HOCHSTADT / Landau
Don Camillo als Tanzpartner
„Meine Mutter kannte den französischen Schauspieler Fernand Joseph Désiré Contandin recht gut, der eigentlich nur unter seinem Künstlernamen Fernandel bekannt war“, erinnert sich Heide Wilhelm. Der Künstlername leitete sich von der Anrede ab, die seine Schwiegermutter für ihn benutzte. Sie sprach nur von „Fernand d'elle“, also „ihrem Fernand“. Berühmt wurde der Schauspieler in Deutschland vor allem als Darsteller des schlitzohrigen spitzbübischen italienischen Priesters in der Filmreihe „Don Camillo und Peppone“. Fernandel war aber Franzose.
Doch der Reihe nach. Vor wenigen Wochen feierten Heide und Rolf Wilhelm aus Hochstadt ihre Diamantene Hochzeit. Im Gespräch für den RHEINPFALZ-Artikel anlässlich ihres Ehejubiläums erzählte Heide Wilhelm so nebenbei eine außergewöhnliche Geschichte aus ihrem Leben: Sie erwähnte die Begegnung mit Fernandel. „Er kam hin und wieder als Gast ins Hotel Vauban nach Landau, das in den 1950er-Jahren ja den Franzosen gehörte. Meine Mutter arbeitete dort und ich durfte immer mal wieder mit dorthin und abends dann auch etwas länger dableiben“, erinnert sich Heide Wilhelm. Fernandel sei ein gern gesehener Gast gewesen, der zum Essen kam und sich dazu auch das ein oder andere Glas Rotwein gönnte.
„Das Tanzen mit ihm war ein Riesenerlebnis“
Abends wurde im Hotel regelmäßig zum Tanz aufgespielt. „So kam es auch, dass er mich hin und wieder zum Tanzen aufforderte. Ich war damals so zwölf bis 14 Jahre alt war. Wahrscheinlich wurde ich dann immer ganz verlegen und bekam rote Backen, wenn er mich ansprach, aber das weiß ich heute nicht mehr so ganz genau“, sagt Heide Wilhelm. Verständlich, schließlich liegen die Tanzvergnügen ja auch schon sechseinhalb Jahrzehnte zurück. „Das Tanzen mit ihm war immer ein Riesenerlebnis für mich. Das werde ich nie vergessen. Ich musste immer zu ihm aufschauen, ich war ja damals noch ein relativ junges Mädchen und nicht allzu groß, er hingegen war ein echter Hüne von Mann“, ist die 78-Jährige immer noch hin und weg, wenn sie an ihn denkt.
Fernandel war in den 1950er-Jahren ein europaweit enorm populärer, vielbeschäftigter und hoch bezahlter Star. Er war auch gelegentlich in Deutschland zu Besuch. Etwa in Stuttgart oder Frankfurt zum Verleihstart seiner Filme. Später weilte er auch zu Dreharbeiten in München. Seine Besuche in Landau sind allerdings in den zahlreichen Biografien, die über ihn veröffentlicht wurden, nicht erwähnt. Auch im Landauer Stadtarchiv sind keine Hinweise auf die Besuche des Don-Camillo-Mimen in der Südpfalz zu finden. Heide Wilhelm erinnert sich aber ganz genau an den Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen.
Ihr Lokal nannte Heide Wilhelm „Don Camillo“
Dass man Fernandel ob seiner ausgeprägten Physiognomie in Schauspielerkreisen den Mann mit dem Pferdegesicht nannte, war Heide Wilhelm völlig unbekannt. Weniger bekannt ist auch die Tatsache, dass Gino Cervi, der in den Filmen den Kommunisten Giuseppe Bottazzi, genannt Peppone, mimte, eigentlich für die Rolle des Pfarrers vorgesehen war, während Fernandel dafür nur zweite Wahl war. Erst als der Schriftsteller Giovanni Guareschi, der die Don-Camillo-Romane schrieb und den Bürgermeister im Film auch selbst spielen wollte, von diesem Vorhaben Abstand nahm, entschied er sich für Gino Cervi als Peppone. Die Rolle des Pfarrers musste neu besetzt werden und so kam der am 8. Mai 1903 in Marseille geborene Fernandel zur Rolle seines Lebens.
Bevor er Schauspieler wurde, hatte er sich in mehr als 30 Berufen, darunter auch als Sänger, versucht. Seine Karriere begann mit kleinen Auftritten in Music Halls, Variétébühnen und Kabaretts. Ende 1970 mussten die Dreharbeiten zu einem weiteren Don-Camillo-Film abgebrochen werden, weil Fernandel an Krebs erkrankt war. Der Film „Don Camillo und das rothaarige Mädchen“ wurde nie fertiggestellt. Der neben Jean Gabin, Alain Delon und Louis de Funès wohl bekannteste französische Schauspieler starb am 26. Februar 1971 im Alter von 67 Jahren in Paris.
Heide und Rolf Wilhelm, die aus Landau stammen, wohnten 20 Jahre in Bellheim. Dort führten sie zwölf Jahren lang das Lokal „Don Camillo“. Wer die Geschichte von Heide Wilhelm kennt, weiß, warum ein deutsches Ehepaar aus Landau sein Lokal „Don Camillo“ nennt.