Kreis Südliche Weinstraße „Die Talsohle ist erreicht“
Derzeit steht rund ein Drittel der Geschäfte in Bad Bergzabern leer, eine Katastrophe für den Einzelhandel – aber auch eine Chance. Hauptgrund für den Leerstand ist der hohe Sanierungsbedarf der Gebäude. „Die Kunden sprechen uns darauf an und wir müssen offensiv damit umgehen“, sagt Bernd Malysiak. Er ist Einzelhändler in zweiter Generation, schon immer Mitglied des Werbekreises mit 65 Mitgliedern und seit vier Jahren dessen Vorsitzender.
„Die Talsohle ist erreicht“, sagt der 53-Jährige zur augenblicklichen Situation mit den vielen Leerständen. Den Kunden gegenüber, von denen er häufig angesprochen werde, mache es keinen Sinn, die Dinge zu beschönigen. „In vielen heute leer stehenden Geschäften wurde es versäumt, frühzeitig zu sanieren oder für eine Nachfolge zu sorgen“, sagt Malysiak, der vor 15 Jahren als Uhrmacher und Goldschmiedemeister das elterliche Geschäft übernommen hat, das 1949 gegründet wurde. Tochter Svenja macht derzeit eine Ausbildung als Goldschmiedin und wird das Geschäft übernehmen. „Eigentum verpflichtet“, ist die Meinung des Geschäftsmanns. Und er versteht nicht, warum es nicht erhalten wird: „Als Eigentümer sollte man an das Gemeinwesen denken, sanieren oder verkaufen.“ Für die Geschäftswelt in Bad Bergzabern sieht er ein Problem darin, dass die Spontankäufer, die bei einem Bummel durch die historische Innenstadt einkaufen, weniger werden. „Die Leerstände, manchmal sind es zwei oder drei hintereinander, fallen auf, für uns heißt das, dass wir uns weit mehr anstrengen müssen“, ist seine Analyse. Licht am Ende des Tunnels sieht er unter anderem darin, dass fünf Geschäfte in der jüngsten Vergangenheit neu eröffnet haben, teils in sanierten Gebäuden. Auch der monatliche Hameckermarkt, eine Idee von Susanne Schultz vom Zentrumsmanagement der Stadt, finde großen Anklang. „Es wird aber nicht von heute auf morgen gehen“, macht sich Bernd Malysiak keine Illusionen. Er plädiert für mehr Vernetzung der Einzelhändler, auch mit den Gastronomen und Vereinen. „Service, Persönlichkeit und die Qualität der Produkte sind die Standbeine des Einzelhandels, der aber auch auf das Internet nicht mehr verzichten kann“, ist die Erfahrung des Einzelhändlers mit drei Geschäften. In der augenblicklichen Situation seien besondere Ideen gefragt. Wie die Verschönerung der leeren Schaufenster oder eine besondere Beleuchtung der Leerstände bei Veranstaltungen wie der „Hellen Nacht“. „Vor 30 Jahren gab es auch schon Leerstände, das wurde meist schnell behoben und es war für jeden Einzelhändler selbstverständlich, Mitglied im Werbekreis zu sein“, erinnert sich Malysiak an seine Jugend. Und daran, dass damals das ganze Spektrum der Konsumgüter abgedeckt war. „Es gab allein vier Fernsehtechniker, heute ist es noch einer.“ Am gleichen Strang ziehen, den Kunden gegenüber offen mit dem Thema Leerstand umgehen und zusätzliche Angebote schaffen, ist seine Strategie, um möglichst gut aus der Talsohle herauszukommen. Von den Hauseigentümern, deren Immobilien Sanierungsbedarf haben, wünscht sich Malysiak, dass sie unter anderem das Sanierungsprogramm „Historische Innenstadt“ mit Zuschüssen und attraktiven Abschreibungen in Anspruch nehmen. Und er ist trotz der schwierigen Lage optimistisch: „Wir haben in Bad Bergzabern einige Pfunde, mit denen wir wuchern können“.