Göcklingen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Dorfmühle übersteht auch das Hochwasser

Winzer André Dausch hat aus der einstigen Dorfmühle ein Weingut gemacht.
Winzer André Dausch hat aus der einstigen Dorfmühle ein Weingut gemacht.

Die Göcklinger Dorfmühle ist, obwohl sie zentral im Ort liegt, jünger als die Ober- oder die Erlenmühle. Erstmals wird sie im Jahr 1713 erwähnt. Getreide wird dort zwar schon lange nicht mehr gemahlen, aber im Gegensatz zu vielen anderen Mühlen ist das Dorfmühlen-Gebäude auch heute noch von Bedeutung.

Hochwasser und Überflutungen sind keine Phänomene unserer Zeit. Überschwemmungen gab es auch früher schon. Am 5. Juli 1834 erlebte die kleine Gemeinde Göcklingen ein Hochwasser. Der damalige Wasserstand betrug in der alten Ölmühle 91 Zentimeter und überflutete das gesamte Erdgeschoss. Aber die Schäden konnten rasch behoben werden. Bis zum Jahr 1918 wurde noch Getreide direkt bei der Mühle gedroschen und geschrotet.

Matthias Thomser war der erste bekannte Dorfmüller in Göcklingen. Er ist als Trauzeuge des späteren Dorfmüllers Johannes Schauß benannt und war mit dessen Frau Anna Margareta Fux verwandt. Schauß stammte aus Mainz (Mogonty). Bereits 1718 ist in einer Urkunde des Matrikelbuchs nachzulesen: „Wie nit weniger Johannes Schauß, Bürgermeister und Dorfmüller!“ Um 1723 gab er seine Mahl-Mühle als Unterpfand zwischen den beiden Bächen. Er starb am 5. Juni 1732 als Bürger und Müller.

Dynastie Keller betreibt Mühle 180 Jahre lan

Die Witwe von Müller Schauß heiratete im Folgejahr Johann Georg Sendelbeck, „Bürger und Müller im Dorf“. Mit ihm und seiner Familie meinte es das Schicksal nicht gut. In seiner Ehe kamen drei Totgeburten zur Welt, das einzig lebend geborene Kind starb im ersten Lebensjahr. Ab dem Jahr 1756 werden die Namen Schauß und Sendelbeck in den Göcklinger Tauf - und Sterbebüchern nicht mehr erwähnt.

In der Folge drückte die Dynastie Keller der Mühle für etwa 180 Jahre ihren Stempel auf. Die Inschrift über dem Kellereingang lautet: „17 GJK - AMGK 77“ und heißt: „Georg Jakob Keller - Anna Margaretha Kellerin“. Eine weitere Inschrift über der Haustür lautet: „GJK - AMGK“ . Demnach waren Georg Jakob Keller und seine Ehefrau eindeutig Eigentümer der Mühle. In dieser Zeit lag wohl die Blütezeit der Mühle.

Auch Öl- und Sägemühle

Georg Jakob Keller wurde am 15. Juni 1742 geboren und war der Vater von Friedrich Keller, dem nächsten Besitzer der Dorfmühle. Später ist noch von einem Jakob Keller sen. zu lesen. Erwähnt wird in dieser Zeit eine Mahlmühle mit zwei Mahlgängen und eine Ölmühle. Später kam noch eine Sägemühle dazu, die ebenfalls von dem Mühlrad angetrieben wurde. Auf einem Grabstein auf dem Göcklinger Friedhof, der inzwischen abgeräumt ist, stand noch der Name Jakob Keller jun. Müller 1875 bis 1951. Sein Sohn Georg Keller war der letzte Müller der Dorfmühle. Er wurde im Grab seiner Eltern beigesetzt.

Maria Hägele ist eine geborene Keller, sie war eine Verwandte des letzten Müllers und hat die Dorfmühle geerbt. Im Jahr 1961 verkaufte sie die Mühle an den Landwirt und Winzer Georg Dausch und seine Ehefrau Elfriede. In den frühen 60er-Jahren wurde der Wasserfall beseitigt. Das Mühlrad war schon viele Jahre zuvor abgebaut worden. Etwa zehn Jahre später ließ die Gemeinde den Mühlgraben verrohren und einebnen. Der entstandene Weg parallel südlich der Hauptstraße wird heute als innerörtlicher Wanderweg und Zufahrt zu den südlich der Hauptstraße liegenden Anwesen und Gärten genutzt.

Bis 1992 landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb

Bei allen Mühlen führte der Wasserzulauf, meist Mühlgraben genannt, von einer höher gelegenen Stelle zum Mühlrad. Damit konnte die erforderliche Wassermenge bei Niedrigwasser angestaut und bei Hochwasser durch Ablassen des Wassers über ein Wehr, auch Ablass genannt, in den ursprünglichen Bach besser geregelt werden. Wegen der unterschiedlichen Wassermenge kam es oft zu Streitigkeiten zwischen den Mühlenbesitzern entlang des Baches und auch mit den Landwirten, die ihre Wiesen bewässerten.

Die Eheleute Dausch führten von dem Anwesen aus einen landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb bis zum Jahr 1992. Anschließend wurden die Ländereien zwischen den drei Söhnen Ludwig, Theo und Manfred aufgeteilt. Letzterer übernahm mit seiner Frau Gudrun das Mühlenanwesen als Wohngebäude und landwirtschaftlichen Nebenbetrieb. Seit 2016 führt deren Sohn André als ausgebildeter Winzer das Anwesen als biologisch zertifizierten Betrieb im Verband Bioland mit einer Betriebsgröße von rund acht Hektar und den hauptsächlich angebauten Rebsorten, Burgunder, Riesling, Portugieser und Müller-Thurgau.

Die Serie

Fließgewässer waren für das Müllerhandwerk unersetzlich. An Bächen aufgereiht wie an einer Perlenkette prägten Mühlen das Landschaftsbild. Viele sind dem Mühlensterben um die vorletzte Jahrhundertwende zum Opfer gefallen. Welche Geschichte steckt hinter den Bauwerken? Und wie werden die Anwesen heute genutzt? Diesen Fragen gehen wir in unserer Serie „Am rauschenden Bach“ nach.

Die Dorfmühle vom Westen aus gesehen. Das Foto entstand zwischen 1940 und 1950.
Die Dorfmühle vom Westen aus gesehen. Das Foto entstand zwischen 1940 und 1950.
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