstätte sorgen will. So wurde Stück für Stück die Geschichte des Absturzes beim Heldenstein recherchiert. Der Edenkobener Historiker Herbert Hartkopf hat das ganze Projekt begleitet. Er war es auch, der in der Kapelle des Edenkobener Friedhofs das Sterberegister fand, in dem die Toten damals notiert wurden.
Vor zwei Jahren wurde beim Heldenstein eine Gedenktafel aufgestellt, auf der die Namen der abgestürzten Soldaten verewigt sind. „May these young men never be forgotten for their honor, courage and sacrifice“ – Mögen diese jungen Männer, die für Ehre, Mut und Opfer stehen, nie vergessen werden“: So lautet ein Teil der Inschrift. Zur Enthüllung hatten sich damals Angehörige der Verstorbenen und eine amerikanische Delegation der Luftwaffen-Airbase Ramstein eingefunden.
Nun hat Uwe Benkel für Samstag eine neuerliche Begegnung mit Angehörigen der toten Soldaten initiiert. Erwartet werden Sandy von Stedum und Sharon Grockocki Pascente, Nichten von Charles Rath, einem der Co-Piloten. Sie kamen schon Anfang der Woche nach Deutschland und unternahmen Rundreisen in Heidelberg und Straßburg. Das Wochenende verbringen sie in Edenkoben. Ihre Mutter Elaine war die Schwester von Besatzungsmitglied Charles Rath.
Der letzte Brief des Co-Piloten
Ebenso vor Ort wird Robert Rath senior sein, sein 2015 verstorbener Vater Joseph war ein Bruder des Abgestürzten. Er bringt seinen Sohn Robert Rath junior mit. Die Raths sind im Forsthaus Heldenstein untergebracht. Die Angehörigen wohnen alle im Raum Chicago. Eine der beiden Damen hat den letzten Brief von Charles Rath mitgebracht und wird diesen am Denkmal verlesen. Die Familie ist dankbar für den Gedenkstein als Erinnerung an das Unglück, aber vor allem als Mahnmal gegen den Krieg.
Termin
Die Beteiligten treffen sich am Samstag um 14 Uhr beim Gedenkstein, der am Rand des Parkplatzes beim Forsthaus Heldenstein im Edenkobener Wald steht. Uwe Benkel und die Angehörigen würden sich freuen, wenn Zeitzeugen aus Edenkoben oder Umgebung hinzukommen. Dabei sein werden auch Vertreter US-amerikanischer Zeitungen und des Radiosenders AFN.