Wir über uns
Die Bahn und ich: eine komplizierte Beziehung
Hach, Urlaub ist doch etwas Schönes. Jaja, schon klar: Das ist keine neue Erkenntnis. Aber es stimmt nun einmal. Zwei, drei Wochen raus dem Arbeitsalltag und Abschalten, wahlweise an nichts oder gar nichts denken. Wenn dann noch eine Reise hinzukommt ... Herz, was willst du mehr?
Diesen absoluten Gipfel der Zufriedenheit haben meine Partnerin und ich vor ein paar Wochen mal wieder erklommen. Es ging nach Hamburg – und zwar mit dem Zug. Wir wollten die knapp 650 Kilometer ganz stressfrei zurücklegen. Einsteigen, ein paar Stunden dösen oder ein Buch lesen und in der Hansestadt aussteigen. So einfach kann das mit dem ICE sein – wenn alles wie geplant läuft.
Wer nun meint, an dieser Stelle folgt das große Lamento über einen der zahlreichen Missstände bei der Deutschen Bahn, dem sei gesagt: falsch gemeint. Die Hinfahrt mit dem ICE 696 von Karlsruhe in Richtung Hamburg-Altona verlief völlig reibungslos. Auch die Viertelstunde, die der Zug zu spät losfuhr, ändert nichts daran, dass die Reise gen Norden eindeutig Kategorie „Allahopp“ war.
Aus Entspannung wird Verzweiflung
Genau genommen war sie sogar die Grundlage für absolut entspannte Tage in der Hansestadt. An die Rückfahrt verschwendeten wir keinen einzigen Gedanken. Erst als der Tag des Abschiednehmens von Speicherstadt, Reeperbahn und Co. gekommen war, fiel der Blick wieder in die DB-Navigator-App. Zuerst um 18.24 Uhr mit dem ICE 877 nach Frankfurt, von dort aus um 23.06 Uhr weiter mit dem ICE 775 nach Karlsruhe. Mit diesem klaren Plan in der Hosentasche standen wir um kurz nach sechs an Gleis 14 des Hamburger Hauptbahnhofs. Und siehe da: Wenige Minuten später ploppte unser Zug auch schon auf der Anzeige am Bahnsteig auf – versehen mit der Information, dass er 20 Minuten später kommen wird. Für Unruhe sorgte das nicht, denn die Zeit zum Umsteigen war großzügig bemessen.
Eine halbe Stunde später sah die Welt anders aus. Aus Entspannung war Verzweiflung geworden. Denn der ICE 877 nach Frankfurt war noch immer nicht eingetrudelt. Von der Infotafel war er auch verschwunden.
Freundliche Mitarbeiter leider Fehlanzeige
Ein nicht sonderlich freundlicher Mann am Infoschalter erklärte uns kurz darauf, dass der Zug gefahren und jetzt irgendwo zwischen Hamburg und Frankfurt unterwegs sei. Nachdem wir ihm mehrfach sagten, dass wir seit kurz nach sechs an Gleis 14 standen und Stein und Bein schwören können, dass das nicht sein kann, hatte er wohl keine Lust mehr auf uns. Klar war zu diesem Zeitpunkt: Wir brauchen eine neue Verbindung nach Hause. „Dazu müssen Sie ins Reisezentrum dort drüben“, lautete die Auskunft. Immerhin drückte uns der mürrische Hanseate noch einen Zettel in die Hand, auf dem stand, dass es um 20.01 Uhr weitergehen könnte.
Was wir nicht ahnten: „Dort drüben“ bedeutete einen Fußmarsch durch den Hauptbahnhof, aus diesem heraus und wieder hinein, der gefühlt so lang war wie die Strecke von Landau bis Bad Bergzabern. Die Dame an der Anmeldung des Reisezentrums – sie war übrigens noch eine Spur unfreundlicher als ihr Kollege am Infoschalter – drückte uns nach kurzer Schilderung des Problems einen Zettel mit einer Nummer in die Hand. Einem Monitor war zu entnehmen: Die voraussichtliche Wartezeit beträgt etwa 45 Minuten. Problem: Es war schon 19.45 Uhr, Gleis 14 lag in weiter Ferne und unser neuer Zug sollte angeblich um 20.01 losrollen. Um es kurz zu machen: Nur dank des tapferen Einsatzes meiner Partnerin, die an einen freien Schalter stürmte, obwohl unsere Nummer längst nicht aufgerufen wurde, konnten wir dieses Problem lösen.
Nächstes Fiasko im Bordbistro
Im Zug sollten eine heiße Schokolade und ein Tee im Bordbistro unsere Gemüter beruhigen. „Das geht jetzt leider nicht, die Maschine ist gerade im Reinigungsprogramm“, sagte uns die Dame an der Theke. Wir sollten es so in 20 Minuten noch einmal probieren. Zu Freudensprüngen veranlasste uns diese Information nicht, immerhin war die Frau aber freundlich. Eine halbe Stunde später watschelten wir also erneut ins Bistro – wo die Rollläden heruntergelassen waren. Statt Kundschaft zu bedienen, saß die Belegschaft an einem Tisch. In Hannover sei Personalwechsel, teilte man uns mit. Dort sei man etwa in einer halben Stunde. Bis dahin geht gar nix mehr.
Spätestens jetzt hatte die Katastrophe Ausmaße angenommen, die nicht mehr zu steigern waren. Selbst die zwei Stunden Aufenthalt am Frankfurter Hauptbahnhof machten die Lage nicht mehr schlimmer. Obwohl wir dort mitten in der Nacht Menschen begegnet sind, deren Gesellschaft nicht angenehm ist. Die Odyssee endete schließlich um 4.08 Uhr am Karlsruher Hauptbahnhof.
Mit etwas Abstand ist mir einiges in Sachen Deutsche Bahn klar geworden. Erstens: Der ICE 877 in Hamburg ist womöglich tatsächlich an uns vorbeigefahren. Es gab da nämlich einen Zug mit der Nummer 200, auf dem der Hinweis „bitte nicht einsteigen“ stand. Zweitens: Die Bahn hat mich binnen kurzer Zeit zum zweiten Mal in die Verzweiflung gestürzt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja noch ein meine gescheiterte Reise von Wörth nach Bad Bergzabern. Drittens: Ich gebe nicht auf und werde womöglich auch für die nächste Städtereise die Schiene nehmen.