Kreis Südliche Weinstraße Doppelbock hat’s in sich
Göcklingen. Es sieht aus wie normales Bier in der Literflasche. Weder wird es von Tannenzweigen umkränzt noch von Engelchen umschwebt. Und trotzdem ist der Gerstensaft, den Reiner Weißgerber vom Hausbräu in Göcklingen alljährlich ab Anfang Dezember ausschenkt, etwas Festliches: sein Weihnachtsbier.
Das Doppelbock, das am 5. Dezember, begleitet von Blasmusik, in der Göcklinger Gaststätte angestochen wird, hat es in sich: Es weist einen Stammwürzgehalt von 18,5 Prozent und einen Alkoholgehalt von etwa acht Prozent auf. Schon im September, wenn kaum ein Mensch an Weihnachten denkt, wird das Festbier eingebraut. „Durch die lange Lager- und Reifezeit wird das Bier besonders süffig und aromatisch“, schwärmt Reiner Weißgerber. Und dazu sei es auch noch erschwinglich. 2,60 Euro zahlt der Bierfreund für die Literflasche, die einen nostalgischen Bügelverschluss hat. Der macht beim Öffnen plopp und sorgt beim Verschließen dafür, dass der Inhalt frisch bleibt. Warum in der Literflasche? „Bier sollte eine geselliges Getränk sein“, meint Reiner Weißgerber. Da ist so ein Liter im Nu weg. „Dieses Bier hat bei uns noch nie Weihnachten erlebt“, freut sich der Inhaber der Hausbrauerei. Der kühle Gerstensaft werde oft schon lange vor dem Anstich vorbestellt. Die „treue Kundschaft“ wohnt um die Ecke oder in einem Umkreis von rund 50 Kilometern. Aus Frankenthal und Kaiserslautern, Pirmasens und Karlsruhe kommen zum Beispiel die Bestellungen. Warum gehen diese Leute nicht einfach in den Supermarkt, um eine Kiste Bier zu kaufen? „Die großen „Fernsehbiere sind ziemlich gleich“, sagt Weißgerber. „Unser Bier schmeckt nie ganz gleich, weil auch die natürlichen Rohstoffe sich ändern“. Zwölf Spezialmalze werden beim Hausbräu verwendet. Aber künstliches Einfärben des Biers gibt’s. Man halte es mit dem Reinheitsgebot und dem alten Spruch: „Milch vom Bauer, Bier vom Brauer.“ Seit elf Jahren sind Maria und Reiner Weißgerber in Göcklingen mit Brauerei und Bierstube ansässig. Zwar kann der Braumeister mit den großen Bierfabriken mengenmäßig nicht konkurrieren, doch immerhin werden pro Jahr 130.000 Liter produziert. Sohn Lukas hat auch die Braukunst gelernt und tritt in die Fußstapfen des Vaters. Der war, wie er lachend sagt, „ein Wirtschaftswunderkind“. Reiner Weißgerber ist nämlich in Wirtschaften aufgewachsen. Schon die Oma führte in den 1930er-, 1940er-Jahren den „Bahnhof“ und die „Stadt Heidelberg“ in Landau, die Eltern das „Goldene Kreuz“ an der Marienkirche. Er selbst arbeitete lange Jahre im Brauhof in Landau, bis er sich 2004 selbstständig machte. „Mir wird’s nie langweilig, weil ich jeden Tag eine neue Kundschaft hab. Und die sagt dir ins Gesicht, ob du’s recht machst.“ (rire)